Als Mitarbeiterin im Betriebsnummern-Service (BNS) in Saarbrücken ist Kristina Alff in ständigem Kon­takt mit Unternehmen aus ganz Deutschland.

Be­triebs­num­mern-Ser­vice

Acht Zif­fern für die Ar­beits­welt

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Kristina Alff vergibt Betriebsnummern an Unternehmen aus ganz Deutschland. Am Telefon steht sie Firmen und Steuerberatern zur Seite. Die Daten, die Alff erfasst, sind für den betrieblichen Ablauf unverzichtbar und dienen auch amtlichen Statistiken.

Wer mit Kristina Alff telefoniert, hat meistens Großes vor: einen Firmenumzug beispielsweise oder er stellt jemanden ein. Die 23-Jährige arbeitet seit drei Jahren im Betriebsnummern-Service der Bundesagentur für Arbeit. Alff und ihre 150 Kollegen im Saarbrücker Stadtteil Sankt Johann vergeben Betriebsnummern für Unternehmen in ganz Deutschland – vom Kleinstbetrieb mit einem einzigen geringfügig Beschäftigten bis hin zu Großkonzernen wie der Deutschen Post, Siemens oder Volkswagen. Jedes Jahr sind das rund 260.000 Nummern, dazu kommen mehr als 170.000 Überprüfungen, unzählige Anfragen und Änderungsmitteilungen. Der überwiegende Teil der Anträge und Änderungen geht telefonisch ein, weshalb die Mitarbeiter von sieben der insgesamt neun Teams den ganzen Tag über mit einem Headset am Schreibtisch arbeiten.

Die achtziffrige Zahl, die Alff und ihre Kollegen vergeben, braucht jeder Betrieb, der Arbeitnehmer beschäftigt. Sie dient den Sozialversicherungen als Identifikationsnummer. Erfasst wird neben der Betriebsbezeichnung, der Rechtsform und den Kontaktdaten auch der wirtschaftliche Schwerpunkt des Betriebs. Derzeit stehen Alff und ihren Kollegen 839 international genormte Schlüssel zur Verfügung, von „01110“ für „Anbau von Getreide (ohne Reis, Hülsenfrüchte und Ölsaaten)“ bis „99000“ für „Exterritoriale Organisationen und Körperschaften“.

Aus den Daten, die Alff und ihre Kollegen am Telefon erfragen, wird auch die amtliche Beschäftigungsstatistik erstellt – selbstverständlich anonymisiert. „Wir müssen während der Erfassung häufig bei den Unternehmen nachfragen, denn nicht immer ist klar, welcher Branche ein Unternehmen zuzuordnen ist“, sagt sie.

Eine Großbäckerei beschäftigt beispielsweise nicht nur Bäcker, sondern in ihren Verkaufsfilialen auch Verkäuferinnen und Verkäufer, deshalb würde die Firma für die unterschiedlichen wirtschaftsfachlichen Tätigkeiten zwei verschiedene Betriebsnummern bekommen. Und wenn sie eine Verkaufsfiliale in einer Nachbargemeinde eröffnet, bekommt diese eine eigene Nummer, denn die Beschäftigtenzahlen werden grundsätzlich auf Gemeindeebene erfasst. „Anhand der Beschäftigtendaten wird auch der Anteil jeder Kommune an der Umsatzsteuer berechnet“, sagt Alff. Für die Kommunen sind ihre Zahlen also bares Geld wert. Voraussetzung jedoch ist, dass jeder Arbeitgeber die Nummer in der jeweiligen Kommune dann auch für die Meldung der dortigen Mitarbeiter nutzt.

„Nicht immer ist klar, welcher Branche ein Unternehmen zuzuordnen ist.“

Kristina Alff, Fachangestellte für Arbeitsförderung

Bis 2007 war für die Vergabe der Betriebsnummern die örtliche Arbeitsagentur zuständig. Dann beschloss die Bundesagentur, die Daten zentral zu sammeln und zu erfassen, um die Qualität des Zahlenmaterials zu verbessern. Schon 2008 war die Umstellung abgeschlossen, seitdem verzeichnet der Betriebsnummern-Service jährlich – alle Aktivitäten zusammengefasst – rund eine Million Kundenkontakte.

Kristina Alff kam 2007, direkt nach der Schule, zur Bundesagentur und fing nach ihrer Ausbildung im Betriebsnummern-Service an. Seit 2010 ist sie Fachangestellte für Arbeitsförderung.

„Es macht mir großen Spaß, jeden Tag mit unseren Kunden zu telefonieren“, sagt sie. Meist sind es Steuerberater, die Daten melden, manchmal rufen Krankenkassen an, um Betriebsnummern zu erfragen.

Ein zweites wichtiges Arbeitsfeld ist die Datenpflege: Auch die Vermittler in den Arbeitsagenturen vor Ort haben Zugriff auf die Datenbank. Wenn sie erfahren, dass ein Unternehmen umgezogen ist oder der Betrieb aufgelöst wurde, tragen sie eigenständig die Änderungen ein. „Aber natürlich müssen wir das verifizieren und rufen deshalb pro Jahr etwa 150.000 Betriebe an.“

In Stichproben wird zudem regelmäßig die Qualität der Datenbank überprüft, denn die statistischen Daten haben großen Einfluss auf die Planungen in Bund, Ländern und Gemeinden. So werden über die Daten beispielsweise Pendlerbewegungen sichtbar, die dann beim Straßenbau und in der Raumplanung berücksichtigt werden können.

Das häufigste Problem war lange, dass die Unternehmen vergessen haben, Änderungen wichtiger betrieblicher Daten mitzuteilen“, sagt Alff. Eine Lösung wurde vor zwei Jahren gefunden: Seitdem sind in den elektronischen Programmen, mit denen die Unternehmen ihre Arbeitnehmer bei der Sozialversicherung melden, entsprechende Funktionen integriert. „Trotzdem ist es schöner, wenn die Unternehmen bei uns anrufen und wir solche Fragen persönlich besprechen können“, sagt Alff und nimmt den nächsten Anruf entgegen.

Eine runde Sache: In ihrer Freizeit spielt Kristina Alff zum Ausgleich Handball in der saarländischen Kreisliga.
© Albrecht Fuchs

Eine runde Sache: In ihrer Freizeit spielt Kristina Alff zum Ausgleich Handball in der saarländischen Kreisliga.

Profil

Kristina Alff

Im Job
Als Mitarbeiterin im Betriebsnummern-Service (BNS) in Saarbrücken ist Kristina Alff in ständigem Kon­takt mit Unternehmen aus ganz Deutschland. Sie ist seit sechs Jahren bei der BA – zunächst als Auszubildende, dann als Mitarbeiterin im BNS. Berufsbegleitend hat sie per Abendschule zwei Jahre lang für das Fachabitur gelernt. „Ich möchte mich gerne innerhalb der Arbeitsagentur weiterentwickeln und werde dabei von meinen Vorgesetzten gefördert“, sagt die 23-Jährige. Vorerst bleibt sie dem Betriebsnummern-Service jedoch treu: „Ich bin ja noch jung und die Arbeit hier macht mir großen Spaß.“

Nach der Arbeit
Ein Tag am Telefon kann ganz schön anstrengend sein. Privat sucht Kristina Alff deshalb lieber persönlichen Kontakt zu ihren Bekannten: „Zu Hause bin ich ein Telefonmuffel“, sagt sie. Viel lieber greift sie zum Handball – kein Wunder, wohnt sie doch in Blieskastel, wo der TV Niederwürzbach zehn Jahre lang in der Bundesliga spielte. „Wir haben vor etwa fünf Jahren mit einem Dutzend Mädels ein Team gegründet und spielen am Wochenende in der Frauen-Kreisliga. „Der Sport ist ein guter Ausgleich zu meiner Arbeit am Schreibtisch“, sagt Alff.

Mehr zu diesem Thema