Zwei Unternehmer erzählen, was sie von Zusatzleistungen für Mitarbeiter halten

Bo­ni für Mit­ar­bei­ter

Mo­ti­vie­ren Prä­mi­en wirk­lich?

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Und zusätzlich noch einen Firmenwagen, eine Prämie und einen Bonus für erfolgreiche Akquise – in manchen Unternehmen werden besondere Leistungen extra honoriert, für einen Vertragsabschluss auch schon mal ein Laptop verschenkt. Motiviert das? Oder verpufft der Effekt? Zwei Unternehmer erzählen, was sie von materiellen und finanziellen Zusatzleistungen halten.

Markus A. Blümle ist Director Human Resources der E.G.O.-Gruppe
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Markus A. Blümle ist Director Human Resources der E.G.O.-Gruppe, einem Zulieferer für Hausgerätehersteller. Am Stammsitz des Unternehmens in Oberdingen bei Karlsruhe beschäftigt E.G.O. etwa 2.000 Mitarbeiter.

Pro Prämien und Boni

Wir haben durchweg gute Erfahrungen gemacht mit der Verteilung von Boni und Prämien. Jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, durch gute Leistungen bis zu 30 Prozent mehr auf  sein Grundentgelt zu verdienen. Das spornt viele an, und dieses Prinzip werden wir auch beibehalten – doch die monetäre Zuwendung allein hält  Mitarbeiter nicht im Betrieb.

Es ist das Gesamtpaket. Vor etwa acht Jahren haben wir zum Beispiel angefangen, noch zusätzlich Sachbezüge zu zahlen. Jeder Mitarbeiter kann ein iPhone, Zuschüsse für die Kita, Tankgutscheine, Restaurantschecks sowie eine Shopping­Card und vieles mehr bekommen. Damals haben wir uns diese Anreize überlegt, weil wir als Unternehmen in Baden­Württemberg – wo ja nicht gerade Arbeitsplatzmangel herrscht – attraktiv bleiben müssen. Auch in unserem Unternehmen gibt es immer mal wieder personelle Engpässe in verschiedenen Bereichen. Da muss man sich etwas überlegen. Wir haben schon immer den Mitarbeiter als Mensch innerhalb und außerhalb des Unternehmens betrachtet und fragten uns: Welche Bedürfnisse hat der Mitarbeiter – und wo  steht er  gerade im Leben? Mitarbeiterbindung funktioniert nur, wenn man als Unternehmen mitdenkt und mit dem Mitarbeiter die verschiedenen Lebensphasen durchlebt.

„Jeder kann etwas dafür tun, damit sich die Belegschaft wertgeschätzt fühlt.“

Markus A. Blümle, Director Human Resources der E.G.O.-Gruppe

Unterstützung gibt es, wenn etwa ein Angehöriger ins Pflegeheim muss, wenn ein Kitaplatz  benötigt wird, wenn das Wirtschaftsenglisch in einem Kurs aufgefrischt werden muss, wenn ein Baby zur Welt kommt (Windeln), wenn ein Feiertag ist (Osterhasen, Weihnachtsmänner). Viele unserer Mitarbeiter geben uns ein positives Feedback. Viele möchten, dass ihre Kinder einen Ausbildungsplatz bei uns bekommen. Nicht zuletzt weil sie wissen, dass das Unternehmen sich umfassend um die Mitarbeiter kümmert, und weil es möglich ist, noch mehr als das Grundentgelt zu verdienen. Aktuell gehören unsere Mitarbeiter im Durchschnitt 20 Jahre zum Unternehmen – 40 Jahre E.G.O. ist eher die Regel als die  Ausnahme. Darauf sind wir stolz.

Ich glaube, dass selbst ganz kleine Betriebe ihre Mitarbeiter über das monatliche Entgelt hinaus unterstützen können. Klar muss man da kreativ sein. Aber es gibt so viele Möglichkeiten: Wenn man nicht gleich eine Kita bieten kann, bucht man vielleicht die Tagesmutter, die in den Betrieb kommt und sich gleich um mehrere Kinder kümmert. Ich glaube, jeder kann etwas dafür tun, dass sich die Belegschaft wertgeschätzt fühlt.

Hajo Engelke ist Geschäftsführer der Forderungsbörse Debitos in Frankfurt
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Hajo Engelke ist Geschäftsführer der Forderungsbörse Debitos in Frankfurt. Das junge Unternehmen beschäftigt sieben feste Mitarbeiter und sechs Werkstudenten.

Contra Boni und Prämien

Von Boni und Geschenken bin ich nicht überzeugt. Als junges  Unternehmen müssen wir durch flache  Hierarchien und flexible Arbeitszeiten punkten. Debitos bringt Verkäufer von Not leidenden Forderungen und gekündigten Krediten mit professionellen Investoren zusammen. So können Unternehmen etwa Forderungen gegen Kunden verkaufen, die bereits Insolvenz angemeldet haben. Wir  beschäftigen IT­Spezialisten und Vertriebler, also begehrte Arbeitnehmer auf dem hiesigen Markt.

Natürlich geht es denen auch um die monetäre  Vergütung. Gerade in Frankfurt kann ein junges Unternehmen wie Debitos nicht mit den Bankergehältern mithalten. Anders als in großen Unternehmen haben einige unserer Mitarbeiter die Möglichkeit, Firmenanteile zu erhalten. Gemeinsam mit zwischenmenschlicher Anerkennung der Leistungen steigert das die Identifikation mit unserem Unternehmen weit mehr als die Zahlung von Boni für Teilleistungen, und gerade als junges Unternehmen brauchen wir Mitarbeiter, die sich mit unserem Unternehmen identifizieren. Aus meiner Zeit als fest angestellter Banker weiß ich aber, dass ich Boni weniger als einen besonderen Motivator für meine künftige Arbeitsleistung gesehen habe, da sie sich auf die Vergangenheit bezogen.

„Motivation ist unabhängig von Prämien.“

Hajo Engelke, Geschäftsführer der Forderungsbörse Debitos

Oft ließ sich sogar genau das Gegenteil beobachten, denn wenn ein Kollege einen leicht höheren Bonus erhielt, wuchs gleich die Unzufriedenheit. Das hatte wenig mit einer tollen Dynamik zu tun, die dafür sorgt, dass Mitarbeiter für ihr Unternehmen brennen und mit Leidenschaft arbeiten, sondern führte statt Begeisterung und Dankbarkeit überraschenderweise eher zu schlechter Stimmung. Andererseits ist es  in großen Unternehmen auch nicht  so einfach, die individuelle Leistung  adäquat zu messen und zu belohnen. Boni und Prämien machen es leicht, denn die Summe ist abhängig von einer messbaren Leistung.

In kleineren Unternehmen hingegen ist es ein  größerer Anreiz, sich als Team zu verstehen, in dem jeder Einzelne dafür  verantwortlich ist, dass das Projekt erfolgreich wird. Ich halte auch nichts von Geschenken. Eine Flasche Wein auf dem Tisch eines Mitarbeiters signalisiert auch, dass der Vorgesetzte es nicht geschafft hat, sich persönlich bei ihm für dessen Leistung zu bedanken. Das ist anonymer als ein ehrliches Wort: „Das hast du super gemacht – danke, dass du uns so hilfst.

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Markus Blümle, Hajo Engelke
Titelfoto: © Thomas Kappes