Der Mittelstands-Jahresrückblick 2016

Wirt­schafts­jahr 2016

Der Mit­tel­stand im Jah­res­rück­blick

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Wie wirken sich Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt aus? Was tun
gegen den Azubi-Mangel? Wie nutzen Mittelständler soziale Netzwerke?
Die wichtigsten Zahlen des Wirtschaftsjahres 2016 aus Mittelstandsperspektive.

Die großen Wirtschaftsthemen 2016 waren für Klein- und Mittelbetriebe ohne Zweifel die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt, die Herausforderungen durch die Digitalisierung und die immer schwieriger werdende Suche nach Fachkräften und Azubis. Wir haben zusammengefasst, wie der Mittelstand 2016 zum Thema Integration von Geflüchteten stand, für welche digitalen Technologien er offen steht und was Betriebe gegen den Azubi-Mangel tun.

  • Wie viele Ausbildungsplätze gab es 2016?

    547.000 neue Ausbildungsplätze sind laut Bundesagentur für Arbeit 2016 gemeldet worden, rund 43.000 davon blieben unbesetzt.

    548.000 Menschen haben sich um einen Ausbildungsplatz beworben. Von ihnen haben bisher rund 527.000 eine Stelle gefunden, etwa 20.500 sind leer ausgegangen.

    Laut DIHK-Ausbildungsumfrage wollen 68 Prozent der Unternehmen alle Azubis übernehmen, mehr als im Vorjahr.

    Azubi-Mangel und was Betriebe dagegen tun

    31 Prozent der Betriebe – im Osten sogar 45 Prozent – konnten nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. 14.000 Betriebe haben im vergangenen Jahr überhaupt keine Bewerbung erhalten. 71 Prozent der befragten Betriebe haben zwar Bewerbungen erhalten, die Bewerber waren aber laut Aussage nicht geeignet für den angebotenen Ausbildungsplatz.

    Gründe für nicht besetzte Ausbildungsplätze
    © Territory

    Gründe für nicht besetzte Ausbildungsplätze

    Nachhilfe für Azubis: Laut DIHK -Ausbildungsumfrage bieten 40 Prozent der Betriebe eigene Nachhilfe für ihre Azubis an, zum Beispiel in Deutsch und Mathe.

    Auf rückläufige Bewerberzahlen reagiert mehr als die Hälfte der Betriebe (57 Prozent) mit dem verstärkten Angebot an Praktika. 43 Prozent setzen auf Werbung für ihre Ausbildung, 28 Prozent kooperieren mit Schulen.
    39 Prozent der Betriebe versuchen neue Bewerbergruppen zu erschließen, zum Beispiel Studienabbrecher. Rund ein Viertel der Studienabbrecher absolviert hinterher eine duale Berufsausbildung.

    So reagieren Arbeitgeber auf sinkende Bewerberzahlen bei Ausbildungsplätzen
    © Territory

    Wie Arbeitgeber auf sinkende Azubi-Bewerberzahlen reagieren

    Neue Ausbildungsberufe 2016

    Azubis haben in Deutschland die Wahl zwischen 328 anerkannten dualen Ausbildungsberufen. Im vergangenen Jahr sind neun davon modernisiert worden, das heißt, es gibt neue Ausbildungsinhalte für Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik, Dachdecker, Fachkräfte für Veranstaltungstechnik, Fischwirte, Graveure, Hörakustiker, Mediengestalter, Metallbildner sowie Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker. Seit 2003 wurden 206 Ausbildungsordnungen überarbeitet und an die aktuellen wirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Anforderungen angepasst; 37 Ausbildungsberufe wurden seitdem neu geschaffen, wie das BIBB mitgeteilt hat.

  • Diese zehn Branchen zahlten 2016 am besten

    Wie hoch das Gehalt ist, hängt stark von der Branche ab. So verdienten Arbeitskräfte in der Pharmaindustrie im Jahr 2016 etwa 20 Prozent mehr als Arbeitnehmer, die die gleiche Tätigkeit in anderen Branchen verrichteten. Geht man vom Durchschnittsgehalt aller Branchen aus (100%), waren das die zehn Top-Branchen 2016:

    Pharmaindustrie 120%
    Chemie, Verfahrenstechnik 119%
    Halbleiter 119%
    Anlagenbau 118%
    Banken 118%
    Maschinenbau 118%
    Software 118%
    Medizintechnik 117%
    Elektrotechnik 115%
    Unternehmensberatung 114%

    Diese Branchen zahlten 2016 am schlechtesten

    Ganz am anderen Ende der Skala finden sich Angestellte in Callcentern. Ihr Gehalt liegt nur bei 66 Prozent des Durchschnittsgehalts aller Branchen.

    Autohäuser 86%
    Öffentliche Verwaltung, Behörden 86%
    Handwerk 85%
    Einzelhandel 85%
    Krankenhäuser 84%
    Sonstige Dienstleistungen 84%
    Soziale Einrichtungen 81%
    Hotel und Gaststätten 78%
    Zeitarbeit 77%
    Callcenter 66%

    Quelle: Branchenindex 2016, Compensation Partner

    Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt 2016

    Flüchtlinge, die 2016 Arbeit suchten: Laut Bundesagentur für Arbeit waren im November dieses Jahres 406.000 Flüchtlinge in Deutschland als arbeitssuchend gemeldet. 70 Prozent davon sind Männer. Fast zwei Drittel von ihnen sind jünger als 35 Jahre.

    Sie suchen Beschäftigung vor allem in der Reinigung (19.700), in der Lagerei und Logistik (13.800), als Küchenhilfe (11.500), im Verkauf (7.400) sowie im Büro und Sekretariat (4.300). Sie werden überwiegend für Hilfstätigkeiten eingestuft: 60 Prozent der arbeitssuchenden Flüchtlinge eignen sich als Helfer, vor allem, weil sie noch nicht genügend Deutsch sprechen oder keine Ausbildung nachweisen können. 14 Prozent werden als Fachkräfte eingestuft, drei Prozent als Experten.

    Merkmale von arbeitslosen Flüchtlingen

    Flüchtlinge in DAX-Unternehmen 2016

    Die 30 größten deutschen Unternehmen, bei denen insgesamt 3,5 Millionen Menschen arbeiten, haben nach eigenen Angaben bis Juni 2016 nicht mehr als 63 Flüchtlinge fest angestellt. Davon entfallen allein 50 Mitarbeiter auf die Deutsche Post, neun auf Daimler und zwei jeweils auf den Softwarekonzern SAP und den Pharmahersteller Merck. Das ergab eine Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

    Wie steht der Mittelstand zu Flüchtlingen?

    Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat Anfang 2016 knapp 1.600 Klein- und Mittelbetriebe zur Beschäftigung von Flüchtlingen befragt. Drei Viertel der Betriebe meinen, Ausbildung sei ein entscheidender Faktor, damit die Integration von Geflüchteten in die Gesellschaft gelingt. Rund 40 Prozent sehen in der Ausbildung von Geflüchteten zudem Chancen für die deutsche Wirtschaft und die Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Fast jeder zehnte Betrieb hat zwischen Anfang 2015 und Anfang 2016 von sich aus ein Praktikum oder eine Ausbildung für Flüchtlinge angeboten.

    Laut DIHK-Ausbildungsumfrage haben bisher drei Prozent der Klein- und Mittelbetriebe von Sommer 2015 bis Sommer 2016 Ausbildungsverträge mit Flüchtlingen geschlossen. Im Handwerk waren es mehr Betriebe (sechs Prozent) als in Industrie und Handel (zwei Prozent).

  • Der Stellenwert des Home Office

    Im Home Office arbeiten — diese Möglichkeiten haben laut Zahlen des BMAS vor allem Führungskräfte in Dienstleistungsbetrieben mit unter 500 Beschäftigten (64 Prozent). Unter den anderen Mitarbeitern dieser Betriebe sind es nur 20 Prozent. Im verarbeitenden Gewerbe fallen die Zahlen deutlich niedriger aus: Dort können 41 Prozent der Führungskräfte und 15 Prozent der anderen Beschäftigten die Möglichkeit der Heimarbeit nutzen.

    Würden Sie gerne von zu Hause aus arbeiten? 31 Prozent der Befragten, die bisher nicht von zu Hause aus arbeiten, beantworten diese Frage mit „gelegentlich“. Nur acht Prozent wollen „regelmäßig“ im Home Office arbeiten. Die Mehrheit (61 Prozent) antwortet klar mit Nein.

    Verbreitung von Homeoffice in deutschen Betrieben
    © Territory

    Digitale Technologien am Arbeitsplatz

    Ohne Laptop und Smartphone läuft nichts. 83 Prozent der Beschäftigten nutzen digitale Technologien im Beruf. Je höher ihr Ausbildungsgrad, desto häufiger gebrauchen sie Computer, Internet, Smartphone — Berufstätige mit Hochschulabschluss sogar zu 98 Prozent.

    90 Prozent der befragten Mittelständler halten unternehmensbezogene Kommunikation im Internet für wichtig. Aber nur 59 Prozent sagen, dass ihre Kommunikation bereits stark digitalisiert sei. Das ist das Ergebnis einer Studie zur Mittelstandskommunikation der Universität Leipzig. Nur jeder zehnte Studienteilnehmer hat eine klare übergeordnete Strategie für die Digitalisierung der Unternehmenskommunikation.

    Apps und für mobile Nutzung optimierte Websites finden zwar 86 Prozent der befragten Mittelständler wichtig, aber nur 72 Prozent setzen sie auch ein.

    Big Data ist immer noch eher ein leerer Begriff als wirklich ein Mittel zur Unternehmenssteuerung: 47 Prozent finden Big Data wichtig, aber gerade mal 16 Prozent ziehen tatsächlich Informationen aus einer Analyse ihrer Daten.

    In sozialen Netzwerken treten zwar 84 Prozent der Mittelständler in Erscheinung, aber nur 74 Prozent halten diese Kommunikationsmaßnahme für sinnvoll.

    Nutzung digitaler Technologien am Arbeitsplatz
    © Territory

    Nutzung digitaler Technologien am Arbeitsplatz

    Informelles Lernen soll höheren Stellenwert bekommen

    Lernen, das außerhalb von Schule, Ausbildung oder Studium stattfindet (informelles oder nicht formales Lernen), soll über Arbeitsproben und Tests deutschlandweit einheitlich anerkannt werden. Das wünschen sich mehr als 80 Prozent der Befragten aus Arbeitnehmerorganisationen, Forschung und Weiterbildung. Auch in Betrieben (rund 73 Prozent) und Kammern (rund 62 Prozent) ist die Mehrheit dafür. Arbeitgeberorganisationen und Schulen sind zurückhaltender mit rund 48 bzw. 50 Prozent Zustimmung. Rund 60 Prozent der Befragten aus Betrieben gehen davon aus, dass die Anerkennung von informellem und nicht formalem Lernen dem Fachkräftemangel entgegenwirken kann.

    Nach Meinung der Autoren des BIBB-Expertenmonitors verbessert ein solches Anerkennungssystem auch die Chancen auf qualifizierte Beschäftigung für Flüchtlinge, die häufig keine formal anerkannten Kompetenzen mitbringen.

  • Wie stark ist der Mittelstand von Digitalisierung durchdrungen?

    Etwa die Hälfte aller Betriebe in Deutschland nutzt moderne digitale Technologien wie Cloud Computing, Shop Systeme und Online-Plattformen oder betrachtet sie sogar als zentralen Bestandteil ihres Geschäftsmodells. Ein Drittel der Betriebe hat sich mit der Nutzung moderner digitaler Technologien hingegen noch nicht einmal beschäftigt, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung herausgefunden hat.

    Nutzen deutsche Betriebe moderne digitale Technologien?
    © Territory

    So verbreitet sind moderne digitale Technologien in deutschen Betrieben

    Dienstleister bei digitaler Nutzung vor Produzenten

    Dienstleister nutzen moderne digitale Technologien häufiger als Produzenten, große Betriebe häufiger als kleinere Betriebe. Ganz vorne liegen Betriebe der Informations- und Kommunikationstechnologien, das Schlusslicht bilden kleinere Produzenten mit weniger als 50 Beschäftigten.

    Technischer Wandel am Arbeitsplatz nach Bildungsgrad
    © Territory

    Technischer Wandel am Arbeitsplatz nach Bildungsgrad

    Wie Mitarbeiter technische Neuerungen wahrnehmen

    Bei knapp 80 Prozent der Beschäftigten hat sich in den vergangenen fünf Jahren die technische Ausstattung ihres Arbeitsplatzes verändert. Der Wandel wird vor allem von Höherqualifizierten, in größeren Betrieben und in bestimmten Berufsgruppen wahrgenommen (im Lebensmittel- und Gastgewerbe deutlich weniger als bei unternehmensbezogenen Dienstleistungen).

    Technischer Wandel am Arbeitsplatz
    © Territory

    Technischer Wandel am Arbeitsplatz

    Technologische Neuerungen bringen körperliche Entlastung am Arbeitsplatz, sagen 29 Prozent der Beschäftigten, vor allem Arbeiter. 78 Prozent der Beschäftigten sagen aber auch, dass technologische Neuerungen die Anforderungen steigen lassen. Sie empfinden daher die Notwendigkeit, sich weiterzubilden. Unabhängig vom Ausbildungsgrad sagt die Mehrzahl der Beschäftigten in einer Erhebung des BMAS, dass die Technik dazu führt, dass immer mehr Aufgaben zu erledigen sind.

    Verdrängt die Technik den Menschen?

    13 Prozent der Befragten halten es für wahrscheinlich, dass ihr Arbeitsplatz in den nächsten zehn Jahren von einer Maschine übernommen wird. Arbeiter sowie Beschäftigte in Produktion und Service erwarten dies häufiger als andere Berufsgruppen. Wer unter 25 ist, hält seine Verdrängung durch Maschinen doppelt so oft für wahrscheinlich als alle älteren Beschäftigten.

Ihre Meinung: Jetzt kommentieren!
Kommentare

Teilen Sie Ihre Meinung zum Thema und Erfahrungen aus Ihrem Unternehmen mit anderen Nutzern! Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.


Julia Nolte
Titelfoto: © Getty Images