Bewegte Pause bei Werma Signaltechnik

Ge­sund­heits­maß­nah­men im Mit­tel­stand

Wie man Mit­ar­bei­ter fit hält

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Fehlzeiten kosten Betriebe Geld. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement und eine wertschätzende Unternehmenskultur können viel dazu beitragen, dass Mitarbeiter gesund und leistungsfähig bleiben und nicht an einem Burn-out erkranken. Diese vier Mittelständler haben die Bedeutsamkeit des Themas erkannt und teils simple, aber effektive Maßnahmen für die körperliche und seelische Gesundheit ihrer Mitarbeiter gesetzt.

Langmatz GmbH, Kunststoff- und Metallverarbeitung

Garmisch-Partenkirchen, 350 Mitarbeiter
Verantwortlich für Gesundheitsmaßnahmen: Angelika Schubert, BGM-Koordinatorin

Welche Maßnahmen im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements führen Sie durch?
Wir haben 2013 nach einer Mitarbeiterbefragung ein Betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt und daraufhin zahlreiche Maßnahmen erfolgreich eingeführt. Etwa einen regelmäßigen Rückenzirkel, bei dem die Mitarbeiter tatsächlich eine Linderung ihrer Rückenschmerzen bemerken. Wir führen Bewegungsanalysen der Arbeitsabläufe in den Abteilungen durch und bieten ergonomische Büromöbel an. Es gab ein Führungskräfteseminar, bei dem Mitarbeiter in leitenden Positionen gelernt haben, wie sie Überlastung bei sich selbst und bei Mitarbeitern wahrnehmen und was sie dagegen tun können. Außerdem stehen unserer Belegschaft täglich mehrere Körbe mit frischem Obst kostenlos zur Verfügung.

Mit welchem Aufwand ist das verbunden?
Wenn man ein wirkungsvolles Gesundheitsmanagement aufsetzen möchte, verursacht das einen gewissen Aufwand. Man braucht jemanden, der diese Themen betreut und sie auch unter den Mitarbeitern bewirbt. Klar, dass dieser jemand Geld kostet. Gibt es diese Person, die koordiniert und organisiert nicht, dann ist die Gefahr groß, dass die Einzelaktionen im Sand verlaufen und das Gesundheitsmanagement wieder einschläft. Die Maßnahmen selbst kosten in der Regel nicht viel.

Wie wirkt sich das Angebot auf ihre Belegschaft und bei der Personalsuche aus?
Bei der Mehrzahl der Maßnahmen ist ein direkter Bezug zur Arbeit gegeben – und es handelt sich nicht um losgelöste Einzelaktionen. Wir merken, dass immer mehr Mitarbeiter die Angebote wahrnehmen und konkret nachfragen. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement setzt sich langsam durch, was auch daran liegt, dass wir nicht einfach willkürlich Angebote nach dem Gießkannenprinzip verteilen, sondern sehr auf die Qualität der Maßnahmen achten. Ich denke es wird in Zukunft wichtiger, dass die Mitarbeiter sich auch über solche Angebote wertgeschätzt fühlen. Wir werden in Bewerbungsgesprächen regelmäßig auf unser Gesundheitsmanagement angesprochen, das hat durchaus einen Stellenwert für Bewerber.

Werma Signaltechnik GmbH & Co. KG

Rietheim-Weilheim, 250 Mitarbeiter
Verantwortlich für Gesundheitsmaßnahmen: Dagmar Bühler, Teamleiterin Personal

Welche Maßnahmen führen Sie durch?
Einmal pro Woche kommt ein Physiotherapeut ins Haus, bei dem sich jeder Mitarbeiter für nur elf Euro Selbstbehalt behandeln lassen kann. Wir führen außerdem eine bewegte Pause durch: Zweimal am Tag leiten Mitarbeiter, die eine Ausbildung zum Bewegungscoach absolviert haben, ihre Kollegen zehn Minuten lang zu Übungen an, die sich mal um Muskeln, mal um Koordination und mal um Entspannung drehen. Mit unseren Außendienstmitarbeiter bieten haben wir ein Fahrsicherheitstraining absolviert. Es gab Workshops zu gesunder Ernährung, für jene, die viel unterwegs sind oder für Singles. Schließlich haben wir fast in der gesamten Firma auf höhenverstellbare Schreibtische umgestellt. Der Gesundheitskoordinator der AOK kommt regelmäßig vorbei und prüft Licht, Bildschirme, Lärmdämmung und Ergonomie der Arbeitsplätze. Und das sind nur einige Beispiele.

Mit welchem Aufwand ist das verbunden?
Am Anfang, 2013, stand eine große Mitarbeiterumfrage. Auf Basis der Ergebnisse haben wir beschlossen, unsere bestehenden Gesundheitsmaßnahmen zu professionalisieren. Dafür braucht es natürlich einen kleinen Kreis an Verantwortlichen. Die Organisation der Maßnahmen ist das aufwändigste: Aushänge machen, Teilnehmerlisten, Räume buchen. Aber unter dem Strich lohnt sich das.

Wie wirkt sich das Angebot auf ihre Belegschaft und bei der Personalsuche aus?
Ohne Zweifel ist das Betriebliche Gesundheitsmanagement ein Teil des Employer Branding. Damit gewinnt man aber nicht nur neue Mitarbeiter, man bindet auch bestehende. Denn durch die Angebote fühlt sich die Belegschaft wertgeschätzt. Es ist doch prima, wenn ich in der Firma günstig zum Physiotherapeuten gehen kann, anstatt nach Feierabend noch irgendwo zum Termin hetzen muss. Aus unternehmerischer Sicht ist es einfach notwendig, das Personal gesund und damit produktiv zu halten. Zufriedene, gesunde Mitarbeiter fallen nicht aus, sind nicht krank und haben Spaß an ihrer Arbeit. Dann kommen sie gern und die Arbeit läuft dadurch besser.

WGfS GmbH – Wohngemeinschaft für Senioren GmbH

Filderstadt, 200 Mitarbeiter
Verantwortlich für Gesundheitsmaßnahmen: Nadiia Glock, Gesundheitsmanagerin

Welche Maßnahmen führen Sie durch?
Eine jährliche Mitarbeiterumfrage und halbjährliche Mitarbeitergespräche sind die Quelle für die Ideen unserer Gesundheitsmaßnahmen. Meistens betrachten wir mit Hilfe der Krankenkassen unseren Krankenstand, prüfen, welche Krankheiten überwogen haben. Danach organisieren wir zum Beispiel Workshops zum Thema „Gesunder Rücken“. Außerdem gibt es ein Belohnungssystem für Mitarbeiter: Wer an Gesundheitsmaßnahmen teilnimmt, verdient sogenannte WGfS-Dollar und kann bei der Weihnachtsfeier damit Reisen gewinnen. Wir haben eine Gesundheits- und eine Wohlfühlmanagerin eingestellt. Wenn jemand körperliche oder seelische Probleme hat, sind diese beiden direkte Ansprechpartner. Außerdem gibt es einen Psychologen, der für die Mitarbeiter zur Verfügung steht. Jedes Jahr gibt es Seminare zu den Themen gesunder Führungsstil, Stressmanagement und auch Burn-out. Bei einem Seminar zum Thema Selbstentwicklung können sich unsere Mitarbeiter selber besser kennen lernen. Nach einem solchen Kurs hat eine Führungskraft beschlossen, dass sie gerne von ihrem Chefsessel zurücktreten möchte, weil sie erkannte, dass die Leitungsaufgaben nicht das waren, was sie wollte.

Mit welchem Aufwand ist das verbunden?
Es gibt den Posten der Gesundheits- und der Wohlfühlmanagerin. Außerdem haben wir unser Budget für das Gesundheitsmanagement vor zwei Jahren um zehn Prozent erhöht, weil der Bedarf gestiegen ist. Gerade viele junge Menschen äußern da Ideen. Erst kürzlich kam der Wunsch nach einem Kurs für Bauch- und Rückenmuskeln. Da muss sich das Gesundheitsmanagement dann um Hallenmiete und ein wenig Ausstattung kümmern.

Wie wirkt sich das Angebot auf ihre Belegschaft und bei der Personalsuche aus?
Das Gesundheitsmanagement beeinflusst auch die Kommunikation und das Klima im Betrieb. Viele unserer Angestellten würden vielleicht woanders hingehen, weil dort der Verdienst besser ist. Sie bleiben aber bei WGfS, weil wir mehr als nur einen Arbeitsplatz anbieten: Junge Mütter etwa können ihre Kinder zur Arbeit mitnehmen, weil es eine Betreuung gibt.

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen
© Pedro Malinowski

Auch im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen ist die Mitarbeitergesundheit ein wichtiges Thema.

Musiktheater im Revier GmbH

Gelsenkirchen, 250 Mitarbeiter
Verantwortlich für Gesundheitsmaßnahmen: Anja Pies, Personalorganisation

Warum ist Betriebliches Gesundheitsmanagement für Sie wichtig?
Unsere Mitarbeiter sind unsere wichtigste Ressource. Das Durchschnittsalter der Belegschaft steigt und bei uns gibt es viele Arbeitsplätze, die schwere körperliche Tätigkeiten beinhalten. Wir als Arbeitgeber haben da auch eine Fürsorgepflicht.

Welche Maßnahmen führen Sie durch?
Alle zwei Jahre führen wir einen Gesundheitstag durch, gemeinsam mit der Stadt Gelsenkirchen. Beim Thema dieser Veranstaltung orientieren wir uns an Vorgaben der Berufsgenossenschaft, da geht es mal um Haut, mal um Herz-Kreislauf-Erkrankungen, mal um die Ernährung. Wir hatten eine Informationsveranstaltung zum Thema Darmkrebs, bei der ein kleines Theater das schwierige Thema locker aufbereitet hat, ehe im Anschluss Mediziner informiert haben. Außerdem bieten wir kostenlose Tests zur Darmkrebs-Prävention an. Daneben gibt es immer wieder Workshops zu Entspannung, gesunden Pausen und Stressbewältigung.

Mit welchem Aufwand ist das verbunden?
Wir sind ein Subventionsbetrieb mit begrenzten finanziellen Mitteln und bauen daher viel auf den Austausch mit anderen Theaterbetrieben. Wenn jemand eine gut funktionierende Maßnahme organisiert hat, gibt man das Know-how weiter. Auch die Zusammenarbeit mit Krankenkassen ist wichtig.

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Julia Holzapfel
Titelfoto: © Roland Sigwart

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