Petra Krink hilft der jungen Syrerin Nancy Abo bei der Jobsuche und im deutschen Alltag. Das Projekt IN CHARGE hat sie zusammengebracht.

Aus­bil­dungs­chan­cen für Flücht­lin­ge

Job ge­sucht, Freun­din ge­fun­den

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Das Projekt IN CHARGE bringt in Hessen asylberechtigte Flüchtlinge und erfahrene Arbeitnehmer aus Deutschland zusammen. Petra Krink und Nancy Aho sind zwei, die sich so gefunden haben.

Als das Projekt IN CHARGE 2014 ins Leben gerufen wurde, stand die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit im Mittelpunkt. Neben vielen Unternehmen schloss sich auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) dem Unterstützerkreis an.

Als die Zahl der Menschen auf der Flucht, die in den vergangenen Monaten Deutschland erreichten, immer größer wurde, erweiterten die IN CHARGE-Verantwortlichen das Ziel. Auch die in Deutschland ankommenden Flüchtlinge sollen fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden.

Dazu übernehmen die Mitarbeiter aus großen Unternehmen wie Opel,Kienbaum oder Sixt eine Mentorenrolle für Flüchtlinge und helfen diesen beim Spracherwerb, dem Schreiben von Bewerbungen oder dem Gang zu Ämtern und Behörden.

Das Programm richtet sich an Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis oder einer entsprechend guten Perspektive. Die Auswahl und erste Kontaktaufnahme erfolgt durch die Agenturen für Arbeit und die Jobcenter zunächst in Hessen, eine bundesweite Ausdehnung ist geplant. Bei der Auswahl der Partner orientieren sich die Vermittler an der Vorqualifikation und den Interessen der Teilnehmer – um das erste Kennenlernen zu erleichtern.

Petra Krink arbeitet bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim in der IT-Abteilung.
© Ramon Haindl

Petra Krink (45) arbeitet bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim in der IT-Abteilung.

Petra Krink

„Wir sind Freundinnen geworden“

Flüchtlingen helfen wollte ich schon länger, als ich über den Opel-internen Newsletter von IN CHARGE erfahren habe. Das passt ja, dachte ich, denn das Programm sollte sich mit meinem Alltag und Beruf verbinden lassen. Ohne zu zögern habe ich mich als Mentorin beworben: Welche Sprachen ich spreche, wollten die Organisatoren wissen, welchen Beruf ich habe, Kleinigkeiten eigentlich. Kurze Zeit später fanden die ersten beiden Startveranstaltungen von IN CHARGE in Frankfurt und Darmstadt statt. Ein wenig nervös war ich schon, auf der anderen Seite dachte ich, dass ich eigentlich nur an Erfahrung gewinnen kann. Bei Snacks und Getränken sollten wir uns kennenlernen. Dazu trugen Mentoren und Mentees Anstecker mit einem Farbcode und einer Nummer. Es war ein wenig wie ein Blind Date. Nancy, mein Mentee, und ich, wir beide waren sehr früh da und waren uns auf Anhieb sehr sympathisch. Darüber war ich natürlich erleichtert. Schon nach wenigen Minuten saßen wir zwischen all den anderen Tandems und schnatterten, als wären wir Freundinnen, die sich lange nicht gesehen haben. Am Ende des Abends habe ich Nancy nach Hause gefahren, da sie ganz in meiner Nähe wohnt. Noch an diesem Abend haben wir unser erstes Treffen alleine vereinbart. Wir sehen uns ca. einmal die Woche persönlich und schreiben uns viel über WhatsApp. Inzwischen habe ich auch Nancys Mann und ihre Töchter kennengelernt. Wir haben schon mal alle zusammen syrische Spezialitäten gekocht. Eine tolle Erfahrung. Ich helfe Nancy dabei, einen Job zu finden, hake nach, wenn es bei Behörden Probleme gibt, sehe zu, dass Zeugnisse übersetzt werden. Ich war auch mit ihr beim Jobcenter und habe ihren Betreuer kennengelernt. Nancy hat so schnell sehr gut Deutsch gelernt. Wäre doch gelacht, wenn wir jetzt nichts Passendes für sie finden würden. IN CHARGE ist auf drei Monate angelegt, im Frühjahr geht die offizielle gemeinsame Zeit schon wieder zu Ende. Wir haben nicht vor, dann den Kontakt abzubrechen. Wir sind Freundinnen geworden.

 

Nancy Aho hat in Syrien als Englischlehrerin und beim Fernsehen als Sprecherin gearbeitet.
© Ramon Haindl

Nancy Aho (31) hat in Syrien als Englischlehrerin und beim Fernsehen als Sprecherin gearbeitet.

Nancy Aho

„Petra ist ein Schatz, den ich nicht mehr hergeben möchte“

Ich stamme aus dem Norden Syriens und habe nach meiner Hochzeit die vergangenen Jahre in Homs gewohnt. Die Stadt ist im Lauf des Krieges stark zerstört worden. Die Gefechte haben meiner Familie und mir große Angst bereitet, weshalb wir im Dezember 2013 über den Libanon mit einem Visum nach Deutschland gereist sind. Ich habe mir um meine beiden Töchter, die fünf und zweieinhalb Jahre alt sind, große Sorgen gemacht, und ich möchte ihnen und auch meinem Mann und mir eine Zukunft in Frieden ermöglichen. In Syrien habe ich Englische Literatur studiert und als Englischlehrerin gearbeitet. Nebenbei war ich Journalistin und Sprecherin bei einem Fernsehsender. Als ich die Einladung des Jobcenters bekam, mich bei IN CHARGE anzumelden, habe ich mich sofort beworben. Ich glaube, dass das Tandemprogramm die beste Möglichkeit bietet, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen – das ist mein großes Ziel für die nächsten Monate. Als Englischlehrerin kann und will ich nicht mehr arbeiten, dazu ist mein Deutsch noch zu schlecht. Aber ich würde jeden anderen Job machen, der mich in Kontakt mit einem deutschsprachigen Arbeitsumfeld bringt – sei es in einem Büro als Sekretärin oder Arzthelferin. Ich schreibe viele Bewerbungen und hoffe, dass es bald klappt. Petra hilft mir bei so vielen Dingen. Ohne sie wäre ich oft aufgeschmissen. Sie hat sogar schon meinen Betreuer im Jobcenter kennengelernt. Mit ihr fühle ich mich bei offiziellen Terminen einfach sicherer. Es ist auch einfach wunderbar, jemanden in Deutschland zu haben, der einfach so seine Zeit für meine Familie und mich opfert und zuhört. Als Petra und ich uns bei den IN CHARGE-Treffen das erste Mal gesehen haben, waren wir uns sofort sympathisch. Ich weiß, was für ein Glück ich mit ihr habe. Sie ist ein Schatz, den ich am liebsten nicht mehr hergeben würde. Inzwischen kennt Petra meine ganze Familie, sie versteht sich auch mit meinen Töchtern gut und spricht mit ihnen viel Deutsch.

Faktor A Infodienst

Mehr Infos zum Thema Migration und Arbeitsmarkt gefällig? Dann melden Sie sich zum Infodienst von Faktor A an und Sie erhalten regelmäßig die wichtigsten Infos zu diesem und weiteren Themen, die für Arbeitgeber wichtig sind – fundiert und kostenlos.

Ihre Meinung: Jetzt kommentieren!
Kommentare

Teilen Sie Ihre Meinung zum Thema und Erfahrungen aus Ihrem Unternehmen mit anderen Nutzern! Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.


Bundesagentur für Arbeit