Klaus Fischer, der Chef der Fischerwerke, kennt die Dramaturgie von Innovationen wie kein anderer.

Klaus Fi­scher

Sechs The­sen zu In­no­va­ti­on und Wachs­tum

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Als Chef der Fischerwerke steht Klaus Fischer an der Spitze des erfindungsreichsten deutschen Industrieunternehmens. Für Faktor A hat er seine sechs Thesen zu Innovation und Wachstum erläutert.

„Wer einfach denkt, gewinnt.“
© Mathis Rekowski/2 Agenten

1. „Wer einfach denkt, gewinnt.“

In Deutschland werden von 225 Arbeitstagen im Jahr 88 Tage verschwendet. Man unterscheidet hierbei acht Arten der Verschwendung: Überproduktion, Bestände, Flächen, Transport, Wartezeiten, Wegezeiten, Reparaturen/Fehler, nicht genutztes Wissen der Mitarbeiter. Ein Beispiel: Unsere Spritzgussmaschinen müssen häufig umgerüstet werden. Vor einigen Jahren stand die Maschine regelmäßig mehr als drei Stunden still. Wir haben Laufwege verkürzt, Prozesse optimiert. Jetzt liegen wir bei unter drei Minuten.

„Kein Erfolg ohne globales Denken.“
© Mathis Rekowski/2 Agenten

2. „Kein Erfolg ohne globales Denken.“

Wer im Bereich der technischen Produkte wachsen will, muss international expandieren, um nicht von einem Markt abhängig zu sein. Heute sind wir mit 42 Landesgesellschaften weltweit vertreten und liefern in über 100 Länder. Wir produzieren beispielsweise in China, Brasilien, Argentinien und den USA. Aber: Über die Hälfte der Produkte, die wir weltweit verkaufen, stellen wir immer noch in Deutschland her.

„Innovative Mitarbeiter sind das Rückgrat einer Firma.“
© Mathis Rekowski/2 Agenten

3. „Innovative Mitarbeiter sind das Rückgrat einer Firma.“

Der Beste wird man nur, wenn man der Innovativste und Schnellste ist. Personal und Arbeitsklima sind entscheidend. Pro 1.000 Mitarbeiter melden wir jährlich 13,83 Patente an — der Industrieschnitt liegt bei 0,55. In unserem Bildungszentrum haben wir 2012 über 200 Kurse angeboten, die von weit über 3.000 Teilnehmern besucht wurden. Mit zahlreichen Initiativen fördern wir das technische Verständnis von Kindern und Jugendlichen.

„Unternehmer müssen Werte schaffen und Werte leben.“
© Mathis Rekowski/2 Agenten

4. „Unternehmer müssen Werte schaffen und Werte leben.“

Über sieben Jahre hat die Entwicklung unseres Firmenleitbilds gedauert. Es legt unsere Werte — innovativ, eigenverantwortlich und seriös — fest. Jeder Mitarbeiter besitzt eine Wertekarte, auf der festgeschrieben ist, was das Leitbild an seinem Arbeitsplatz bedeutet. Basierend auf der japanischen Kaizen-Philosophie haben wir das Fischer-Prozess-System entwickelt. Ziel ist, Verschwendung zu vermeiden und die Unternehmensprozesse kontinuierlich zu verbessern. Die Mitarbeiter bekommen die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen.

„Aus Fehlern lernen.“
© Mathis Rekowski/2 Agenten

5. „Aus Fehlern lernen.“

Wo viel gearbeitet wird, passieren auch Fehler. Jeder Fehler beinhaltet aber auch eine Chance. Dazu muss genau analysiert werden, wie es zu dem Fehler kommen konnte und wie er vermieden werden kann. Es geht dabei nicht darum, Schuldige zu suchen, sondern Fehlerquellen zu identifizieren und diese nachhaltig zu beseitigen. Ideen können nur dort geboren werden, wo die Menschen sich wohlfühlen. Ich halte es mit Saint-Exupéry: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

„Familienunter­nehmen sind krisenfest und zukunftsfähig.“
© Mathis Rekowski/2 Agenten

6. „Familienunter­nehmen sind krisenfest und zukunftsfähig.“

Wir können schnell entscheiden und langfristig planen. So sind Investitionen möglich, die erst Jahre später Ertrag erwirtschaften. Dabei müssen wir nicht die kurzfristigen Gewinnerwartungen von Aktionären berücksichtigen. Familienunternehmen ermöglichen eine größere Nähe zum Kunden und zu den Mitarbeitern. So kenne ich viele Mitarbeiter seit vielen Jahren, fühle mich mit ihnen verbunden und für sie verantwortlich. In Gesprächen mit ihnen erfahre ich sehr viel über die aktuelle Situation im Unternehmen.

Ihre Meinung: Jetzt kommentieren!
Kommentare

Teilen Sie Ihre Meinung zum Thema und Erfahrungen aus Ihrem Unternehmen mit anderen Nutzern! Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

„Kaizen“ im Betrieb
© Markus Schultz

Japanische Arbeitsphilosophie

Täglich besser mit „Kaizen“

Klaus Fischer setzt in seinem Unternehmen auf die japanische Arbeitsphilosophie des Kaizen. Sie beschreibt die schrittweise und stetige Verbesserung von Abläufen, Produktionsverfahren oder Produkten. Einsteiger können mit den folgenden fünf Regeln prüfen, ob Kaizen zu ihrem Unternehmen passen könnte.

  • Regel 1: Stellen Sie den Ist-Zustand infrage. Auch wenn etwas funktioniert, kann es noch verbessert werden.
  • Regel 2: Wechseln Sie von der Das-geht-nicht- zur Wie-geht-das-Haltung. Sie beschleunigt den Veränderungsprozess.
  • Regel 3: Die perfekte Großlösung ist nicht immer sofort möglich. Aber kleine und schnelle Verbesserungen erzeugen eine Dynamik, die ebenso zur Lösung führt.
  • Regel 4: Korrigieren Sie Fehler so schnell wie möglich und nicht erst nach der nächsten Besprechung.
  • Regel 5: Weichen Sie Problemen nie aus. Erst schwere Aufgaben bringen Menschen dazu, Initiative zu ergreifen und zusammenzuarbeiten.
Ihre Meinung: Jetzt kommentieren!
Kommentare

Teilen Sie Ihre Meinung zum Thema und Erfahrungen aus Ihrem Unternehmen mit anderen Nutzern! Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.


Klaus Fischer