Aale Dieter auf dem Hamburger Fischmarkt

Mar­ke­ting

Mit Sto­ry­tel­ling neue Mit­ar­bei­ter fin­den

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Storytelling ist als Teil des Marketings in aller Munde. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie eine Geschichte finden, die zu Ihrem Unternehmen passt und vielleicht sogar geeignete Mitarbeiter anlockt.

Mit einer guten Geschichte lässt sich im Nu eine Lastwagenladung Palmen verkaufen. Das beweisen Marktschreier auf dem Hamburger Fischmarkt jede Woche wieder. Die Passanten sind überrascht, amüsiert, zücken den Geldbeutel und spazieren schließlich mit einer Topfpflanze im Arm davon. „Storytelling“, so der englische Begriff fürs Geschichtenerzählen, kann nicht nur unterhalten, sondern auch verkaufen, Wissen vermitteln – und sogar dabei helfen, geeignete Mitarbeiter zu finden.

Doch wie findet man die beste Unternehmensgeschichte? Die beste Geschichte ist die, die sich am besten für den jeweiligen Zweck eignet. Also erst einmal klären, welches Ziel mit der Geschichte erreicht werden soll.

Meine Geschichte soll Berufsbilder erklären

Will ich den zukünftigen Bewerbern erklären, welche Jobs es in meinem Unternehmen überhaupt gibt? Was genau machen wir hier eigentlich – das lässt sich mit kleinen Geschichten lebendiger und interessanter beantworten als mit einer blanken Stellenbeschreibung. Es muss ja nicht gleich ein aufwändiges Tool wie der „Jobmatcher“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers sein. Berufsbilder, die sich nicht jedem von selbst erschließen, werden dort mit animierten Figuren in einfachen Videos beschrieben.

Weil sich nur wenige vorstellen konnten, was Price Waterhouse Coopers eigentlich macht, hat das Unternehmen Geschichten über die vielfältigen Berufsbilder aufbereitet
© John Minchillo/AP

Weil sich nur wenige vorstellen konnten, was Price Waterhouse Coopers eigentlich macht, hat das Unternehmen Geschichten über die vielfältigen Berufsbilder aufbereitet

Meine Geschichte soll besondere Bewerber ermutigen

Denkbar ist auch, dass ein Unternehmen bestimmte Menschen dazu ermutigen möchte, sich zu bewerben: mehr Frauen oder mehr Männer vielleicht, Flüchtlinge, Menschen mit einer Behinderung oder junge Eltern.

Auf dem Karriereportal von Microsoft existieren Seiten für spezielle Bewerbergruppen, etwa für Autisten. Am Beispiel von Kyle Schwaneke wird beschrieben, wie ein Programmierer einen solchen besonderen Bewerbungsprozess durchläuft und schließlich eine Stelle im Unternehmen findet, die zu ihm passt. Seine Geschichte kann andere dazu ermutigen, es ihm gleichzutun. Das Spannende daran: Die Geschichte beginnt nicht beim Bewerbungsgespräch, sondern mit Kyles leerem Konto und seiner vergeblichen Jobsuche. Wer die Geschichte liest, erfährt nicht nur etwas darüber, wie Microsoft gezielt Autisten anspricht, sondern hat das Gefühl, den Programmierer ein Stück weit persönlich kennenzulernen. Das geht ins Herz – und bleibt im Kopf.

Meine Geschichte soll fürs Unternehmen begeistern

Vermutlich aber geht es den meisten Unternehmern darum, mithilfe von Storytelling generell für ihr Metier zu interessieren, zu begeistern und Begehrlichkeiten zu wecken: Da will ich arbeiten! Viele entscheiden sich für einen Rundumschlag mit Imagefilm, Blog, Links zu eigenen Seiten bei Facebook, Instagram, Twitter und in Karrierenetzwerken, dazu noch Videos auf einem unternehmenseigenen Youtube-Kanal. So macht es zum Beispiel der Gesundheitskonzern Fresenius, dessen Internetauftritt im Ranking des schwedischen Unternehmens Potentialpark als zweitbeste deutsche Karriereseite 2016 genannt wird.

„Eine zentrale Karriereseite als Anlaufstelle einzurichten, auf der alle anderen Kanäle zusammenlaufen, hat sich als sinnvoll und gelernt erwiesen“, schreibt die Berliner PR-Beraterin Miriam Rupp in ihrem Buch „Storytelling für Unternehmen“. Über die genannten Kanäle lassen sich Neuigkeiten, Besuchertage und andere Aktionen und natürlich auch freie Stellen verbreiten. Gut möglich, dass Follower irgendwann zu Bewerbern werden. Bis dahin schnuppern sie zumindest virtuell schon einmal Betriebsluft.

Unternehmenskultur lässt sich aber auch leiser vermitteln. Das tut das französische Unternehmen Hermès: Scrollend folgt man einer gezeichneten Figur durch verschiedene Stockwerke des Familienunternehmens, das hier auf verspielte Weise Traditionsbewusstsein, Sorgfalt und Kreativität herausstellt und diese Qualitäten bei seinen Bewerbern sucht. Auch mit schlichten Methoden lassen sich Einblicke in die Firmengeschichte geben – warum nicht mit einer Diashow, die Fotos von damals und heute zeigt: „So sah unser erster Standort aus, hier sind wir heute … Vor diesen Computern haben wir in den Achtzigern gesessen, dies sind unsere Arbeitsplätze im Jahr 2017 … Hier unser erstes Produkt, und so sieht es jetzt aus … Qualität bleibt.“

Wie gelingt mir das?

Vom Zweck der Geschichte hängt also ab, für welche Erzählform ich mich entscheide: ob für ein Erklärvideo, einen geschriebenen Bericht, eine Diashow oder etwas anderes. Auf der zentralen Karriereseite können alle diese Formen und noch weitere zusammenkommen und gemeinsam die Geschichte erzählen, warum es sich lohnt, in Ihrem Unternehmen zu arbeiten. Sie sollten sich nicht grundlegend widersprechen, aber kritische Stimmen gehören zur Glaubwürdigkeit dazu.

Was die meisten Geschichten vereint, ist die Tatsache, dass sie von Menschen handeln. Oder noch besser: dass Menschen selber über sich und ihre Arbeit erzählen. Mitarbeiter! Denn, wie Miriam Rupp schreibt: „Mitarbeiter sind die wichtigsten Helden und gleichzeitig besten Erzähler, wenn es darum geht, ein authentisches und attraktives Bild als Arbeitgeber zu zeichnen.“

In den Mitarbeitern schlummert der größte Geschichtenschatz eines Unternehmens. Aber wie ihn heben? Es braucht dafür nur Gespür und die Bereitschaft zuzuhören. Nehmen Sie sich Zeit dafür. Erkundigen Sie sich in der Personalabteilung, fragen Sie Abteilungs- oder Teamleiter und die Macher der Betriebszeitung nach jemandem, der ihnen aufgefallen ist. Vielleicht weil die Person besonders leidenschaftlich bei der Arbeit ist oder die meisten Vorschläge bei der Ideenwerkstatt eingereicht hat; weil sie am längsten im Betrieb ist oder als neue Auszubildende den frischesten Blick hat; weil sie von weit her kommt oder vorher in einem ganz anderen Beruf gearbeitet hat; weil sie ein wagemutiges Hobby betreibt, wie Kitesurfen oder Bouldern. Was tun diese Leute bei Ihnen, und warum tun sie es gern? Wenn Mitarbeiter ehrlich auf diese Frage antworten, ist das informativer und überzeugender als jede Imagebroschüre.

Ihre Meinung: Jetzt kommentieren!
Kommentare

Teilen Sie Ihre Meinung zum Thema und Erfahrungen aus Ihrem Unternehmen mit anderen Nutzern! Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.


Julia Nolte

Mehr zu diesem Thema