Die Alpha-Frau in der Filmwirtschaft – Regina Ziegler. Den Emmy (rechts unten), eine Auszeichnung der internationalen Fernsehbranche, erhielt sie 2009 für „Die Wölfe“.

Film­pro­du­zen­tin Re­gi­na Zieg­ler

Die Che­fin im Sa­loon

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Knallharte Geschäftsfrau, leidenschaftliche Produzentin: Seit über 40 Jahren prägt Regina Ziegler die deutsche Film- und Fernsehlandschaft. Rückschläge schrecken sie nicht ab. Nicht dauerhaft jedenfalls.

Regina Ziegler lacht, als sie den Brief zeigt. „Meine liebe Freundin“ hat Nicolas Sarkozy geschrieben und ihr seine Glückwünsche geschickt. Einen Brief von einem Präsidenten hat sie bisher noch nicht bekommen. Er ist etwas Besonderes im Leben der Frau, die es gewohnt ist, mit Stars zu tun zu haben. Mit großen Regisseuren, mit Menschen, die den Film geprägt haben. Der ehemalige Präsident Frankreichs wünscht ihr viel Erfolg mit „Henri IV“, Zieglers filmischer Umsetzung des Lebens von Frankreichs König. Der Film – eine Herzensangelegenheit der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten Produzentin. Und gleichzeitig ihr größter Flop, zu wenige wollten ihn im Kino sehen.

67 Jahre ist Regina Ziegler jetzt alt, 2013 feiert ihre Firma 40-jähriges Bestehen und noch immer ist „die Ziegler“ eine Größe. Nicht nur, weil sie mit ihren Produktionen wie „Die Landärztin“ und „Der Mann mit dem Fagott“ den Fernsehabend gestaltet. Auch, weil sie mit einer Persönlichkeit für ihr Unternehmen steht, die ein wahres Gegenüber ist. Regina Ziegler ist groß gewachsen; was sie trägt, ist ebenfalls auffällig: der goldene Ring mit seinem roten Riesenstein, der dem Ring eines Zauberers gleicht, die Kette mit üppigen weißen Wildperlen. Wenn sie lacht, dann klingt es wie bei einer Saloon-Chefin, dunkel, etwas verrucht und kontrolliert. In der Branche gilt sie als Meisterin der Seilschaften, bestens vernetzt. Eine, die sich nicht lange mit den Redakteuren aufhält, sondern in die Chefetage geht. Sie hat den Ruf, eine „toughe“ Geschäftsfrau zu sein, eine knallharte Unternehmerin. Und sie ist leidenschaftlich, wenn es um ihre Projekte geht.

„Ja, es ist die Voraussetzung, dass ich von einem Stoff überzeugt bin. Dass ich den unbedingt umsetzen möchte“, sagt sie. „Wenn ich nicht hundertprozentig von einer Sache überzeugt bin, bin ich nicht gut. Ich kann einen Stoff nicht vermitteln, nicht gut verhandeln, wenn meine Leidenschaft nicht drin steckt.“ Hat die Leidenschaft sie erst einmal gepackt, kann sie ihr schlaflose Nächte bescheren. „Weil mich die ganze Zeit Fragen umtreiben, wie: ‚Wie kann ich das realisieren, wie kann ich das umsetzen?“

Vertrauen in Nachfolge und Netzwerk

Als Regina Ziegler 1973 als Produzentin zu arbeiten begann, war sie quasi die einzige Frau im Metier. Für ihren ersten Film lieh sie sich Geld bei jedem, der ihr unterkam. Sie hatte Glück. „Ich dachte, ich wäre tot“ wurde ein großer Erfolg, gekrönt mit dem Bundesfilmpreis. Viele ihrer Produktionen waren auch international beliebt. „Die Wölfe“ etwa oder „Korczak“.

Heute führt sie das Unternehmen zusammen mit ihrer 45-jährigen Tochter Tanja, die mittlerweile sogar die Mehrheit an der Firma hält.  Ein Beispiel für perfekte Nachfolge? Einige Branchenbeobachter zweifeln, ob Ziegler-Film ohne Regina den Status als wichtigster unabhängiger TV- und Filmproduzent in Deutschland halten kann. Sie selbst tut das nicht und verweist auf eine Dekade erfolgreicher Zusammenarbeit Seite an Seite mit ihrer Tochter.

Ziegler-Film steht für eine Mischung aus gefälliger Abendunterhaltung á la „Der Winzerkrieg“ und anspruchsvolleren Werken wie „Weißensee“. 20 Millionen Euro Umsatz muss die Firma machen, damit sie die Gehälter der derzeit 48 Angestellten aus dem operativen Geschäft bezahlen kann. Das entspricht acht bis zehn Auftragsproduktionen, zwei international koproduzierten TV- und zwei Kinofilmen pro Jahr. In guten Jahren verbucht Ziegler-Film auch schon mal einen Umsatz von 50 Millionen. Die starken Schwankungen wirken sich auch auf die Personalarbeit aus. Mal baut Ziegler-Film eine eigene Abteilung mit festen Angestellten für Dokumentationen auf, dann wieder ab. Mal sorgt die Chefin dafür, dass Filmcrews monatelang ein gutes Auskommen haben, dann fehlt es auch ihr plötzlich an Aufträgen. Langfristige Arbeitsbeziehungen zu pflegen, ist unter solchen Umständen ein Kraftakt.

Wie Ziegler Druck aus der Branche entgegentritt

Die zunehmenden Etatkürzungen von Fernsehsendern, von denen Regina Zieglers Firma stark abhängig ist, setzen den Produzenten zu. Es ist ihre Aufgabe, die Anforderungen des Senders und der Regisseure, Ausstatter und Schauspieler auszutarieren. Sie muss darauf achten, dass die Qualität nicht allzu sehr leidet, obwohl gespart werden muss. Dann werden nämlich Drehbücher umgearbeitet, Schauspieler gestrichen und die Handlung geschrumpft. Selbstredend soll der Zuschauer nichts davon bemerken. „Ich muss ein bisschen zaubern können“, sagt die Unternehmerin. „Ich kann, darf und will den Tarifvertrag für die Leute hinter der Kamera nicht verletzen. Das ist nicht wie beim Teppichhandel.“

Dass sich seit einiger Zeit auch die Schauspieler organisieren und einen Tarifvertrag mit maximaler Tagesarbeitszeit verlangen, kann Regina Ziegler verstehen. Schauspieler arbeiten nämlich zum Teil für 250 Euro Tagesgage, während eine Filmkuh 450 Euro kostet. „So einen 10-Stunden-Tag finde ich ausreichend. Es hat keiner was davon, wenn die Schauspieler sich 14 Stunden rumquälen und auch im Gesicht nicht mehr die Möglichkeit haben, so wahrgenommen zu werden, wie sie eigentlich sind.“

Trotzdem, so sagt sie, „muss es manchmal Ausnahmen geben, etwa wenn es gerade das letzte Tageslicht ist oder der Drehort morgen abgedreht ist.“ Davon, wie sie sich aus der Abhängigkeit der TV-Sender befreien kann, hat sie bereits einen Plan: „Meine Vision ist es, mehr in den internationalen Markt reinzugehen, Finanzierungen durch Koproduktionen hinzubekommen.“ Es gibt mehr Filme, deren Handlung auch im Ausland spielt, sagt sie. Ein guter Moment, internationale Koproduzenten ins Boot zu holen.

Man könnte Regina Ziegler für eine dieser Selfmade-Heldinnen halten, von denen ihre frauenaffinen 20.15-Uhr-Filme handeln: entschlossen, tatkräftig, immer wieder aufstehend. So wie jetzt, nach dem Debakel um Henri IV, der an der Kinokasse floppte und sie zwei Millionen ihres Privatvermögens kostete. Seit drei Jahren zahlt sie sich deswegen kein Geschäftsführerinnengehalt mehr aus. Doch schlimmer als der finanzielle Verlust war wohl die Enttäuschung darüber, dass der 20-Millionen-Euro-Film zumindest in Deutschland keinen Anklang fand. Darüber, so richtig einen vor den Bug bekommen zu haben. Doch wie in der Liebe, so ist es auch im Film: Wenn Regina Ziegler an etwas glaubt, gibt sie sich dem vollends hin. Das kann auch mal zu einem unglücklichen Ende führen. Einen Schutz davor, sich etwas, an das sie glaubt, vollends hinzugeben, gibt es nicht. „Da bin ich unverbesserlich“, sagt sie und lacht mit dunklem Timbre das Lachen einer, die ihre Schwäche lieben gelernt hat. „Da kann ich für nichts garantieren, das muss ich ganz ehrlich sagen.“

Fragebogen

Regina Ziegler über…

Azubis im eigenen Unternehmen
Ich bilde aus, weil die jungen Menschen dann die Betriebstemperatur fühlen können, die so ein spezieller Menschen-Betrieb hat.

Ihr unternehmerisches Vorbild
Ich muss gestehen, dass ich für das Unternehmerische kein Vorbild habe. Ich habe ja selbst nirgends den Job erst mal gelernt und dann ausgeübt, sondern ich habe das Geschäft gelernt, indem ich es ausgeübt habe. Für die künstlerische Seite dagegen gibt es schon so etwas wie Vorbilder. Mir imponiert jemand wie Arthur Cohn.

Herausforderungen am Arbeitsmarkt
Mein Unternehmen hat damit zu kämpfen, dass die Kosten immer mehr steigen und die Einnahmen eher sinken. Das bedeutet, dass man sich Fachkräfte immer weniger in ausreichendem Maß leisten kann.

Bewerber
Es klingt vielleicht ein wenig altmodisch, aber bei Bewerbern achte ich auf gutes Benehmen. Und natürlich auf die Berufsbiographie. Etwa: Gibt es da zu viele Löcher und keine guten Gründe?

Freizeitgestaltung
Am liebsten backe ich mit meiner Enkelin Emma Kuchen. Auch wenn das manchmal Schwerstarbeit ist.

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Silke Burmester