REGINA GEBHARDT-HILLE, 56, ist eine von knapp 200 EURES-Beratern. Das Kooperationsnetz zwischen den Arbeitsverwaltungen in Europa und der Europäischen Kommission wurde 1993 gegründet und soll Arbeitsmobilität in der EU fördern.

Ar­beits­mo­bi­li­tät

Die Grenz­gän­ge­rin

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Regina Gebhardt-Hille arbeitet als EURES-Beraterin bei der Arbeitsagentur in Frankfurt (Oder) – ihr Partnerland Polen hat es ihr auch privat angetan.

Wer morgens von Osten nach Berlin pendelt, braucht starke Nerven. 260.000 Menschen fahren täglich nach Berlin, mehr als 1.000 von ihnen wohnen in Polen. Regina Gebhardt-Hille fährt in die andere Richtung: Die EURopean Employment Services (EURES)-Beraterin pendelt von der Hauptstadt nach Frankfurt an der Oder und hilft dabei, dass die deutschpolnische Grenzregion auch auf dem Arbeitsmarkt zusammenwächst.

Polen ist für die 56-Jährige wie ein Freund, den man aus den Augen verloren hatte und nun erst recht schätzt. „Ich bin nämlich eher zufällig zu dieser Aufgabe gekommen“, sagt sie. Dabei liest sich ihr Lebenslauf wie gemacht für ihre Stelle: Aufgewachsen in Brandenburg an der Havel studiert sie in den achtziger Jahren Polnisch und Russisch in Leipzig und lebt danach ein Jahr in Warschau. Später arbeitet sie als Reiseleiterin und zeigt Gästen aus der Sowjetunion ihr Heimatland.

„Sie sprechen doch Polnisch?“

Als die DDR untergeht, wird das Reisebüro abgewickelt. Gebhardt-Hille bewirbt sich beim Arbeitsamt und beginnt dort 1991. Sie arbeitet zunächst in der Leistungsabteilung, später in der Berufsberatung. Als aus dem Arbeitsamt die Arbeitsagentur geworden ist und ihr damaliger Vorgesetzter eine EURESStelle zur Koordination der Zusammenarbeit mit den Kollegen in Polen zu besetzen
hat, liest er ihre Personalakte. „Sie sprechen doch Polnisch?“

Nach einer Schulung in Amsterdam mit Beratern aus ganz Europa tritt Regina Gebhardt-Hille 2008 ihre neue Stelle an. „Ich bin für die Grenzregion in Brandenburg zuständig“, sagt sie.

Gebhardt-Hille organisiert Bewerbermessen, hält den Kontakt zur polnischen Arbeitsverwaltung. Sie erklärt polnischen Arbeitssuchenden den deutschen Arbeitsmarkt, zeigt ihnen, wie man eine Bewerbung schreibt. Sie berät deutsche Arbeitgeber, die Polen einstellen wollen, und Arbeitssuchende, die in Polen arbeiten möchten: „Wobei diese Konstellation noch sehr, sehr selten ist.“

Noch sind es in der Regel die deutschen Arbeitgeber, die sich auf der Suche nach Personal an sie wenden. Oft sind es die Logistikzentren der großen Handelsketten, die ihre offenen Stellen nicht besetzen können, und auch bei den Handwerksbetrieben werden immer öfter polnische Fachkräfte gesucht.

Sprache als Hindernis

„Der Arbeitgeber-Service ist für die Unternehmen erster Ansprechpartner. Die Kollegen dort stellen dann den Kontakt zu einem EURES-Berater her“, erklärt Gebhardt-Hille. Die Stellenanzeige wird der polnischen Arbeitsverwaltung übermittelt und dort übersetzt. Dann werden Kandidaten angeschrieben. Manchmal werden auch Rekrutierungsveranstaltungen durchgeführt, bei denen der Arbeitgeber direkten Kontakt mit den Bewerbern hat. „Die Verhandlungen laufen dann direkt zwischen Arbeitssuchenden und Arbeitgebern.“

Größtes Hindernis ist dabei auf beiden Seiten die Sprache. „In polnischen wie deutschen Schulen wurde nach der politischen Wende Englisch zur beliebtesten Sprache – mittlerweile gibt es zumindest in der Grenzregion deutsch-polnische Kindergärten und Schulen“, sagt die EURES-Beraterin. „Aber auf beiden Seiten der Grenze muss das Bewusstsein für die jeweils andere Kultur weiter wachsen.“

Sie selbst weiß, wie schwierig das Arbeiten in einer anderen Sprache ist: „Ich hatte Polnisch fast 20 Jahre nicht mehr gesprochen.“ Wenn sie mit polnischen Bewerbern spricht, redet sie diese deshalb gerne auf Deutsch an – als Test: Trauen sie sich, deutsch zu sprechen? Oder sind die Hemmungen zu groß? „Die Sprache muss sitzen“, sagt die Beraterin: „Zwar nicht perfekt, aber so gut, dass die Bewerber ihren Alltag meistern können.“

Gebhardt-Hille wechselt mittlerweile fließend zwischen den beiden Sprachen. Bei der Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen läuft vieles über die Beziehungsebene. Sie ist mit Kollegen von der anderen Seite der Oder auch privat befreundet. „Polen ist ein wunderbares Land“, sagt sie: „Die Menschen sind herzlich, gastfreundlich und unkompliziert.“

Zur Person

Regina Gebhardt-Hille

Die 56-Jährige ist eine von knapp 200 EURES-Beraterinnen. Das Kooperationsnetz zwischen den Arbeitsverwaltungen in Europa und der Europäischen Kommission wurde 1993 gegründet und soll Arbeitsmobilität in der EU fördern.

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