Klaus Elbers vom berufspsychologischen Service mit Bastian Breidling

Be­rufs­psy­cho­lo­gie

„Stär­ken und Schwä­chen er­läu­tern“

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Die Gemeinde Bad Ems setzt bei der Suche nach neuen Auszubildenden auf DIN-zertifizierte Auswahlverfahren des Betriebspsychologischen Service der Bundesagentur für Arbeit.

Faktor A: Herr Elbers, als Psychologe bei der Agentur für Arbeit in Montabaur, begutachten und beraten normalerweise Schulabgänger bezüglich der Wahl eines Studienfaches oder eines Ausbildungsplatzes; Erwachsene, die sich beruflich neu orientieren wollen und ältere Menschen, die arbeitslos geworden sind. Wie ist die Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde Bad Ems entstanden?
Klaus Elbers: In der Tat sind die meisten unserer Kunden Arbeitnehmer, die vor neuen beruflichen Herausforderungen stehen und Rat suchen: Für welchen Beruf bin ich geeignet? Kann ich die Anforderungen einer Ausbildung erfüllen? Wo liegen meine Potentiale, eine Frage, die sich häufig Jugendliche vor der Berufswahl stellen. Aber wir sind als Berufspsychologischer Service auch immer wieder Ansprechpartner für den Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur. Wenn die Kollegen dort den Eindruck haben, dass wir mit unserer psychologischen Expertise einem Arbeitgeber helfen können, holen sie uns ins Boot. Etwa, wenn eine Stelle mit Hilfe eines Eignungstests besetzt werden soll.
Bastian Breidling: Eigentlich entstand die Zusammenarbeit aus einem Zufall heraus: Als Vertreter der Verbandsgemeinde Bad Ems war ich Gast auf einer Veranstaltung des Jobcenters in Bad Ems in der es um mögliche Beschäftigungsverhältnisse für schwer vermittelbare Jugendliche ging. Wir hatten in den vorangegangenen  Bewerbungsverfahren für die Besetzung unserer Ausbildungsplätze festgestellt, dass Schulnoten nur bedingt aussagekräftig sind. Deshalb hatten wir schon länger die Idee, einen richtigen Einstellungstest für die Kandidaten zu entwickeln. Ich habe dann im Gespräch mit den Kollegen vom Arbeitgeberservice erfahren, dass der Berufspsychologische Service der Arbeitsagenturen solche Tests anbietet.

Sie sagen, Schulnoten sind nur bedingt aussagekräftig. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Breidling: Wir merken in den Bewerbungsgesprächen immer wieder, dass das Interesse am Weltgeschehen stetig abnimmt: Viele Schülerinnen und Schüler lesen keine Tageszeitung mehr und informieren sich auch nicht im Internet bei den einschlägigen Nachrichtenportalen. Aber wer gerne in einer Verwaltung arbeiten möchte, sollte schon wissen welche Themen in der Region, im Land und international gerade diskutiert werden.
Elbers: Diese Probleme haben wir bei einem ersten Treffen zwischen Gemeindeverwaltung, Arbeitgeberservice und Berufspsychologischem Service besprochen und ein Anforderungsprofil für die ausgeschriebenen Stellen ausgearbeitet.

Welche Stellen waren zu besetzen?
Breidling: Wir bilden in der Regel jedes Jahr einen Verwaltungsfachangestellten aus, etwa alle zwei Jahre zudem einen Kaufmann oder eine Kauffrau für Büromanagement.
Elbers: Für beide Stellen hat Herr Breidling im Gespräch mit uns konkrete Anforderungen definiert: Für die rechnerische Leistungsfähigkeit, die Rechtschreibkenntnisse, soziale Kompetenz und die allgemeine Auffassungsgabe. Mithilfe unserer Gesprächs- und Testdiagnostik können wir dem Arbeitgeber passgenaue Bewerber vorschlagen, die diese Anforderungen erfüllen.

Das Rathaus Bad Elms
© Vanja Vukovic

Das Rathaus Bad Elms in der Außenansicht.

Wie stufen Sie die Bewerber ein?
Elbers: Die Organisationseinheit ‚Angewandte Psychologische Forschung und Entwicklung’ des Berufspsychologischen Service entwickelt in Nürnberg fortlaufend Testverfahren, mit denen die intellektuelle Leistungsfähigkeit, Motivation, wie zum Beispiel die Leistungsorientierung und Lernbereitschaft, sowie die praktischen Fertigkeiten eines Bewerbers erfasst werden können. Dabei werden die Anforderungen der Personalauswahl gemäß DIN 33430 berücksichtigt, so dass wir über qualitativ sehr hochwertiges Testmaterial verfügen. Im konkreten Fall haben wir als Vergleichsgröße Schulabgänger mit einem mittleren Schulabschluss gewählt und darauf aufbauend eine Auswahlbegutachtung für die Verbandsgemeinde Bad Ems zusammengestellt.
Breidling: Wir haben parallel die zu besetzenden Ausbildungsstellen öffentlich ausgeschrieben und die eingehenden Bewerbungen vorsortiert. Dabei hat die Arbeitsagentur auch gezielt Jugendliche angesprochen und motiviert, sich bei uns zu bewerben. Insgesamt bewerben sich in jedem Jahr etwa 40 bis 80 junge Menschen um einen der Ausbildungsplätze in unserer Verwaltung. Am Ende werden 20 Bewerberinnen und Bewerber zum Test eingeladen, die aufgrund ihrer Zeugnisse und Motivationsschreiben geeignet für die Stelle scheinen.
Elbers: Wir hatten uns im Vorfeld auf die Zahl 20 geeinigt, weil das eine Gruppengröße ist, die ohne Probleme zeitnah getestet werden kann. Die Auswahlbegutachtungen selbst fanden in den Räumen der Arbeitsagentur statt. Zuvor wurde das schriftliche Einverständnis aller Bewerber zur Erhebung der Daten eingeholt.

Wie läuft das Testverfahren konkret ab?
Elbers: Nach einer Erläuterung des Ablaufes des Auswahlverfahrens führen wir in unserem Computerraum den auf die Anforderungen des Arbeitgebers angepassten Test am PC durch. Dort werden Rechenfähigkeit, Textverständnis und allgemeine Auffassungsgabe der Bewerber überprüft und eingeordnet. In vier Gruppendiskussionen à fünf Teilnehmer beurteilen wir dann die sozial-kommunikativen Kompetenzen der Bewerber. Wie gehen sie mit anderen Gruppenteilnehmern um? Wie gut argumentieren sie? Wie gehen sie mit Kritik um? Schließlich führe ich mit jedem der Bewerber noch ein Einzelgespräch. Hierin werden neben einer Selbsteinschätzung zu den einzelnen Teilen des Auswahlverfahrens die festgestellten Stärken und Schwächen erläutert und weitere motivationale Aspekte der Ausbildungswahl beleuchtet, ohne dass Rückschlüsse auf den weiteren Bewerbungsverlauf gezogen werden können. Somit haben auch diejenigen einen Erkenntnisgewinn vom Testtag, die am Ende nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden.
Breidling: Ich muss ja sagen, dass mich die Einzelgespräche zwischen den Bewerberinnen und Bewerbern und Herrn Elbers besonders interessieren würden. Wir bekommen von der Arbeitsagentur ja lediglich eine Liste mit den Namen derer, die unsere Anforderungen erfüllen. Aber wir wissen nicht, wer das beste Testergebnis hatte und wer vielleicht nur gerade noch so die Voraussetzungen erfüllt.
Elbers: Das ist ein wichtiger Grundsatz: Die Testergebnisse sollen das Bewerbungsgespräch ja nicht ersetzen. Wir können den Arbeitgebern garantieren, dass die von uns genannten Bewerber die vorher definierten Mindestanforderungen erfüllen; aber die Entscheidung für oder gegen einen Bewerber soll dann unvoreingenommen in einem persönlichen Gespräch getroffen werden.

Herr Breidling, waren Sie denn zufrieden mit den Testergebnissen?
Breidling: Seit wir die Dienste des Berufspsychologischen Service nutzen, haben wir während der Ausbildungszeit keine bösen Überraschungen mehr erlebt.
Elbers: Wir haben in diesem Jahr bereits zum vierten Mal mit der Verbandsgemeinde Bad Ems zusammengearbeitet. Ich denke, das spricht für die Qualität der Arbeit.

Klaus Elbers und Bastian Breidling im Sitzungssaal des Rathauses
© Vanja Vukovic

Klaus Elbers und Bastian Breidling im Sitzungssaal des Rathauses

Zur Person

Bastian Breidling

Der 35-Jährige ist Beamter bei der Verbandsgemeinde Bad Ems. Als Sachbearbeiter im Bereich Personal betreut er etwa 230 Mitarbeiter in der kommunalen Verwaltung.

Klaus Elbers

Der 55-Jährige ist bei der BA als Trainer, Führungskräftecoach und Supervisor tätig, seit 2008 beim Berufspsychologischen Service der Arbeitsagentur Montabaur.


Titelfoto: © Vanja Vukovic

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