Vom Praktikanten zum Angestellten: Ghais Rahimi flüchtete aus Afghanistan, nun arbeitet er als Lackierer.

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Flücht­lin­ge als Prak­ti­kan­ten

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Flüchtlinge einstellen? Immer wieder! Der Schleswig-Holsteiner Unternehmer Dieter Stamer hat gute Erfahrungen mit der Einstellung eines Flüchtlings gemacht. Bis vor Kurzem war der 22-jährige Afghane Ghais Rahimi noch Praktikant in seiner Lackiererei. Nun hat er ihn fest angestellt.

„Eigentlich hatte ich nie in Erwägung gezogen, Praktikanten einzustellen. Wir suchen laufend Mitarbeiter für unsere Lackiererei, aber auch wenn es hart klingt: Leute ohne Ausbildung nützen uns im Alltagsgeschäft nicht viel. Als die Arbeitsagentur uns fragte, ob wir dem afghanischen Flüchtling Ghais Rahimi eine Chance als Praktikant geben wollen, habe ich gedacht: Ich weiß nicht, ob das gut geht, aber ich möchte mich für Flüchtlinge engagieren. Es macht mich betroffen, zu sehen, dass so viele Menschen aus ihren Heimatländern fliehen mussten und nun bei null wieder anfangen müssen. Wie würde es mir selbst gehen, wenn das mein Schicksal wäre?

Wir beschäftigten Rahimi, einen netten jungen Mann, der anfangs nicht gerade mit strahlendem Gesicht in unseren Betrieb kam. Er sprach nur gebrochen Deutsch und wirkte eher zurückhaltend und verschlossen. Aber was wussten wir schon von seinem Schicksal? Davon, wie es sich anfühlt, nur mit einem Koffer bepackt über sieben verschiedene Länder nach Deutschland zu flüchten? Zu Fuß. Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, seine Frau, Eltern und Geschwister in einem Land zu lassen, aus dem man geflüchtet ist, weil die Taliban hinter einem her waren.

„Wie würde es mir selbst gehen, wenn das mein Schicksal wäre?“

Dieter Stamer, Unternehmer

Rahimi hatte zwar als Lackierer in Afghanistan gearbeitet, aber dort nur veraltete Schleifmaschinen benutzt. Viele Handgriffe, die wir hier mit fein justierten Geräten ausführen, wurden in Rahimis Heimat per Hand erledigt. Er musste sich hier mit einer ganz neuen Technologie auseinandersetzen.

Was ich aber schnell gesehen haben, war seine Hingabe zum Beruf. Er war vollkommen wissbegierig und hoch konzentriert. Oft muss man ihn zweimal ansprechen, bevor er seinen Spachtel weglegt, so sehr ist er bei der Sache. Er kam nicht ein einziges Mal zu spät, seit er hier angefangen hat, obwohl er zwölf Kilometer entfernt wohnt und auf Fahrgemeinschaften angewiesen ist.

Ich arbeite seit 36 Jahren in diesem Beruf und merke schnell, wenn jemand für diesen Job gemacht ist oder nicht. Oft haben wir Schülerpraktikanten, die nach einem Tag schon keine Lust mehr haben, ständig Pausen einlegen oder mit ihren Handys beschäftigt sind. Man muss das Herumwerkeln mögen, eine Leidenschaft fürs Basteln, Reparieren oder Verschönern von Fahrzeugen haben. Anders formuliert: Man muss Spaß daran haben, aus einem Wrack einen Schlitten zu machen.

Nach einem halben Jahr lief seine Praktikumszeit ab. Als es um seine Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis ging, habe ich nicht gezögert und ihn als Helfer angestellt. Wenn er seine Deutschkenntnisse noch verbessert, hat er auch noch eine Chance auf einen Ausbildungsplatz.

Zur Weihnachtsfeier in unserem Betrieb hat Rahimi sich zum ersten Mal etwas geöffnet. Er zeigte uns Bilder aus Afghanistan, Fotos von seiner Familie und dem Dorf, in dem er mit ihnen gelebt hat. Da hab ich ihn zum ersten Mal ein bisschen kennengelernt.

Ich würde einem Flüchtling immer wieder eine Chance in meinem Betrieb geben. Ohne mit der Wimper zu zucken.“

 

Leitfaden für Arbeitgeber

Praktikum für Flüchtlinge anbieten

Über die Internetseite der Arbeitsagentur ist es am einfachsten, einem geflüchteten Menschen einen Praktikumsplatz anzubieten. Als Unternehmen wird man schnell von Interessenten gefunden – und kann auch selbst nach Flüchtlingen suchen.

  • Einsteigen
    Die Arbeitsagentur hat alle wichtigen Infos für Arbeitgeber zur Beschäftigung von geflüchteten Menschen übersichtlich zusammengefasst. Dort finden Sie hilfreiche Informationen rund um das ganze Themengebiet Flüchtlinge und Beruf. Im Abschnitt „Praktikum“ gibt es hilfreiche Infos zur Meldung von Praktikumsstellen und zur Suche von Praktikumsinteressierten.
  • Anmelden
    Wenn Sie Praktikanten suchen oder eine Praktikumsstelle ausschreiben möchten, melden Sie sich mit Ihren Zugangsdaten in der Jobbörse der Arbeitsagentur an. Falls Sie noch nicht registriert sind, geht das dort ganz einfach über die Schaltfläche „Jetzt registrieren“.
  • Kennzeichnen
    Wählen Sie Ihre veröffentlichte Praktikumsstelle aus, die auch für geflüchtete Menschen geeignet ist. Wenn Sie diese noch nicht veröffentlicht haben, können Sie das Angebot direkt auf der Seite erstellen. Markieren Sie die Praktikumsstelle auf der Registerkarte „Stelleninfo“ mit der Kennzeichnung „Geeignet, die Integration Zugewanderter zu unterstützen“, und speichern Sie Ihre Änderung.
  • Selbst Bewerber suchen
    Auf der Übersichtsseite Ihrer Stellenangebote können Sie auch direkt nach Bewerbern suchen. Einfach das Symbol „Bewerberprofil suchen“ anklicken. Dann erscheinen alle Profile, die sich für Ihre Stelle eignen.
  • Ergebnisse filtern
    Sie können sich die Bewerberprofile über die folgende Schaltfläche anzeigen lassen: „Ergebnisse nach Bewerberprofilen von Zugewanderten filtern“.
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Protokoll: Esther Werderinghaus