Flüchtlinge bergen für Arbeitgeber große Chancen © Felix Zahn/DPA

Infos für Arbeitgeber

Flüchtlinge einstellen

Services der Bundesagentur für Arbeit

Jobs für Menschen auf der Flucht? Weil zu den Themen Arbeitserlaubnis oder Sprachkurse für Asylsuchende immer noch viele Fragen aufkommen, haben wir die wichtigsten in einem FAQ beantwortet und hilfreiche Links zusammengestellt.

Welche Flüchtlinge darf ich einstellen?

Ob man einen Flüchtling ohne Weiteres einstellen darf, hängt von seinem Status ab. Anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis sind Personen, über deren Asylantrag positiv entschieden wurde. Sie haben eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären, politischen oder völkerrechtlichen Gründen und verfügen über eine uneingeschränkte Arbeitserlaubnis, d. h. sie dürfen jede Erwerbstätigkeit aufnehmen. In diesem Fall müssen Sie als Arbeitgeber keine Besonderheiten beachten. Sobald ein Flüchtling eine Arbeitserlaubnis hat, gilt er als Arbeitnehmer mit allen Rechten und Pflichten.

Anders sieht es hingegen bei sogenannten Asylbewerbern mit einer Aufenthaltsgestattung und bei Geduldeten aus: Hier muss die Ausländerbehörde zuerst die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit (BA) einholen, bevor sie die Erwerbstätigkeit erlauben kann. Die BA prüft, ob die Beschäftigungsbedingungen nicht ungünstiger als für inländische Arbeitnehmer sind. Außerdem muss sie klären, ob die Stelle mit einem deutschen Staatsbürger, EU-Ausländer oder einer Person mit dauerhaftem Aufenthaltsstatus besetzt werden kann.

Bei Asylbewerbern und Geduldeten, die seit 15 Monaten durchgehend in Deutschland sind oder für die Blaue Karte EU in Mangelberufen in Frage kommen, überprüft die BA nur die Beschäftigungsbedingungen, bevor sie der Beschäftigung zustimmt. Eine genau Übersicht finden Sie in der Broschüre „Potenziale nutzen – Geflüchtete Menschen beschäftigen“. Asylbewerber und Geduldete, die sich bereits vier Jahre in der Bundesrepublik befinden oder Personen mit Hochschulabschluss, die für die Blaue Karte EU in Frage kommen, können Sie mit Erlaubnis der Ausländerbehörde einstellen. Eine Übersicht finden Sie in der Broschüre „Potenziale nutzen – Geflüchtete Menschen beschäftigen“. Dort finden Sie auch Details dazu, worauf Sie achten müssen, wenn Sie Flüchtlinge als Auszubildende oder Praktikanten einstellen wollen. Außerdem haben wir eine kompakte Übersicht zum Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge und Asylbewerber zusammengestellt.

Wo finde ich passende Bewerber?

Unternehmer, die Flüchtlinge einstellen wollen, finden beim Arbeitgeber-Service (AG-S) Unterstützung bei der Personalsuche. Arbeitgeber, die bereits einen Schritt weiter sind, können sich beim Netzwerk Integration durch Qualifizierung über ausländische Abschlüsse und Integration im Betrieb informieren. Die Kontaktadressen der wichtigsten Servicestellen finden Sie in dieser Broschüre auf den Seiten 9 und 11. Daneben engagieren sich zahlreiche regionale und örtliche Vereine und Initiativenunbürokratisch bei der Vermittlung von Arbeit suchenden Flüchtlingen (siehe Linkliste weiter unten).

Welche Vorteile hat es für mein Unternehmen, Flüchtlinge einzustellen?

„Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren, das können nur Unternehmer und die freie Wirtschaft tun“, sagt Gerold Brunken, kaufmännischer Leiter der Reuther STC GmbH aus Fürstenwalde in Brandenburg und nennt dies eine „gesellschaftliche Aufgabe“. Der Hersteller von Teilen für Windkraftanlagen hat erfolgreich Flüchtlinge zu Schweißern ausgebildet und einige davon sogar übernommen. Flüchtlinge einzustellen birgt für mittelständische Unternehmen eine Reihe von Vorteilen: Neben den interkulturellen Kompetenzen, die Flüchtlinge mitbringen, sind sie häufig hoch motiviert und zeigen eine sehr starke Leistungsbereitschaft. Auch Flexibilität und Belastbarkeit gehören aufgrund ihrer Lebenserfahrung oft zu ihren Eigenschaften.

Wie kann ich bereits eingestellte Flüchtlinge im Betrieb unterstützen?

Es ist sinnvoll, eine Person im Betrieb als Ansprechpartner sowohl für die neu eingestellten Flüchtlinge, als auch für alle anderen Mitarbeiter zu benennen. So können Fragen und Probleme konkret an einer Stelle gesammelt und besprochen werden. Das Netzwerk bridge (in Berlin) sowie das Netzwerk Integration durch Qualifizierung beraten Unternehmen, von der Einstellungs- bis zur Einarbeitungsphase, und können Informationen zu möglichen Förderungen geben.

Wie kann ich Flüchtlinge beim Spracherwerb unterstützen?

Der Erwerb von Deutschkenntnissen (allgemeinsprachlich und berufsbezogen) ist notwendige Voraussetzung für die berufliche Integration von Flüchtlingen. Die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) durchgeführten Integrationskurse und die berufsbezogene Deutschförderung im Rahmen des ESF-BAMF-Programms sind hierfür die primären Förderinstrumente.

Im Rahmen des Asylverfahrensbeschleunigungsgesetzes wurde der Bundesagentur für Arbeit durch Einführung des § 421 SGB III die Möglichkeit eröffnet, kurzfristig Maßnahmen zur Vermittlung von Basiskenntnissen der deutschen Sprache auch für Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive zu fördern. Es können nur Personen gefördert werden, die bis zum 31.12.2015 in die Maßnahme eintreten. Die Träger, die diese Kurse anbieten, müssen die erforderliche Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit besitzen.

Daneben bieten zahlreiche lokale Initiativen Deutschkurse für Ausländer an. Als Unternehmen können Sie sich in Zusammenarbeit mit diesen Initiativen bei der Abhaltung solcher Kurse engagieren. Die Gewährung eines Eingliederungszuschusses an Arbeitgeber für Flüchtlinge ist bei Vorliegen der sonstigen Fördervoraussetzungen grundsätzlich möglich, sofern die aufenthalts- und arbeitserlaubnisrechtlichen Voraussetzungen vorliegen und das Ziel der Förderung – die nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt – erreicht werden kann.

Weiterführende Links

Allgemeine Informationen zur Einstellung von Geflüchteten

Prakikum bei Daimler baut Flüchtlingen eine Brücke in den Arbeitsmarkt
© PR

Die stolzen Teilnehmer mit ihren Praktikumszeugnissen

Aus der Praxis

Eine Brücke zum Arbeitsmarkt

Vierzig Kandidaten, vierzig erfolgreich abgeschlossene Brückenpraktika – und vierzig strahlende Gesichter. Das ist die Abschlussbilanz eines Pilotprojektes der Daimler AG, bei dem Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea, Gambia, Nigeria, Pakistan und Syrien im Rahmen eines 14-wöchigen Programmes Fertigkeiten in der Produktion und Sprachkenntnisse erworben haben. Nahezu alle Teilnehmer haben bereits Angebote von Zeitarbeitsfirmen für eine Weiterbeschäftigung oder einen Ausbildungsplatz bei Daimler erhalten.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat Daimler von Beginn an bei den Brückenpraktika unterstützt, wie Raimund Becker, Vorstandsmitglied der BA, berichtet: „Wir freuen uns, dass die Daimler AG sich bei der herausfordernden Teilnehmerauswahl auf die Expertise der Bundesagentur für Arbeit verlassen hat und mit dem Ergebnis sehr zufrieden ist. (…) Die Erfahrungen zeigen, dass Schutzsuchende das Potenzial haben, die Fachkräfte von übermorgen zu werden.“

Die Daimler AG führt das Projekt nun an Standorten in ganz Deutschland weiter. Insgesamt werden im ersten Halbjahr 2016 rund 300 Flüchtlinge ein Brückenpraktikum wahrnehmen. Auch für die zweite Jahreshälfte gibt es bereits konkrete Pläne. Die verschiedenen Programme finden zusätzlich zum üblichen Angebot des Unternehmens statt, sodass keinem anderen Bewerber die Chance auf einen Einstieg bei Daimler verwehrt wird. Aufsichtsratsmitglied Michael Brecht freut sich, dass das Projekt nach der positiven Erfahrung in der Einführungsphase weitergeführt wird: „Ich bin überzeugt, dass Integration durch Begegnung gelingt. Wer zusammen arbeitet, spricht miteinander, lernt sich gegenseitig besser kennen und erfährt viel über die Lebensweise des anderen.“

 

Weitere Beispiele aus der Arbeitswelt


aktualisiert am 06. Juli 2016