Im Job vermittelt Martin Bruchhausen Bewerber mit besonderen Vermittlungshemmnissen. Privat entspannt er am liebsten mit einer Zigarre.

In­te­gra­ti­ons­be­ra­tung

Rau­chen­der Kopf

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Er hört zu, nimmt sich Zeit und sucht nach Lösungen: Martin Bruchhausen vom Integrationsteam der Agentur für Arbeit Duisburg bereitet Menschen auf den Arbeitsmarkt vor, die ohne punktuelle Förderung schwer vermittelbar sind.

Zum Entspannen gönnt sich Martin Bruchhausen abends gelegentlich eine gute Zigarre. Im blauen Dunst entflieht er der Eile und dem Stress. „In einer Welt, in der wir ständig hetzen, planen, optimieren, ist dieser Moment eine unglaubliche Entschleunigung“, sagt der 38-Jährige: „Der Rauch mag nicht gesund sein, aber für meinen Kopf ist es ein Moment der Besinnung.“

Zeit nehmen muss sich Diplom-Verwaltungswirt Bruchhausen auch im Beruf. Er ist für die Agentur für Arbeit Duisburg als Integrationsberater tätig – eine Aufgabe, die viel Einfühlungsvermögen, Erfahrung und Zeit erfordert. Angesichts abnehmender Arbeitslosenzahlen, steigender Nachfrage nach Fachkräften und einer älter werdenden Gesellschaft macht er diejenigen Menschen fit für den Job, die derzeit nicht direkt vermittelbar sind. „Das sind beispielsweise Menschen, die Jahrzehnte in einem Unternehmen gearbeitet haben, arbeitslos wurden und nun punktuell gefördert werden müssen“, sagt er.

Der Ansatz der Integrationsberatung ist ganzheitlich: Bruchhausen ist für 65 Kunden zuständig, kennt ihre Stärken und Schwächen genau. Mal müssen Ängste vor einem Bewerbungsgespräch überwunden werden, mal hilft er im Umgang mit dem Computer. Ausländische Arbeitskräfte, die Probleme bei der Anerkennung ihres Bildungsabschlusses haben, begleitet er zu den Behörden, er hat Kontakte zum Jugendamt, zur Bewährungshilfe und Suchtberatung. Die wichtigste Aufgabe ist das Gespräch: „Gemeinsam suchen wir nach Stärken und Erfahrungen, überlegen, welche Schwächen zu überwinden sind, und geben Hilfestellung.“

Nach Möglichkeit soll diese Hilfe ohne Maßnahmen durch Drittanbieter erfolgen. „Oft muss ich nur vorhandene Potenziale wecken, die mein Kunde einfach nicht als besondere Fähigkeit wahrgenommen hat“, sagt er.

„Wir kennen die Stärken unserer Kunden und können sie offensiv vermitteln“

Martin Bruchhausen

Kürzlich zum Beispiel betreute er den ehemaligen Betriebsleiter eines insolventen Unternehmens für Wärmedämmung. Sechzig Jahre alt war er, bezog ein hohes Gehalt und schätzte seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt als aussichtslos ein. „Wir haben im Gespräch Alternativen erarbeitet“, sagt Bruchhausen, „und kamen auf den Vertrieb.“ Bruchhausen wandte sich an den Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit und fand einen Hersteller von Farben und Lacken, der Vertriebsmitarbeiter für Großkunden suchte. „Der Mann hat die Stelle bekommen und beim Gehalt keine Einbußen hinnehmen müssen.“

Nicht nur in diesem Fall half Bruchhausen die Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber-Service. „Integrationsberater und Arbeitgeber-Service sind wichtige Schnittstellen, um meine Kunden mit potenziellen Arbeitgebern zusammenzubringen“, sagt er. „Der Arbeitgeber-Service kennt die Anforderungsprofile, wir kennen die Stärken unserer Kunden und können sie offensiv vermitteln.“ Deshalb sind beide Abteilungen in ständigem Austausch über Bewerber und offene Stellen. Hat Bruchhausen für einen Kunden den passenden Arbeitgeber gefunden, können so auch unbürokratisch weitere Maßnahmen besprochen werden: Kann die Einarbeitung seitens der Arbeitsagentur finanziell flankiert werden? Wünscht der Kunde eine Nachbetreuung?

„Vielen meiner Kunden ist es wichtig, dass ich in den ersten Wochen im Betrieb vorbeischaue, aktiv auf sie zugehe und Hilfe zur Selbsthilfe leiste, wenn es Schwierigkeiten gibt“, sagt Bruchhausen.

In vielen Fällen hilft Bruchhausen seine lange Berufserfahrung: Er hat als Lehrling angefangen, dann an der Hochschule der Bundesagentur in Mannheim studiert, war im Personalwesen der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen tätig und arbeitet seit 2009 im operativen Bereich: zunächst im Arbeitgeber-Service, dann in der Arbeitsvermittlung und jetzt in der Integrationsberatung. „Ich kenne die Stärken der Agentur und ihrer Abteilungen“, sagt er. „Und ich weiß, wie ich sie erfolgreich für meine Kunden einsetzen kann.“

Am liebsten entspannt Martin Bruchhausen an Wintertagen bei einer Zigarre.
© Julia Unkel

Profil

Integrationsberater Martin Bruchhausen

Im Job
Die Integration von Bewerbern mit besonderen Vermittlungshemmnissen ist Martin Bruchhausen ein Herzensanliegen. „Bei uns wird keiner zurückgelassen – diesen Slogan nehme ich sehr ernst“, sagt er. Damit er individuelle Lösungen finden kann, ist er vor allem auf Zeit angewiesen. In Duisburg teilt er sich mit zwölf  Kollegen die Arbeit, betreut rund 65 Kunden. „Es ist wichtig, den Kunden dort abzuholen, wo er beruflich steht, und ihn so zu führen, dass er bald wieder eine Beschäftigung findet.“

Nach der Arbeit
Am liebsten entspannt Martin Bruchhausen an Wintertagen bei einer Zigarre. „Ich behaupte von mir, dass ich den Unterschied zwischen einer Honduras und einer kubanischen schmecke“, sagt er. Er schätzt den feinen Geschmack von Trinidad, Partagás und Montecristo. Im Sommer bewirtschaftet Bruchhausen als Hobby-Imker drei Bienenvölker. „Im vergangenen Jahr hat die Varroamilbe zwei meiner Völker heimgesucht“, sagt er. „Ich werde deshalb im nächsten Jahr viel Arbeit haben, um neue Völker aufzubauen.“

Ihre Meinung: Jetzt kommentieren!
Kommentare

Teilen Sie Ihre Meinung zum Thema und Erfahrungen aus Ihrem Unternehmen mit anderen Nutzern! Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

Mehr zu diesem Thema