Lars Bagus, 38 (li.), ist Prokurist der Metzgerei Robert Müller (75 Filialen, ca. 500 Mitarbeiter). Konrad Kühn, 49 (li.), ist Experte für Personalentwicklung und bei der BA für die Qualifizierungsberatung in Fulda-Bad Hersfeld zuständig.

Per­so­nal­ent­wick­lung

Um die Wurst geht’s!

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Auf den Metzgereibetrieb Müller kam erheblicher Fachkräftebedarf zu. Im Alltag gingen Weiterbildung und Personalentwicklung aber oft unter. Unterstützung fanden die Chefs bei den Experten der Bundesagentur für Arbeit. Sie wissen jetzt, was zu tun ist.

Faktor A: Herr Bagus, Sie haben in Fulda die Qualifizierungsberatung des Arbeitgeber-Services der Arbeitsagentur in Anspruch genommen. Wie kam es dazu?

Lars Bagus: Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren intensiv mit der örtlichen Agentur zusammen, insbesondere mit Konrad Kühn und Constanze Schleich vom Arbeitgeber-Service. Als Metzgereibetrieb spüren wir seit längerem den branchenspezifischen Fachkräftemangel. Constanze Schleich hat uns im vergangenen Jahr gezielt angesprochen und wir haben dieses Angebot gerne angenommen – auch wenn ich mir ehrlich gesagt zunächst nicht genau vorstellen konnte, wie ein solches Programm abläuft.

Konrad Kühn: Die Qualifizierungsberatung ist ein neues Angebot der Bundesagentur für Arbeit, das erst seit dem vergangenen Jahr angeboten wird. Im Bezirk Bad Hersfeld-Fulda arbeiten vier Berater in diesem Feld. Deshalb gehen wir derzeit noch sehr gezielt auf Unternehmen zu, bei denen wir glauben, dass ihnen unsere Dienste helfen, sich zukunftssicher aufzustellen.

Nach welchen Kriterien geschieht das?

Kühn: Wir arbeiten hierfür eng mit anderen Abteilungen unseres Hauses zusammen. Wenn etwa immer wieder offene Stellen in einem Unternehmen ausgeschrieben werden, kann das ein Zeichen dafür sein, dass die betreffende Firma Probleme hat, ihren Personalbedarf zu decken. Dann bekommen wir von den zuständigen Mitarbeitern einen Hinweis – denn die Arbeitsmarktberatung ist eine ureigene Aufgabe der Bundesagentur für Arbeit. In den 90er und 2000er Jahren, als die Arbeitslosigkeit hoch war, hatten die Unternehmen jahrelang die Möglichkeit aus einer großen Zahl gut qualifizierter Bewerber offene Stellen zu besetzen. Seit einigen Jahren stellen wir in immer mehr Branchen einen Mangel an Fachkräften fest und werden deshalb stärker beratend tätig.

Bagus: Wir sind im Nachhinein sehr froh darüber, dass Frau Schleich und Herr Kühn uns angesprochen haben. Ich bin jetzt seit 11 Jahren Prokurist in unserer Firma und sehe den Wandel am Arbeitsmarkt. In der Region Fulda herrscht inzwischen nahezu Vollbeschäftigung, immer weniger junge Menschen wollen Fleischer werden. Latent habe ich gespürt, dass wir dieses Problem angehen müssen, aber ich habe kurzfristig den Handlungsbedarf nicht gesehen. Das Tagesgeschäft ging vor.

Kühn: Das ist übrigens ein Satz, den wir von Unternehmern sehr häufig hören: „Ja, wir müssten das mal angehen, aber uns fehlt im Tagesgeschäft die Zeit.“ Deshalb bieten wir ein Erstgespräch an, in dem wir unsere Arbeit und die möglichen Handlungsfelder vorstellen.

„Es ist entscheidend, dass die Mitarbeiter von Beginn an in die Analysen eingebunden werden.“

Konrad Kühn

Welche sind das?

Kühn: Wir bieten vier große Themenbereiche an: Demografieanalyse, Personalstruktur- und Bildungsbedarfsanalyse, Bildungsbedarfsplanung und Bildungscontrolling. Wenn ein Unternehmer alle diese Schritte mit uns gehen möchte, weiß er also am Ende, wie alt sein Personal in fünf oder zehn Jahren ist, welcher Bedarf an Neueinstellungen in diesem Zeitraum entsteht, ob genügend Know-How im Unternehmen vorhanden ist, wie und wo die Mitarbeiter am besten für kommende Aufgaben weitergebildet werden und ob sich eine Weiterbildung für das Unternehmen auch finanziell lohnt.

Wie läuft so eine Beratung konkret ab?

Kühn: In einer ersten Phase legen wir gemeinsam mit dem Unternehmer den Umfang unserer Beratung fest und arbeiten einen Zeitplan aus. Außerdem lernen wir das Unternehmen und die Abläufe im Betriebsalltag kennen. In einer zweiten Phase arbeiten wir strukturiert die zuvor festgelegten Handlungsfelder ab. Wir erheben Daten, sprechen mit den Angestellten und der Unternehmensführung, stellen Fragen. In einer dritten Phase schließlich suchen wir gemeinsam mit dem Unternehmen geeignete Lernformen für die Weiterbildung der Mitarbeiter, entwickeln Strategien für die Personalentwicklung und überlegen, wie dies alles umzusetzen ist. Wir als Mitarbeiter der Arbeitsagentur verstehen uns dabei als Lotsen – die Verantwortung für die Umsetzung bleibt natürlich beim Unternehmer.

Bagus: Der Schwerpunkt bei unserer Qualifizierungsberatung lag in der Demografieanalyse und der Kompetenzinventur. Wir haben dabei festgestellt, dass die Altersstruktur in unserem Unternehmen so ist, dass die Alterskohorte der 50 bis 60-Jährigen überdurchschnittlich stark vertreten ist. Das bedeutet, dass wir in den kommenden 10 Jahren hohen Personalbedarf haben. Als Mittelständisches Unternehmen planen wir normalerweise nicht in 10-Jahres-Schritten; aber der Qualifizierungsberatung hat uns für dieses Thema sensibilisiert und die Probleme sind jetzt greifbarer.

Herr Kühn, was kostet das Unternehmen denn so eine Analyse?

Kühn: Die Qualifizierungsberatung ist kostenneutral, denn er wird durch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung finanziert. Das heißt, den Unternehmen entstehen keine zusätzlichen Kosten. Das einzige, was sie investieren müssen, ist Zeit. Während der Analyse und Auswertung müssen wir viel mit den Verantwortlichen reden, um in einer Außensicht die inneren Probleme im Unternehmen ausfindig zu machen. Das ist auch immer mit Betriebsbesichtigungen verbunden und mit einem Vorcheck. Viele Unternehmen kennen den Qualifizierungsberatung noch nicht, deshalb ist die Bereitschaft für ein Erstgespräch sehr hoch.

Bei Müller geht's um die Wurst.
© Markus Hintzen

Bei Müller geht's um die Wurst.

Welche Probleme haben Sie denn bei der „Metzgerei Robert Müller“ ausfindig gemacht?

Kühn: Neben dem demographischen Problem, das Herr Bagus ja schon erwähnt hat, ist uns besonders aufgefallen, dass die Mitarbeiter in der Produktion wenig abwechslungsreich arbeiten. So etwas fällt im Betriebsalltag den Mitarbeitern und auch den Führungskräften oft nicht auf – als Außenstehende haben wir das schnell erkannt. Positiv ist uns aufgefallen, dass in der Metzgerei ein tolles Betriebsklima mit einem guten Umgangston herrscht. Vielleicht identifizieren sich die Mitarbeiter deshalb so stark mit ihrer Firma.

Bagus: Wir sind ein Betrieb, der noch großen Wert auf das Handwerk legt. Deshalb sind unsere Prozesse sehr klar, Rotation ist deshalb nur bedingt möglich. Aber wir haben uns dieses Problems angenommen und vielen Mitarbeitern auch in anderen Produktionsbereiche Einblicke verschafft. Das stärkt das Verständnis für den Gesamtablauf im Betrieb und hilft uns, wenn es einmal Engpässe in der Produktion gibt. Dann können wir jetzt nämlich auf einen größeren Fundus von Mitarbeitern zurückgreifen.

Kühn: Ganz entscheidend ist dabei, dass die Mitarbeiter von Beginn an in die Analysen eingebunden werden. Oft ergeben sich aus den Gesprächen zwischen Firmenleitung und Angestellten Fragestellungen, die für die weitere Beratung wichtig sind.
Bagus: Bei uns hat es ein Gespräch zwischen unserem Betriebsleiter und mir gegeben. Wir haben gemeinsam erarbeitet, welche Kompetenzen unsere Fleischer brauchen und ob diese Kompetenzen im Betrieb vorhanden sind. Diffus kannten wir beide diese Anforderungen schon, aber verschriftlicht hatten wir sie bislang noch nie.

Haben Sie denn auch eine Lösung für das demographische Problem gefunden?

Kühn: Gerade im Fleischerhandwerk ist der Fachkräftemangel ja schon seit Jahren akut. Die Metzgerei Robert Müller ist deshalb schon vor zwei Jahren auf die Agentur für Arbeit zugekommen, mit der Bitte, sie bei einem Projekt zu unterstützen…

Bagus: Ja, wir haben die Hilfsorganisation „Das kunterbunte Kinderzelt“ kennengelernt, die sich um Straßenkinder in Rumänien kümmert. Wir haben zwei Jugendliche zunächst für ein Jahr als Hilfskraft eingestellt. Sie lernten in dieser Zeit vormittags das Unternehmen kennen, nachmittags drückten sie die Schulbank und lernen die deutsche Sprache. Anschließend hatten wir beiden eine Lehre angeboten, die sie derzeit erfolgreich absolvieren. Die Demografieanalyse hat uns nun dazu bewegt, dieses Projekt auszuweiten. Außerdem haben wir für das Jahr 2014 das Motto ausgerufen „Weiterbildung zahlt sich aus“. Unser Unternehmen soll durch Bildungsangebote noch attraktiver werden und wir möchten auch gezielt Schulen in der Region ansprechen, um den Beruf des Fleischers vorzustellen und seine Vorteile aufzuzeigen: Er ist relativ krisensicher, bietet eine ganzjährige, lückenlose Anstellung und Aufstiegschancen, weil es momentan zu wenig gut ausgebildete Fachkräfte gibt.

Herr Kühn, waren Sie insgesamt zufrieden mit dem Ergebnis Ihrer Arbeit?

Kühn: Ja, wir hatten den Eindruck, dass unser Service im Unternehmen viele Dinge angestoßen hat und die Metzgerei Robert Müller nun besser auf die Herausforderungen reagieren kann, die in den kommenden Jahren auf das Unternehmen zukommen werden.

Bagus: Dem Urteil kann ich mich nur anschließen: Wir waren begeistert von diesem neuen Angebot. Viele Dinge, die diffus waren, sind durch die gemeinsame Arbeit jetzt klarer als Probleme identifiziert. Die Qualifizierungsberatung wurde zunächst nur für den Firmenzweig Produktion durchgeführt. Aber nun werden wir auch für unseren Vertrieb den Service der Arbeitsagentur in Anspruch nehmen. Ich denke, ein besseres Lob für die Qualität der geleisteten Arbeit gibt es nicht.

Erfolgreiche Zusammenarbeit: Konrad Kühn und Lars Bagus
© Markus Hintze

Erfolgreiche Zusammenarbeit: Konrad Kühn (l.) und Lars Bagus

Zur Person

Lars Bagus

38, ist Prokurist der Metzgerei Robert Müller (75 Filialen, ca. 500 Mitarbeiter) und des von der BA beratenen Schwesterbetriebs RM Produktions GmbH in Flieden-Rückers mit ca. 114 Mitarbeitern.

Konrad Kühn

49, ist Experte für Personalentwicklung und bei der BA für die Qualifizierungsberatung in Fulda-Bad Hersfeld zuständig.

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