Henning Haschke erklärt, warum er ein duales Studium für den besten Weg hält, einen passgenauen Kandidaten zu gewinnen.

Stu­di­um und Ar­beit

Was ha­ben Un­ter­neh­men von du­al Stu­die­ren­den?

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Mein Faktor A

Sie sind begehrt, gut ausgebildet und hochmotiviert: dual Studierende, die in ihrer vorlesungsfreien Zeit in Betrieben arbeiten. Am Ende ihrer Ausbildung haben sie einen Bachelor oder Master und zudem einen festen Platz im Netzwerk eines Unternehmens. Immer mehr Mittelständler setzen auf Talente, die nicht nur intensive Einblicke in die Bereiche ihres Unternehmens erhalten, sondern auch frühzeitig lernen, Eigenverantwortung zu übernehmen.

Henning Haschke von der Technischen Universität Hamburg arbeitet genau an der Schnittstelle zwischen Studierenden und Wirtschaft, an der Koordinierungsstelle „dual@TUHH“. In Kooperation mit dem Arbeitgeberverband Nordmetall vermittelt er zwischen angehenden Ingenieuren und der Industrie. Für Faktor A hat er die wichtigsten Fragen rund um das Recruiting dual Studierender zusammengestellt und beantwortet.
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Henning Haschke von der Technischen Universität Hamburg arbeitet genau an der Schnittstelle zwischen Studierenden und Wirtschaft, an der Koordinierungsstelle „dual@TUHH“. In Kooperation mit dem Arbeitgeberverband Nordmetall vermittelt er zwischen angehenden Ingenieuren und der Industrie. Für Faktor A hat er die wichtigsten Fragen rund um das Recruiting dual Studierender zusammengestellt und beantwortet.

Faktor A: Wie kann ich das Duale Studium nutzen, um die Richtigen für mein Unternehmen zu begeistern?

Henning Haschke: Zunächst sollte man sich fragen, wo genau man im Betrieb Bedarf hat. Ein Maschinenbauer braucht vielleicht jemanden in Fertigung, Vertrieb, Forschung oder Konstruktion. Soll der Studierende alle Abteilungen durchwandern? Wird er nur in einer Fachabteilung gebraucht? Je genauer ein Unternehmer seinen Bedarf kennt, desto eher kann er seinen Studierenden im Anschluss an die drei- bis fünfjährige Ausbildungszeit eine Stelle anbieten. Die Übernahme ist natürlich ein großer Anreiz.

Welche Qualifikation muss ich als Arbeitgeber haben, um Studierende aufnehmen zu können?

Im Prinzip kann jeder Betrieb, egal aus welcher Branche, über Anzeigen, Stellenausschreibungen oder Jobmessen dual Studierende anwerben. Er muss aber gewisse Voraussetzungen erfüllen. Wird etwa mit dem Studium auch noch ein Ausbildungsberuf abgeschlossen, müssen die Eignungskriterien für den kombinierten Ausbildungsberuf erfüllt sein. An der TU Hamburg (TUHH) arbeiten wir beispielsweise eng mit dem Arbeitgeberverband Nordmetall zusammen. Die darin vernetzten Unternehmen hatten ursprünglich einen großen Bedarf an Fachkräften aus der Elektroindustrie. Sie suchten nicht nur nach klassischen Auszubildenden, die in Vollzeit und ganzjährig da sind. Sie brauchten Experten, Forscher, Entwickler, Projektmanager – Personal, das sich mit den Bedürfnissen des gesamten Unternehmens auskennt. Daher wandten sie sich an die TUHH und arbeiteten mit ihr Kooperationen im Rahmen des Dualen Studiums aus.

Wie hoch ist die Vergütung?

Das ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Bis zu 1000 Euro pro Monat kann ein „Dualer“ bekommen, die der Betrieb ihm ganzjährig zahlt. Das ist eine lohnende Investition angesichts der theoretischen Expertise, die der Studierende durch das Studium mitbringt – und angesichts der Projekte im Unternehmen, die er manchmal schon ganz eigenständig durchführt. Die Betriebe haben viel geringere Kosten bei der Einarbeitung und wenn die Studierenden ihren Abschluss machen, kennen sie schon alle Abläufe im Betrieb.

Welchen Status hat der Studierende? Ist er offiziell Auszubildender oder Studierender?

Er ist offiziell Studierender, muss an der Uni also genau die gleiche Punktzahl wie ein normaler Studierender erreichen. Er erreicht den Bachelor oder Master. Manche dualen Studiengänge beinhalten auch einen anerkannten Abschluss in einem Ausbildungsberuf.

Mit wem schließt man als Unternehmer einen Vertrag: mit der Hochschule oder dem Studierenden?

Das Unternehmen schließt nur mit dem Studierenden einen Vertrag. Darin kann der Arbeitgeber alles festhalten, was er für wichtig hält: Urlaubszeiten, Abteilungen, die der Student durchlaufen soll. Zunächst erreichen die Studierenden ihren Bachelor. Der Betrieb hat aber die Möglichkeit, frühzeitig zusätzliche Anreize zu bieten, indem er die Weiterfinanzierung des Masters auch noch in Aussicht stellt – oder sogar Fortbildungen anbietet. Das hängt von den finanziellen Möglichkeiten des einzelnen Betriebs ab.

Wer wählt die Studierenden aus: die Hochschule oder der Betrieb?

Das machen die Betriebe. Wir empfehlen auch immer, den Kandidaten vor Einstellung ein Praktikum absolvieren zu lassen. So wird schneller klar, für welche Bereiche er sich eignet. Neben der Bewerbung für ein Unternehmen muss der Studierende sich ebenfalls an der Hochschule einschreiben. Dort fließen dann zum Beispiel die Abi-Zensuren in die Auswahlkriterien mit ein, bei Ingenieuren insbesondere die Mathenoten.

Was geschieht, wenn sich der Studierende während des Studiums als nicht geeignet erweist?

Durch die Praktika im Betrieb und die Auswahlkriterien der Uni kann man eigentlich gut erkennen, ob ein Kandidat motiviert genug ist, Durchhaltevermögen besitzt oder sich für eine spezielle Tätigkeit besonders eignet. Bei den dual Studierenden an der TUHH war es noch nie der Fall, dass jemand plötzlich als nicht motiviert galt. Meist kommen sogar mehrere Bewerber auf eine Stelle. Daher ist es so wichtig, dass möglichst viele Betriebe den beiderseitigen Vorteil des dualen Studiums erkennen und Studierende bei sich aufnehmen.

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aktualisiert am 24. August 2016
Henning Haschke