Strategien für die Mitarbeitersuche

Per­so­nal­ma­nage­ment

Neue Stra­te­gi­en für die Mit­ar­bei­ter­su­che

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Seit Jahrzehnten beobachtet er das Personalmanagement des Mittelstands. Im Interview erklärt Wolfgang Witte den Einfluss des Wertwandels und wo kleine Unternehmen Hilfe finden.

Wolfgang Witte, 64, ist Gründer des Personalmanagement-Software-Unternehmens Perbit mit 75 Mitarbeitern. Seit April gehört er dem Vorstand des Demografie-Netzwerks ddn an, das sich für bessere Personalarbeit einsetzt.
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Wolfgang Witte, 64, ist Gründer des Personalmanagement-Software-Unternehmens Perbit mit 75 Mitarbeitern. Seit April gehört er dem Vorstand des Demografie-Netzwerks ddn an, das sich für bessere Personalarbeit einsetzt.

Faktor A: Sie engagieren sich seit vierzig Jahren für professionellere Personalarbeit in mittelständischen Unternehmen. Was haben Sie beobachtet und was muss besser werden?

Wolfgang Witte: In den Siebzigern war Personalmanagement oft nur Verwaltungsarbeit. Zwischen Personalabteilung und Mitarbeitern gab es eine große Distanz. Vieles ist besser seither, die Personalabteilung hat sich als professioneller Dienstleister etabliert. Strategisch drängende Probleme werden aber noch immer zu spät angepackt.

Welche sind das?

Der demografische Wandel bringt veränderte Mitarbeiterstrukturen, neue Anforderungen an die Fachkräftesicherung und einen Wertewandel mit sich. Bis in die Neunziger identifizierte man sich zu 100 Prozent mit der Arbeit. Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Work-Life-Balance spielten keine Rolle. Das hat sich grundlegend geändert und muss sich in Personalpolitik und Führung niederschlagen. Ich beobachte jedoch, dass immer nur dann ein Umdenken stattfindet, wenn es nicht mehr anders geht. Gelungenes strategisches Personalmanagement ist für mich aber, wenn man sich als Unternehmer proaktiv und vorausschauend auf die Zukunft vorbereitet.

Das würden viele gerne tun, ihnen fehlen aber die Ressourcen.

Die Betriebe, in denen der Inhaber oder der Prokurist das Personalmanagement miterledigt, müssen stärker auf Kooperationen setzen. Das kann der Austausch mit Kollegen sein, gerne auch branchenübergreifend. Auch die Berufsverbände und Kammern sind eine gute Adresse für strategischen Input, ebenso wie die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA, die BA gehört zu deren Unterstützern, Anm. d. Red.) oder das Demografie-Netzwerk (ddn). Wer heute gute Leute finden, entwickeln und halten will, kann nicht mehr warten und bloß auf eine Stellenanzeige setzen.

Sie sind selbst Unternehmer. Wie gehen Sie bei Perbit das Thema Personalmanagement an?

Bei Perbit ist das Personalmanagement in die Unternehmensstrategie eingebunden. Unsere Personalleiterin gehört zum Führungskräfteteam, das sich mit den operativen und strategischen Unternehmensthemen beschäftigt. Ein Beispiel: Wir bemerken einen stärkeren Bedarf bei Wirtschaftsinformatikern in der Software-Beratung. Dann wird geprüft, wie wir mittelfristig aufgestellt sind. Daraus ergeben sich dann Impulse für ganz konkrete Recrui­ting-Maßnahmen. Wir intensivieren die Kooperation mit Hochschulen und arbeiten permanent an unserer Arbeitgebermarke. Ganz früh haben wir angefangen, das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie voranzutreiben und Konzepte für Work-Life-Balance zu entwickeln.

Tun das heute nicht alle Firmen?

An der Oberfläche ja. Bei Perbit haben wir damit begonnen, zunächst einmal das Wort „Familie“ zu definieren. Wir haben festgelegt, dass jemand bei uns dann Familie hat, wenn er für einen anderen Menschen Verantwortung trägt. Wenn ein Single einen Angehörigen pflegt, hat er trotzdem das Recht, die Vorzüge eines familienfreundlichen Unternehmens zu beanspruchen. Oder ein Mitarbeiter will sechs Wochen den Jakobsweg gehen: Das zu ermöglichen, heißt Work-Life-Balance ernst zu nehmen. Es wären leere Worte, wenn nicht auch im Führungsverhalten darauf Rücksicht genommen würde. Wir sind ein leistungsorientiertes Unternehmen in einem sehr dynamischen Markt. Trotzdem leben wir ein gesundes Führungsverhalten vor.

Perbit braucht die begehrtesten Fachkräfte überhaupt: Informatiker und Wirtschaftsinformatiker. Haben Sie immer genug Bewerber?

Nein. Wir müssen uns sehr anstrengen. Aber die Auszeichnungen, die wir als familienfreundliches Unternehmen erhalten haben, helfen uns dabei. Wir setzen dem Fachkräfteengpass unsere personalstrategischen Bemühungen entgegen. Die drei Mitarbeiter, die wir nächstes Jahr einstellen wollen, kennen wir heute schon.

Wie machen Sie das?

Neben der Kooperation mit Hochschulen vergeben wir Praktika und bilden aus. An unserem Standort in Baden-Württemberg konkurrieren wir mit Global Playern. Da muss man sich als Mittelständler schon einiges einfallen lassen, um attraktiv zu sein. Wichtig ist, das, wofür man lebt und steht, offensiv nach außen zu transportieren. Bei uns ist das Familienfreundlichkeit, gute Unternehmenskultur, offener und fairer Umgang, Respekt und Spaß an der Arbeit. Wir haben heute kein einziges Vorstellungsgespräch, in dem der Bewerber nicht früher oder später auf unsere Unternehmenskultur zu sprechen kommt. „Ist es richtig, dass ich Beruf und Familie gut vereinbaren kann?“, fragen Bewerber dann zum Beispiel.

Worauf achten Sie bei der Weiterentwicklung Ihrer Mitarbeiter?

Das ist eine der wichtigsten Aufgaben, neben einem sinnvollen Gesundheitsmanagement für die Belegschaft. Die wertvollsten Talente schlummern im eigenen Personalbestand und müssen identifiziert und entwickelt werden. Also muss ich die Mitarbeiter körperlich und geistig fit halten und eine motivierende Arbeitsumgebung schaffen. Wir setzen auf Potenzialanalysen, Personalentwicklungsgespräche und gezielte Weiterbildung sowie ein transparentes Beurteilungssystem. Damit fahren wir seit Langem sehr gut.

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Jochen Brenner