Mann schläft im Garten als Symbol für Vorurteile gegenüber Langzeitarbeitslosen

Fak­ten­check Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit

Vor­ur­tei­le ge­gen Hartz-IV-Emp­fän­ger im Test

Services der Bundesagentur für Arbeit
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Menschen, die nach zwölf Monaten Arbeitslosigkeit in Hartz IV gerutscht sind, haben es bei der Jobsuche besonders schwer. Dabei halten viele Vorurteile, die Langzeitarbeitslosen entgegenschlagen, einer Überprüfung oft nicht stand. Wir stellen gängigen Vorurteilen die Fakten gegenüber – und zeigen maßgeschneiderte Fördermöglichkeiten.

*Für die Studie hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Arbeitsagentur 2012 1558 Menschen ab 16 Jahren zu ihren Vorurteilen über Hartz-IV-Empfänger befragt.

**Befragt wurden Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren, die Hartz IV beziehen.

Positive Erfahrungen von Arbeitgebern

Bei einer repräsentativen Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2012 zeigten sich zwei Drittel der Arbeitgeber aus den Branchen Pflege, Handwerk und Gastronomie zufrieden mit den ehemaligen Langzeitarbeitslosen; jeder Vierte war sogar sehr zufrieden. Befragt wurden insgesamt 306 Betriebe aus den Branchen Pflege, Handwerk und Gastronomie, die in den fünf Jahren zuvor Hartz-IV-Empfänger eingestellt hatten. Drei Viertel lobten ehemalige Hartz-IV-Empfänger als teamfähig, flexibel, zuverlässig, motiviert und qualifiziert und gaben an, dass sie aufgrund ihrer Erfahrungen auch zukünftig wieder Arbeitslose aus der Grundsicherung einstellen würden.

Der damalige BA-Vorstand Heinrich Alt meinte dazu: „Hartz IV-Empfängern hängt oft ein vermeintlicher Makel an, der die Vermittlung in Arbeit erheblich erschwert. Dabei zeigen unsere Analysen und auch die Erfahrungen der Arbeitgeber, dass sie oft besonders motiviert sind und eine zweite Chance verdienen. Wir müssen weg von pauschalen Vorurteilen und Vorbehalten.“

Hilfen für Arbeitgeber

Insgesamt stellen Hartz-IV-Empfänger eine sehr heterogene Gruppe dar und sollten auf jeden Fall als potenzielle Arbeitskräfte in Betracht gezogen werden. Zumal es verschiedene Förderinstrumente gibt, die es erleichtern, sie als Arbeitskraft ins Unternehmen zu holen. Die folgenden Möglichkeiten stellen die Arbeitsagenturen bereit:

 

  • Maßnahmen beim Arbeitgeber (MAG)

    Diese Maßnahme ermöglicht es dem Arbeitgeber, eine potenzielle Arbeitskraft für sechs Wochen zu testen. Während des Praktikums bleibt der Arbeitslose im Leistungsbezug. Arbeitgeber müssen

    • arbeitsrechtliche Bestimmungen einschließlich des Unfallversicherungsschutzes für den Teilnehmer einhalten
    • gewährleisten, dass der Teilnehmer durch eine Fachkraft betreut, beaufsichtigt und angeleitet wird
    • dem Teilnehmer einen Berichtsbogen über die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten aushändigen, falls er im Anschluss an die Maßnahme nicht in ein versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis übernommen wird.
  • Eingliederungszuschuss (EGZ)

    Ein Eingliederungszuschuss kann gewährt werden, wenn ein Arbeitnehmer noch nicht über die Fähigkeiten und Kenntnisse verfügt, die für eine Stelle benötigt werden, und zu erwarten ist, dass er die volle Arbeitsleistung erst nach einer längeren Einarbeitungszeit als üblich oder nur nach einem erhöhten Einarbeitungsaufwand erbringen kann. Die Förderung kann bis zu 50 Prozent des vereinbarten Arbeitsentgelts betragen. Der Arbeitgeberanteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag wird zusätzlich pauschal mit 20 Prozent des Arbeitsentgelts berücksichtigt. Die Förderdauer kann bis zu zwölf Monate betragen.

  • Förderung von Arbeitsverhältnissen (FAV)

    Arbeitgeber können mit einem Zuschuss zum Arbeitsentgelt unterstützt werden, wenn sie förderungsbedürftige Arbeitnehmer einstellen, deren Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt aus individuellen Gründen sehr erschwert ist. Die Förderung kann bis zu 75 Prozent des regelmäßig gezahlten Arbeitsentgelts betragen. Die maximale Förderdauer beträgt 24 Monate innerhalb eines Zeitraumes von fünf Jahren. Die zu verrichtenden Tätigkeiten sollen möglichst nah an der realen Arbeitswelt und wertschöpfend sein sowie durch eine sozialpädagogische Betreuung begleitet werden. Zum Ende der Förderung müssen Anschlussperspektiven und Übergänge in nachhaltige Beschäftigung vorbereitet werden.

  • Bundesprogramm zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit (ESF)

    333 Jobcenter beteiligen sich an diesem Programm zur Förderung von Langzeitarbeitslosen über 35. Betriebsakquisiteure und Coaches vermitteln zwischen Langzeitarbeitslosen und Betrieben und erleichtern so die Reintegration. Dem Arbeitgeber wird ein Lohnkostenzuschuss von 75 Prozent (Monat 1–6), 50 Prozent (Monat 7–12) und 25 Prozent (Monat 13–18) gewährt, und er verpflichtet sich, den Langzeitarbeitslosen mindestens sechs weitere Monate zu beschäftigen.

  • Arbeitsgelegenheit (AGH)

    Hierbei handelt es sich um eine sozialversicherungsfreie Beschäftigung bei einem geeigneten Träger. Die auszuführenden Arbeiten müssen im öffentlichen Interesse und wettbewerbsneutral sein. Auf Antrag werden die unmittelbar im Zusammenhang mit der Verrichtung von Arbeiten im Rahmen der Arbeitsgelegenheit erforderlichen Kosten erstattet. Dies gilt auch für Kosten, die bei besonderem Anleitungsbedarf für das erforderliche Anleitungspersonal entstehen. Der Teilnehmer erhält vom Jobcenter als Zuschuss zum Arbeitslosengeld II eine Mehraufwandsentschädigung. Die Unfallversicherung hat der Träger sicherzustellen.

  • Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt

    Auch im Rahmen des Bundesprogramms „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ können Langzeitarbeitslose unter Fortzahlung der Regelleistung Tätigkeiten verrichten, die zusätzlich, im öffentlichen Interesse und wettbewerbsneutral sind. Die Förderung je Arbeitsplatz beträgt bis zu 1.370 Euro pro Monat bei 30 Wochenstunden.

Evaluationsergebnisse zeigen, dass die Förderung von Arbeitsverhältnissen sowie die Sonderprogramme geeignet sind, auch Menschen, die sehr lang arbeitslos waren, an den allgemeinen Arbeitsmarkt heranzuführen, ihre Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern und sie zum Teil auch nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

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Anne Reis