Niels H.M. Albrecht will Chefs zu mehr Kommunikation mit ihren Mitarbeitern motivieren.

In­ter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on

Lie­ber Boss, wir müs­sen re­den!

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Wer von seinen Vorgesetzten in wichtige Prozesse eingebunden wird, arbeitet deutlich motivierter. Berater Niels H.M. Albrecht schreibt einen offenen Brief an alle Unternehmer und Unternehmerinnen, die das nicht glauben.

Liebe Unternehmerin, lieber Unternehmer,

wir müssen reden! „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, besagt ja ein bekanntes Sprichwort. In meinem Berufsalltag erlebe ich immer wieder, dass leider auch viele Unternehmer und Unternehmerinnen dieser Devise folgen. Ob Leitung eines Kleinbetriebs, Mittelständler oder Manager eines Weltkonzerns – oft sehe ich die gleichen Fehler.

Sie reden mit ihren Angestellten zu wenig oder nicht auf Augenhöhe und präsentieren ihnen fertige Beschlüsse, anstatt sie an ihren Entscheidungen teilhaben zu lassen. Bestenfalls bringen sie sich damit um einige Aufträge oder neue Kunden. Im schlimmsten Fall ist das der sichere Weg zum Stillstand ihres Unternehmens.

Dabei zeigen Studien immer wieder: Wer von seinen Vorgesetzten in wichtige Prozesse eingebunden wird, arbeitet deutlich motivierter. Interne Kommunikation ist das Fundament für den Erfolg Ihres Unternehmens. Und sie lässt sich schon mit wenigen Veränderungen deutlich verbessern. Gerade wer sich bisher kaum oder noch nie mit dem Thema beschäftigt hat, dem gebe ich zwei grundlegende Empfehlungen:

Erkennen Sie, dass die Belegschaft Ihr wichtigster Botschafter ist!

Im 21. Jahrhundert mangelt es nicht an Produkten, sondern an Kunden. Kleine und mittelständische Unternehmen haben die einmalige Chance, durch die digitale Welt ihre Produkte passgenau anzubieten. Hierfür braucht es eine klare Marken- und Innovationsstrategie, die die Wünsche der Kunden erfüllt. Doch der Schlüssel zum Erfolg sind die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – sie müssen die Kundenwünsche erkennen, umsetzen und das Bestreben haben, die Produkte und Dienstleistungen jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Motiviertes Personal ist also der beste Botschafter für Ihr Unternehmen, besonders auf den verschiedenen Plattformen im Internet.

Binden Sie Ihre Belegschaft in Entscheidungen mit ein, bitten Sie in Gesprächsrunden um Feedback, fragen Sie sie nach ihren Erfahrungen mit den Produkten oder im täglichen Kundenkontakt. Dafür können Sie sich auch ruhig mal außerhalb des Konferenzraums oder der Werkhalle treffen, etwa beim Abendessen im Restaurant, einer Kaffeerunde oder einem gemeinsamen Fußballspiel im Park.

Niels Albrecht berät Politiker und Manager in Markenfragen.
© PR

Niels H.M. Albrecht berät Politiker und Manager in Markenfragen.

Vita

Niels H.M. Albrecht

ist Geschäftsführer der Albrecht&Thron Beratungsgesellschaft in Potsdam, wo er Unternehmer, Politiker und bekannte Persönlichkeiten berät, wie sie sich selbst positionieren. Er ist Coach für Krisen- und Change-Management, ausgebildeter Business-Moderator und Dozent an der Deutschen Presseakademie. Bekannt wurde er vor allem durch sein Buch „Der EGO-Macher“. Albrecht hat in Bremen Rechts- und Medienwissenschaften studiert.

Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrem Personal eine externe Kommunikationsstrategie für Ihre Kundschaft!

Dabei können beide Seiten gewinnen. Einerseits steht am Ende eine konkrete Strategie, andererseits haben alle an der Ausrichtung mitgearbeitet und dabei viel über interne und externe Kommunikationswege nachgedacht. Arbeiten Sie gemeinsam heraus, was das Alleinstellungsmerkmal Ihres Unternehmens ist, wer Ihre Zielgruppe ist beziehungsweise wo, wann und wie Sie diese erreichen können. Und schließlich, wie Sie Ihre Zielgruppe von den Stärken Ihres Produkts oder Ihrer Dienstleistungen überzeugen können.

Sie werden sehen: Diese Auseinandersetzung mit externer Kommunikation ergibt  gleichzeitig einen Lerneffekt für die interne Kommunikation im Unternehmen. Auf diesem Weg können Sie die verschiedenen Sichtweisen, Wünsche und Meinungen im Betrieb zusammenführen und den Erfolg nach einem Jahr messen und gemeinsam feiern – wieder mal ein guter Anlass zum persönlichen und informellen Austausch bei einem guten Essen oder einer Sommerparty. Also, informieren und binden Sie Ihre Mitarbeiter aktiv ein. Das führt zu einer starken Identifikation mit Ihrem Unternehmen und zu motivierten Kollegen und Kolleginnen. Das ist der größte Trumpf, den Sie als Vorgesetzte im Ärmel haben.

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Ausrichtung Ihrer Kommunikation. In der Digitalen Transformation gilt die Regel: „Content Marketing ist Gold, Menschen erreichen ist unbezahlbar.“

Ihr Niels H.M. Albrecht

Ihre Fragen und Kommentare

Meinen Sie das Ernst, Herr Albrecht?

Mitarbeiter zeitnah in Entscheidungen einweihen? Das geht (doch nie)!
Mitarbeiter, die Kundenwünsche erkennen? Kenne ich (nicht)!
Mitarbeiter, die gemeinsam mit den Vorgesetzten Ideen bearbeiten? Das gibt es (sicher nicht)!

Niels H.M. Albrecht ist gespannt auf Ihre Meinung zu seinem offenen Brief. Hinterlassen Sie Ihren Kommentar über das Sprechblasensymbol und der Berater reagiert zeitnah. Wenn Sie weiterführende Fragen haben, können Sie diese auch über die Kommentarfunktion stellen.

 

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Kommentare

Moin,
ist genau richtig. Ich kenne eine große Organisation, die diese einfachen Regeln von Grund auf und offenbar systematisch missachtet. Schade drum, es steckt so viel Potenzial in ihr.
Dennoch gebe ich die Hoffnung nicht auf und arbeite an meinem Platz daran, dass es irgendwann besser wird.
Beste Grüße

Sehr geehrter Herr Albrecht,

Ihren Ausführungen stimme ich absolut zu. Nur eines passt nicht (mehr): das Wort "Vorgesetzte"! Ein Begriff aus dem letzten Jahrhundert. In unserem Unternehmen gibt es nur noch den Begriff "Führungskräfte", den wir auch in unserer Beratungspraxis durchgehend anwenden. Vorgesetzte machen vor, Führungskräfte nehmen mit - und darum geht es doch!

siehe oben!

Sehr geehrter Herr Albrecht,
eigentlich eine Binsenweisheit, die Teilhabe an Entscheidungsprozessen auch für Mit-Arbeiter.
Ob nun Vorgesetzter oder Führungskraft?! Begriffe sind Schall und Rauch, wenn dahinter keine Idee hervorschaut.
Aber Sie haben recht! Ob Kleinbetrieb oder Großorganisation wie auch die (Bundes)Agentur für Arbeit. Wenn nicht auf Augenhöhe kommuniziert werden kann, erübrigt sich das Thema Motivation bzw. Teilhabe. Ist (leider) immer noch weit verbreitet (Gradmesser dafür ist häufig die Fehlzeitenquote). Wenn ein(e) Bürokrat(in) sich "Führungskraft" nennt, wird auch das nicht viel helfen. Nehme ich mein Gegenüber ernst oder nur wahr? Das ist die Gretchenfrage.
Freundliche Grüße
Frank Rauen

Fachkompetenz reicht eben nicht aus, um eine erfolgreiche Führungskraft zu sein. Und hier fehlt es meist an entsprechenden, auf die Führungsposition vorbereitenden Bildungsangeboten. Die Fähigkeit Menschen zu führen, sie zu motivieren und im täglichem Prozess mitzunehmen ist erlernbar. Voraussetzung ist jedoch ein Mindestmaß an eigenen, personalen und sozialen Kompetenzen. Hier stimmen offenbar auf großer Breite die Auswahlkriterien für Führungspersonal nicht. Zu oft begegnet man gewissenlosen Ja-Sagern, Miniaturdiktatoren und Brüllaffen, die nach guter Kanzlerinnentradition alle potenziellen Konkurrenten verbeißen. Das kostet Effektivität, den Blick auf die wirklich wichtigen Prozesse und am Ende auch gute Mitarbeiter.

Sehr geehrter Herr Albrecht, es gibt eine alte Regel: Was intern nicht funktioniert, wird auch mit Dritten nicht funktionieren! Anders ausgedrückt: So wie intern die Kultur der Kommunikation entwickelt und gelebt wird, so wird sie auch im Umgang mit den Kunden nach außen getragen werden! Niemals umgedreht! Das ist jedem Unternehmer klar. MfG Dr. Gerd Friese

Sehr geehrter Herr Albrecht,

vielen Dank, dass Sie das mal so deutlich sagen. Hoffentlich lesen Ihren Brief auch die "Betroffenen".

Wie z.B. Herr Wilke schreibt, liegt der "Fehler" darin, dass man Mitarbeitern eine Führungsposition "gibt", die fachlich besonders gut sind. Oft haben sie gar keine Lust zu führen, aber Chef sein, das wollen sie schon gerne. Denn: Karriere ist wichtig, oder?

Ich glaube, dass Führen ein natürlicher Vorgang ist. Wem Menschen folgen, der/die führt. So einfach ist das. Das kann ein Azubi oder der Hausmeister sein. Und: das kann sich ständig ändern, je nach Situation.

Meiner Meinung nach gilt es, heutzutage Arbeit komplett neu zu denken. Weg von Hierarchien, die noch aus der Industrialisierung (oder noch schlimmer: dem Militär) stammen. Hin zu kooperativen Arbeitsweisen, in denen jedes Talent von Menschen eingesetzt werden darf und jede Idee zählt. Vermutlich wären viele so genannte Führungskräfte erleichtert, wenn sie nicht mehr führen müssten.

Ich will hier gar nicht die ganzen modernen Begriffe auflisten, die alle ihre Berechtigung haben, aber nicht unbedingt den Kern des Problems lösen. Sie sorgen einfach für ein neues Regelwerk, das alle kopieren.

Ich bin für Originale - und jeder Arbeitgeber sollte ein solches sein. Genauso wie alle Menschen eines sind.

Ihre Kommplizin Gaby Feile

PS: Die Begriffe Personal und Kundschaft möchte ich auch gerne zu den abgenutzten Begriffen hinzufügen. Es geht doch immer um Menschen.

Sehr geehrter Herr Albrecht,

Sie haben ja so recht!

Ich würde Ihren offenen Brief gerne meinem Chef vorlegen - und weiß doch, dass das Perlen vor die Säue sind.
Die interne Kommunikation ist desaströs, sämtliche Führungskräfte kritikresistent und unfähig.
Alle zu Beginn motivierte Mitarbeiter haben es aufgegeben, mitzudenken und sich einbringen zu wollen.
Eine gute Bezahlung ist in den Augen der Geschäftsführung Wertschätzung genug.
Bei Veränderungen werden die Betroffenen zuletzt informiert und vor vollendete Tatsachen gestellt (die Reportage "Reden bevor es knallt" pass hierzu wie die Faust aufs Auge).
Dem Mitarbeiter - egal welcher Ebene - bleibt nur die Flucht, wenn er/sie nicht auch noch dadurch krank werden will.
Ein Trauerspiel. Ich habe mich entschieden, es nicht länger mitzuspielen, und hoffe auf einen neuen Arbeitgeber, der die Zeichen der Zeit erkannt hat.

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Niels H. M. Albrecht
Titelfoto: © Getty Images