Loben gehört nicht unbedingt zu den großen deutschen Tugenden. Heute wünschen sich aber die meisten Arbeitnehmer etwas mehr Anerkennung. Doch Loben ist keine Technik, die man mal eben lernen kann.

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Ernst gemeintes Lob ist in deutschen Unternehmen immer noch eine Seltenheit. Dabei motiviert es mehr als jede Prämie. Warum fällt es Führungskräften so schwer – und wie könnte es ihnen leichter von den Lippen gehen?

Der Chef hatte die Rede gut vorbereitet. Schon seit Tagen kursierten Gerüchte, es gehe um eine Art Zusammenfassung der individuellen Leistungen aller Mitarbeiter, ganz genau wusste es niemand. Bisher hatte er sich nie konkret zu Einzelnen geäußert. Meistens blieb er unsichtbar für die Belegschaft, absorbiert vom operativen Geschäft. Wenn er doch mal aus seinem Büro hervorlugte, hagelte es Kritik. Dann, am Abend der Weihnachtsfeier, lobte er seine Leute wirklich zum ersten Mal: Max P. für seine gute Laune, Torsten K. für seine kumpelhafte Art, Meike S. für ihre stets gefüllte Bonboniere, Anne M. für ihre Pünktlichkeit und so weiter. Das ganze verpackte er noch in ein paar nette Anekdoten. Dafür gab es Applaus. Und ein paar Lacher. Doch am Ende standen die Mitarbeiter völlig ratlos da. Dies war ihre Leistungsbilanz aus dem gesamten

Das Unternehmen, das es wirklich gibt und dessen Mitarbeiter noch heute etwas beschämt über die Rede sprechen, hat inzwischen ein Drittel der Belegschaft an andere Arbeitgeber verloren. Weder der kollegiale Zusammenhalt noch die passablen Gehälter konnten das Defizit eines Chefs ausgleichen, der es gut meinte – doch die Wertschätzung gegenüber seinen Angestellten kaum ausdrücken konnte. Warum nur fiel ihm das Loben so schwer?

Wie hängen Lob und Leistung zusammen?

In unserer Gesellschaft, in der Leistung die Norm ist, braucht niemand Lob, der diese Norm erfüllt – denn die ist schließlich Vorraussetzung, alles andere ist „Lobhudelei“. Das war gestern. Heute wünschen sich die meisten deutschen Arbeitnehmer mehr Anerkennung. Nicht einmal jeder Zweite wird regelmäßig von seinem Vorgesetzten gelobt, zeigt die Studie „Mitarbeiterfocus Deutschland“ von forum! Marktforschung. Dabei steigert loben die Arbeitseffizienz. Die amerikanische Wissenschaftlerin Carol Dweck von der Stanford University hat festgestellt, dass Mitarbeiter sich mehr anstrengen, wenn sie für ihren Einsatz und ihre Mühe gelobt wurden. Wenn jedoch Lob und Anerkennung fehlen, sinkt auch der Leistungswille. Wenn Mitarbeiter ständig glauben etwas falsch zu machen, ändern sie im schlimmsten Fall etwas, das sie bereits gut können.

Wie lobt man, ohne selbst gelobt zu werden?

Diejenigen, von denen das Lob ausgehen müsste, ernten oft selbst keins. Team- und Abteilungsleiter, also die Mehrheit der deutschen Chefs, agieren in einer Art „Sandwichposition“ zwischen Mitarbeitern und eigenen Vorgesetzten. Ihr kräftezehrender Einsatz bleibt meist ohne Resonanz. Das demotiviert. Es erfordert Willensstärke, den Druck nicht nach unten zu entladen. Hier kommt die eigene Psyche ins Spiel: Wer selbst ein geringes Selbstwertgefühl hat, dem wird es immer schwerfallen, andere Menschen wertzuschätzen. Wer den eigenen Selbstwert jedoch kennt, schafft es manchmal schon rein intuitiv, richtig mit den Mitarbeitern umzugehen. Eine Vertrauensperson, mit der man die eigene Wirkung und das eigene Verhalten reflektiert kann hilfreich sein. Gute Führung hat viel mit Empathie, aber auch mit Charakterstärke zu tun.

Warum muss man Nachwuchskräfte besonders loben?

Jeder weiß, dass es durch den demografischen Wandel in Zukunft schwerer sein wird, Nachwuchskräfte zu finden. Attraktiv wirken dann Betriebe mit einer motivierten Belegschaft. Die spiegelt nämlich recht unverfälscht das Führungsverhalten eines Unternehmens. Identifizieren sich die Mitarbeiter mit ihrer Aufgabe? Werden sie gefördert? Ist ihre Meinung gefragt? Die jungen Nachwuchskräfte sind „Digital Natives“ und brauchen mehr Feedback als jede Generation zuvor. Es wäre fatal bis zum Jahresgespräch zu warten. Schließlich gibt es genügend andere Arbeitgeber.

Was passiert mit uns, wenn wir gelobt werden?

Lob ist nicht nur psychologisch wirksam, der Effekt ist auch neurologisch messbar: im zerebralen Belohnungssystem setzt Lob einen euphorisierenden Mix aus Dopamin, Oxytocin und weiteren Glücksbotenstoffen frei. Der fördert nicht nur die Lust am Arbeiten, den Mut eigene Ideen zu entwickeln und den Elan neue Herausforderungen anzunehmen, sondern er stärkt auch das Immunsystem. Wenn es so viele Gründe fürs Loben gibt, warum wir das Thema dann so stiefmütterlich behandelt? Weil Loben keine Technik ist, die man lernen kann. Es erfordert Mut, Interesse am Mitarbeiter und daran, sich persönlich weiterzuentwickeln. Es hat also viel mit Selbstreflexion zu tun. Leider. Glaubwürdig loben ist eine Frage der Haltung.

Sabine, Hockling, Führungskraft
© PR

Sabine Hockling (45), war viele Jahre lang Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Sie schrieb unter anderem den „Ratgeber Arbeitsrecht“ und bloggt unter www.diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Ratgeber

Sechs Tipps für authentisches Lob

Manager-Expertin Sabine Hockling erklärt anhand einiger Beispiele, an welchen Stellen und in welcher Form Loben Sinn macht.

Fall 1

Ein stiller Mitarbeiter liefert kontinuierlich gute Ideen, die Arbeitsprozesse optimieren können, hängt das aber nicht an die große Glocke

Lösung: Hier ist der richtige Ort entscheidend. Mitarbeiter, die sich gern in der zweiten Reihe aufhalten, mögen es in der Regel lieber, wenn der Chef sie nicht gerade vor versammelter Mannschaft lobt. Vereinbaren Sie einen Termin zu zweit oder sprechen Sie seine Leistung an, sobald andere Kollegen außer Reichweite sind.


 

Fall 2

Ein junger Kollege hat ein Projekt erfolgreich abgeschlossen, es eigeninitiativ gefilmt und ins Intranet gestellt. Das könnte die älteren Kollegen neidisch machen.

Lösung: Loben Sie auch diesen Kollegen außer Reichweite der anderen. Versuchen Sie ihn darauf hinzuweisen, dass es auch für Sie selbst eine Gratwanderung ist, die alten Hasen im Betrieb und den dynamischen Nachwuchs möglichst gleich zu behandeln. Diese Situation ist zugleich eine Chance, um elegant zwischen den Seiten zu vermitteln.


 

Fall 3

Die Belegschaft hat gut gearbeitet, als Führungskraft hatte ich aber kaum Zeit, mich mit Einzelleistungen zu beschäftigen. Nun steht eine Firmenfeier an.

Lösung: Auch wenn das jetzt naheliegt: Chefs sollten Lob nie pauschal für die ganze Mannschaft aussprechen. Es muss immer um Einzelleistungen gehen. Informieren Sie sich bei einer anderen Führungskraft über die Mitarbeiter, machen Sie sich einen Spickzettel und sehen Sie zu, dass es in der Rede nicht um Nebensächlichkeiten wie zum Beispiel Pünktlichkeit geht. Was genau hat diese Person geleistet? Für solche Überlegungen müssen Sie sich die Zeit nehmen.


 

Fall 4

In einem kleinen Betrieb fallen zu Stoßzeiten auch mal Überstunden an, die nicht immer finanziell ausgeglichen werden können.

Lösung: Manche Vorgesetzten neigen nun zu überschwänglichem Lob. Achtung, das durchschauen Mitarbeiter. Das Unternehmen muss sich für übervertragliche Leistungen revanchieren. Das heißt nicht, dass es für jede erledigte Aufgabe sofort einen Bonus oder einen Lobgesang geben muss. Aber Sie sollten schon dafür sorgen, dass das Verhältnis ausgeglichen ist. Verlangen Sie Ihren Mitarbeitern viel ab, dürfen Sie nicht mit Lob geizen – am besten in Verbindung mit einem Jahresbonus oder Ähnlichem.


 

Fall 5

Ich habe als Vorgesetzter auch mal schlechte Tage und kritisiere dann viel zu harsch.

Lösung: Ein Lob kann dann nicht dafür herhalten, Ihr falsches Verhalten zu entschuldigen. Als Chef sollte man niemals nur loben, damit die Stimmung wieder gut ist. Stehen Sie zu Ihrem Fehler, gestehen Sie ihn ein. Das zeigt den Mitarbeitern, dass auch Sie nicht perfekt sind.


 

Fall 6

Ein Mitarbeiter hat hervorragend gearbeitet, ich möchte ihn loben – und gleichzeitig einigen anderen sagen, dass ich von ihrem Einsatz nicht so begeistert bin.

Lösung: So geht es nicht – Vorgesetzte sollten nie Lob und Kritik vermischen. Das schürt Missgunst und Neid und die kritisierten Mitarbeiter sind am Ende noch demotivierter. Schwerwiegende Probleme in der Zusammenarbeit sollte man immer gesondert ansprechen. Den hervorragenden Mitarbeiter können Sie ja trotzdem loben.

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Kommentare

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Lob-Phrasen - und ihre wahre Bedeutung

Es ist nicht immer leicht, den richtigen Ton zu treffen. Oft genug steckt hinter einem Lob aber auch mehr oder wenig gut verpackte Kritik. Deswegen haben wir sieben oft gehörte Lob-Phrasen von Chefs für Sie gesammelt und so übersetzt, dass jeder sie verstehen kann. Denn schon Sigmund Freud wusste: Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos.

In Kürze

Die fünf wichtigsten Fakten über das Loben

  • Eine Studie der Stanford University hat gezeigt, dass Mitarbeiter sich mehr anstrengen, wenn sie für ihren Einsatz gelobt werden. Fehlt Lob und Anerkennung, sinkt der Leistungswille.
  • Team- und Abteilungsleiter tun sich mit dem Loben oft schwer, weil sie selbst keine Anerkennung ernten. Wer aber ein hohes Selbstwertgefühl hat, dem fällt es leichter, andere Menschen wertzuschätzen.
  • Um für Nachwuchskräfte attraktiv zu sein, zählt heute auch die Feedback-Kultur. Die „Digital Natives“, also die junge Generation, braucht mehr Rückmeldung. Warten Sie nicht zu lange, schließlich gibt es genug andere Arbeitgeber.
  • Lob ist neurologisch messbar: Wird man gelobt, werden Glücksbotenstoffe freigesetzt. Das fördert die Lust am Arbeiten und den Mut, eigene Ideen zu entwickeln.
  • Lob erfordert Mut, Interesse am Mitarbeiter und daran, sich persönlich weiterzuentwickeln.

Esther Werderinghaus
Titelfoto: © Niklas Briner