Konflikte im Unternehmen lösen Symbolbild Steine

Oce­an­well aus Kiel

Mit Me­dia­ti­on zum Er­folg

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Die Meeresbiologin Inez Linke und ihre Kollegen haben aus einem kleinen Start-up ein EU-gefördertes Unternehmen gemacht. Das gelang ihr durch innovative Produktentwicklungen – und eine Mediation mit ihrem Team.

Vor 16 Jahren entdeckten meine Kollegen und ich eine Marktlücke: Wir erkannten, dass sich aus Meeresalgen Naturkosmetik und Wellnessprodukte entwickeln lassen. Das gab es vorher noch nicht. Auf einem ehemaligen Marinegelände betreiben wir heute die einzige Offshore-Algenfarm Deutschlands. Bestimmte Algenarten enthalten wertvolle Meeresmineralien, Vitamine und Zucker. Auch medizinisch haben sie eine heilsame Wirkung: bei Gelenkrheumatismus, Atemwegs-, aber auch Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte.

Als wir anfingen, waren wir nur zu dritt. Heute sind wir 16 Biologen, Forscher, Biotechnologen, Vertriebler und Kosmetiker in unserer Firma. Damals besprachen wir unsere Ideen und Strategien immer sofort oder spätestens beim Mittagessen. Jeder wusste, woran der andere gerade arbeitet und was er dachte. Heute gelingt der Austausch nicht mehr so unmittelbar, da wir mehr Leute, Entscheider und Abteilungen sind. Wir haben einen Verkaufsladen, Forschungslabore, ein Lager, einen Versandbereich und ein Kosmetikstudio, in dem Behandlungen und Schulungen stattfinden. Es arbeiten viele Gewerke an vielen verschiedenen Aufgaben.

Oceanwell heißt unsere Naturkosmetikmarke, und sie ist ein eigener Geschäftsbereich mit Direktversand und Vertrieb im Fachhandel. Mit einer weiteren Firma, die ebenfalls unter unserem Dach sitzt, erstellen wir Meeresumweltgutachten und beteiligen uns an Forschungsprojekten. Unsere Teambesprechungen finden regelmäßig gemeinsam statt. Jeder Mitarbeiter bei uns identifiziert sich sehr stark mit der Firma und der Idee, Gutes für Mensch und Meer zu tun. Jedem geht es darum, nachhaltig zu arbeiten. Dadurch, dass jeder die Aufgabe als sinnstiftend erlebt, verhärten sich Konflikte auch nie so tief greifend. Dennoch lief auch bei uns nicht immer alles rund.

Konflikte im Job sind ähnlich wie in der Ehe

In den letzten zehn Jahren ist die Kommunikation in unserer Firma zur größten Herausforderung für uns geworden. Wir mussten ganz neue Strukturen schaffen, um bei den vielen Aufgaben nicht den Fokus zu verlieren. Auf wöchentlichen Meetings sitzen alle in einem Stuhlkreis, und jeder berichtet, woran er gerade arbeitet und welches Ziel er verfolgt. Würden wir das nicht tun, würde die Biotechnologin nicht mitbekommen, was im Vertrieb gerade wichtig ist. Es gab Zeiten, da wurde zu viel in Einzelgesprächen geklärt. Im Großraumbüro herrschte dann Unruhe, und die Mehrheit wusste trotzdem nicht über die einzelnen Vorgänge Bescheid.

Durch unsere vielfältigen Arbeitsbereiche, die einerseits bodenständig und andererseits hochinnovativ sind, besteht unser Team aus unterschiedlichsten Charakteren. Wenn diese Zusammenarbeit nicht gut organisiert ist, kann es zu Missverständnissen, Reibereien und Kränkungen kommen.

Um größeren Konflikten vorzubeugen und das Arbeitsklima allgemein zu verbessern, haben wir vor ein paar Jahren beschlossen, eine Mediation für die ganze Firma zu organisieren. Ein ausgebildeter Coach leitet dabei behutsam einen Prozess an, bei dem Probleme in der Firma sichtbar gemacht werden. Er löst die Probleme nicht selbst, sondern gibt Hilfestellungen, um ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln. Ähnlich wie in einer langjährigen Ehe, in der mal wieder Grundlegendes besprochen werden muss, damit es nicht eskaliert.

Häufiger das Gespräch suchen

Wir erkannten dabei vor allem eins: Jeder im Unternehmen hat seine individuelle Rolle, und diese muss respektiert werden. Veranschaulicht hat uns das ein Beispiel. Es ging um ein Projekt, das 1000 Euro kosten sollte. Ein emotionaler Mitarbeiter sagte: „Das ist viel zu viel!“ Ein mutiger sagte: „Das ist okay, lohnt sich.“ Ein fruchtbarer Boden für einen handfesten Konflikt. Beide Seiten waren aber wichtig, um die Kosten möglichst klug abzuwägen.

Das Beispiel zeigte, dass es auch bei uns – wie in jeder Gruppe – unterschiedliche Bewertungssysteme gibt. Vor dem Hintergrund fiel es einigen leichter, die Meinung des anderen nicht als persönlichen Angriff zu werten. Viele Kränkungen geschehen im Alltag, weil jeder auf sich selbst schaut und den anderen mit seinen Wünschen, Schwächen und Ängsten nicht wahrnimmt. Jeder fühlt sich dann erst mal persönlich gekränkt.

Wir haben daraus gelernt, dass wir öfter das Gespräch miteinander suchen müssen. Wir machen das wöchentlich in der Gruppe, in Einzelgesprächen und einmal im Jahr in ganz großer Runde. Dann geht es nicht um Fachliches, sondern eher Persönliches. Sich mit einer zwischenmenschlichen Problematik auseinanderzusetzen, erinnert mich ein bisschen ans wissenschaftliche Arbeiten. Vielleicht fällt es unserem Team nicht so schwer, sich mit dieser Art von Problemen auseinanderzusetzen, weil wir ohnehin gern an komplizierten Dingen herumtüfteln. Bis wir eine Lösung finden.

Ocean-Basis-Meeresbiologin Inez Linke
© Privat

Zur Person

Inez Linke

ist Geschäftsführerin der Ocean Basis GmbH, die die Naturkosmetikmarke Oceanwell herstellt. Das Unternehmen bündelt die Themen Meereswirkstoffforschung und Kosmetikproduktion, 16 Mitarbeiter arbeiten an dem Standort in Kiel. Besonderes Augenmerk legt die 54-jährige Geschäftsführerin auf die nachhaltige Produktion der für die Kosmetiklinien verwendeten Laminaria-Alge.

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Esther Werderinghaus
Titelfoto: © Shikhar Bhattarai/Stocksy