Alt und Jung müssen im Unternehmen zusammenarbeiten. Das klingt leichter, als es in der Realität ist.

Un­ter­neh­men 50+

Alt + Jung = Er­folg

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Die Auseinandersetzung Jung gegen Alt wird uns bald unsinnig erscheinen – wir brauchen Qualifizierte jeden Alters. Gut beraten ist, wer sich selbst und sein Unternehmen rechtzeitig darauf eingestellt hat.

Es ist eine Rechnung, die längst keine Unbekannte mehr hat: Der Anteil von Personen im höheren Erwerbsalter steigt in Deutschland und in anderen europäischen Ländern stetig an. Gleichzeitig findet sich eine zunehmende Tendenz zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. Die Kombination dieser beiden Entwicklungen führt zu Krisen in den sozialen Sicherungssystemen und zu Schwierigkeiten für viele Unternehmen, den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften zu decken

Noch 2002 hatten etwa 60 Prozent aller Betriebe keine über 50-Jährigen mehr beschäftigt. Zehn Jahre später hat sich die Situation radikal verändert – die Betriebe überaltern. Der damals prognostizierte Fachkräftemangel ist nun in vielen Bereichen bereits Realität. Der früher oft unverhohlen zum Ausdruck gebrachte Jugendwahn ist in vielen Organisationen auf dem Rückzug.

Gut so, denn die neuere Forschung zum Thema Alter und Arbeit belegt klar, dass Alter und berufliche Leistungsfähigkeit verschiedene Dinge sind.

Was beeinflusst die Leistungsfähigkeit?

Stattdessen müssen wir differenzieren: Jeder altert zu einem anderen Zeitpunkt, und in jeder Lebensphase kann man darauf reagieren. Arbeitsgestaltung, Weiterbildung, Training und Gesundheit beeinflussen die individuelle Leistungsfähigkeit mehr als das Lebensalter. Diese Einsichten müssen Konsequenzen für die Optimierung des Personal- und Gesundheitsmanagements in jedem Unternehmen in Deutschland haben.

Die Politik hat längst reagiert – auf ihre Art: Die Lebensarbeitszeit wurde verlängert, das Renteneintrittsalters erhöht, der Berufseinstieg durch die Bologna-Reform nach vorn verlegt.

Was bedeutet das für Unternehmer? Der Alltag ihrer Beschäftigten wird sich stark verändern. Es werden Menschen in Teams zusammenarbeiten, deren Altersspannen immer größer werden.

Praxisbeispiel

Alte Hasen, junge Hüpfer

Beim Innenausbau-Experten Türenmann aus Stuttgart arbeiten Jung und Alt erfolgreich in Teams zusammen. Der Nachwuchs profitiert dabei von der Erfahrung, die Älteren lernen von den frischen Ideen der Jüngeren. Zu Besuch bei „alten Hasen und jungen Hüpfern“.

Keine schnelle Lösung demografischer Probleme

Was bedeutet das für Personalchefs? Wenn sie untätig bleiben, kann es zu Konflikten kommen, die unter anderem durch unterschiedliche Denk- und Arbeitsweisen hervorgerufen werden. Dabei liegen die Vorteile gemischter Teams auf der Hand: Kombination von Wissen, Erfahrung und Fähigkeiten jüngerer und älterer Mitarbeiter bei der Bearbeitung komplexer Aufgaben und solcher Aufgaben, die innovative Problemlösungen erfordern.

Was müssen Unternehmen also tun? Es ist dringend davor zu warnen, in der Nutzung altersgemischter Teams eine schnelle Lösung der demografischen Probleme in den Betrieben zu sehen. Es wäre zwar sehr schön, wenn die unmittelbare Zusammenarbeit von Jung und Alt in einer Arbeitsgruppe zu einer altersflexiblen, für alle Beteiligten gesundheitsförderlichen Bearbeitung von Aufgaben führen würde. Die Realität sieht aber ganz anders aus.

Erfolg durch die Zusammenarbeit von Jung und Alt in einem Team ist also nicht einfach deshalb zu erwarten, weil man Jung und Alt zusammenarbeiten lässt. Die Nutzung dieser Form von Gruppenarbeit muss gut vorbereitet und kontinuierlich begleitet werden.

Arbeits- und Organisationspsychologe Jürgen Wegge
© Andor Schlegel/Prof. Dr. Jürgen Wegge

Profil

Prof. Dr. Jürgen Wegge

Jürgen Wegge ist Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der TU Dresden. Er koordiniert die Arbeit des Demographie-Netzwerks (DDN) in Sachsen, in dem Wissenschaftler und Personalverantwortliche aus Wirtschaft und Verwaltung ihre Probleme – etwa mit Fachkräftemangel – oder die Erfahrungen in der Arbeit in altersgemischten Teams diskutieren.

Was Unternehmer tun können

  • Treten Sie als Unternehmer dem Erleben von Altersdiskriminierung entgegen. Bauen Sie aktiv Vorurteile gegenüber Älteren ab. Sie sind der wahre Grund für die Entstehung von Altersdiskriminierung.
  • Entwickeln Sie Präventionsmaßnahmen durch eine gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung. Investieren Sie ins Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter. Fördern Sie den Sport, bezahlen Sie den Angestellten Schnupperkurse in Vereinen.
  • Sorgen Sie für gesunde Ernährung und ergonomische Arbeitsplätze, um die Bedingungen erträglicher, effizienter und menschengerechter zu gestalten.
  • Seien Sie ein weiser Chef und setzen Sie auf gesundheits-förderliche, jedes Alter wertschätzende Führung, die den altersbedingten Problemen und individuellen Potenzialen der Arbeitnehmer Rechnung trägt.
  • Begreifen Sie den demografischen Wandel als Chance – die Ressourcen in unserem Land reichen für Jung und Alt. Nie war die Chance, gesund alt zu werden, höher. Nie war der Nachwuchs besser ausgebildet.

Wenn Sie die vier Punkte befolgen, machen Sie altersgemischte Teamarbeit zum Erfolgsfaktor für Ihr Unternehmen.

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Jürgen Wegge
Titelfoto: © Niklas Briner