Lounge Atmosphäre im Büro der TeamBank AG in Nürnberg.

Ar­beits­platz­ge­stal­tung im Bü­ro

So­fa statt Schreib­tisch?

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Wie sieht das Büro der Zukunft aus? Jedenfalls nicht wie ein Großraumkubus, in den die Angestellten nichts Persönliches mitbringen dürfen. Die TeamBank AG in Nürnberg hat eine ganze Kreativlandschaft entwickelt, um auf die Bedürfnisse der Belegschaft am Arbeitsplatz einzugehen.

Man müsste sich nur etwas nach rechts drehen, dann würde man dem Löwen direkt in die Augen schauen. Ein stattliches Exemplar, knapp zwei Meter lang, in abwartender Haltung, eingerahmt von sattgrünen Pflanzen.

Wir sitzen in einem der vielen Bereiche der TeamBank AG in Nürnberg. Indirektes Licht, Palmen und Gummibäume, ein fast moosig anmutender Teppich, dazwischen eine helle Sofalounge – der Löwe ist eine lebensgroße, von hinten beleuchtete Tapete. Hier, im Safari-Bereich der Bank, kommen manche Mitarbeiter auf ihre besten Ideen.

Und darum dreht sich hier alles: um das Fördern von Kreativität.

Besseres Büro, bessere Ideen

Wie schafft man es als Arbeitgeber, eine große Anzahl an Angestellten dazu zu bringen, sich im Büro so aufgehoben zu fühlen, dass ihre Ideen fast von alleine kommen? Wie vermeidet man eine anonyme, eintönige Atmosphäre? Wie schafft man es, dass der eine Bereich im Haus nicht genauso fad aussieht wie der andere?

Rund 700 Mitarbeiter arbeiten am Firmensitz in Nürnberg. Sie bewegen sich zwischen sogenannten Homezones und Projektzonen auf zwei Etagen, in denen kaum etwas an ein klassisches Büro erinnert. Birkenstämme umrahmen einzelne Arbeitsbuchten. Eine orangefarbene Sofalounge wird angestrahlt von runden Hängeleuchten – wären da nicht die beiden Flatscreens, könnte es eine Ecke in einem Soulclub sein. Abgeschottete, stille Bereiche treffen auf kommunikative, offene; selbst ein mit dunklen Ledermöbeln eingerichtetes Kaminzimmer soll die Mitarbeiter zum Vernetzen, Ideenspinnen und Entspannen anregen. Wer durch die Gänge des Unternehmens geht, trifft auf wenig Kanten und Ecken, alles ist geschwungen, selbst die Böden. So organisch und weich, wie der Mensch eben ist.

„Innovation entsteht in der Kommunikation, im zufälligen Gespräch, nicht in abgesteckten Räumen“, sagt der Architekt Stefan Camenzind. Er hat eine Arbeitswelt entworfen, die darauf ausgerichtet ist, bei jedem Mitarbeiter die Kommunikation und Vernetzung mit anderen zu fördern. Auch bei den sogenannten Meet-&-Create-Zonen im Herzen des Hauses. Das sind informelle Arbeitsplätze, die gleichzeitig Raum für Begegnung und Austausch geben sollen, gestaltet in Form von Cafébars, Game-Zonen und Loungebereichen.

„Nichts ist vordefiniert in dieser Zone“, sagt Camenzind, „man kann hier einfach nur Kaffee trinken, sich zur Teamarbeit treffen oder Gespräche jenseits der Arbeit führen.“ Entscheidend ist, dass der Mitarbeiter selbst bestimmt, welchen Zweck der Platz erfüllen soll.

Warum Bewegung im Büro wichtig ist

Die kurzen Wege im Haus erleichtern es, von einem in den anderen Bereich zu kommen. Die Mitarbeiter bewegen sich mehr, schreiben weniger E-Mails. Jeder Weg führt zu einer Meeting-Zone oder zu Sonderräumen wie der Bibliothek oder der Safari Lounge, wo man zufällig den Kollegen trifft, mit dem man ohnehin etwas besprechen wollte. „Die wenigsten Ideen entstehen am Arbeitsplatz selbst“, sagt Stefan Camenzind. Bewegung und Austausch ist die unsichtbare Überschrift über allem.

„Innovation entsteht in der Kommunikation, im zufälligen Gespräch, nicht in abgesteckten Räumen.“

Stefan Camenzind, Architekt

Die Räume sind nicht systematisch aufgeteilt. Es gibt auch keine Unterschiede zwischen Personalabteilung und anderen Bereichen, denn jeder kann innerhalb der für die Abteilungen definierten Homezones sitzen, wo er will. Und wie finde ich meine Kollegen, wenn sie überall und nirgends sitzen? „Mitarbeitern gelingt es, spontan die richtigen Kollegen zu finden“, erklärt Camenzind, und das läge eben am Konzept des Hauses, das alle Wege zusammenführt. Man findet sich. Sonst ruft man kurz an oder nutzt den Skype-for-Business-Chat. Schaut man auf die ungezwungene Plauder-Atmosphäre in der schön und transparent gestalteten Meeting-Zone, wo sich gerade zwei Kollegen bei einem Latte macchiato unterhalten, erscheint das einleuchtend.

Wohlbefinden am Arbeitsplatz beeinflusst unser Denken

Viele Unternehmen unterschätzen die Bedeutung des Designs, behauptet US-Psychologe Ron Friedman, der ein Buch über die unbewussten Kräfte geschrieben hat, die an unserem Arbeitsplatz wirken. Räume beeinflussen unsere Art zu denken und zu arbeiten. Sie können uns motivieren oder ermüden, Teamgeist fördern oder uns zu Einzelkämpfern machen. Zahlreiche Studien erforschen die Wirkung des Designs: Büros mit hohen Decken fördern Kreativität, Grünpflanzen geben Energie, leichtes Hintergrundgemurmel fördert den Geist stärker als Totenstille.

Menschen fühlen sich in offenen, anonymen Großräumen unwohl, belegen Studien. Sie fühlen sich beobachtet, kontrolliert, manchmal sogar ängstlich. Das führen Forscher zurück auf unsere Ahnen, die Jäger und Sammler, und ihr Bedürfnis nach Schutz und Rückendeckung. Offene Flächen empfanden sie als äußerst unbehaglich.

Das Wohlbefinden an Arbeitsorten hat eine lange Geschichte. Und es passt sich von Dekade zu Dekade den neuen Umständen an. In Zeiten der Globalisierung und des digitalen Wandels etwa steigt das Bedürfnis nach Privatheit: Die Arbeitsweise wird flexibler, viele Kollegen arbeiten von zu Hause aus oder von unterwegs, treffen sich zur Besprechung online und dann wieder in der Firma. Das Arbeiten wird autonomer, gleichzeitig aber vernetzter als je zuvor. Ein persönlicher Platz im Unternehmen, einer, mit dem man sich identifiziert, kann auch ein Anker sein.

Was kleinere Unternehmen umsetzen können

Nicht für jedes kleine und mittelständische Unternehmen ist es möglich, ein ganzes Gebäude so umzugestalten, dass in jedem Winkel optisch ansprechende, funktionale und gleichzeitig höchst unterschiedliche Oasen entstehen. „Doch ein bisschen vom Geist und der Unternehmenskultur der TeamBank ist für jeden umsetzbar“, sagt Philipp Blomeyer, Bereichsleiter Personal, Kommunikation und Recht. „Schließlich geht es nicht um Design, sondern um die Idee dahinter.“

Manchmal hilft es schon, eine Wand mehr in der Fabriketage einzuziehen, Flächen zu erhöhen, den Räumen Farbe zu geben, auch mal ein dekoratives Möbelstück hinzustellen, das keinen sofort erkennbaren Nutzen erfüllt. Es hilft, sich Rat bei Kollegen zu holen, die mehr Zeit an ihrem Arbeitsplatz verbringen als zu Hause, sich oft schon selbst Gedanken gemacht haben.

„Es geht nicht um das Design, sondern um die Idee dahinter.“

Philipp Blomeyer, TeamBank AG

Im gemeinsamen Gespräch wird auch deutlich, was der Arbeitnehmer eigentlich braucht: Braucht er Ruhe, um sich zu konzentrieren? Muss er sich regelmäßig mit Kollegen austauschen, weil er in Projekte eingebunden ist? Braucht er einen kurzen Weg zum Chef, weil er ein wichtiges Verbindungsglied zwischen Team und Chefetage ist? All das beeinflusst die Gestaltung. Neben dem Arbeitsplatz im Teambüro könnte man zum Beispiel einen Platz zur Verfügung stellen, an den man sich für Telefonate oder andere Aufgaben zurückziehen kann, die mehr Konzentration erfordern. Es geht um das Ermöglichen verschiedener Inseln, die individuelles Lernen genauso wie gemeinsames Diskutieren und konzentriertes Arbeiten nebeneinander möglich machen. Egal wie groß das Team ist – der Vernetzungsgedanke, genauso wie das individuelle Bedürfnis nach Ruhe, ist in jeder Firma wichtig.

Wer sich als Arbeitgeber solche Gedanken macht, wer auf die Bedürfnisse der Belegschaft eingeht und nicht nur platzsparend denkt, kann mit viel positiver Resonanz rechnen. „Denn dann ist selbst im kleinsten Unternehmen klar, dass es für den Erfolg auf den Menschen ankommt“, sagt Philipp Blomeyer und betont, dass sich der Einzelne viel mehr wahrgenommen fühlt, wenn sich der Raum dem Menschen anpasst. Und nicht umgekehrt.

In Kürze

Fünf Tipps zur Arbeitsplatzgestaltung

  • Die geschwungene und offene Gestaltung der Räume bei der TeamBank AG soll die Kommunikation und Vernetzung innerhalb der Belegschaft fördern.
  • Die Nutzung der Bereiche in den Räumen der TeamBank AG ist nicht vordefiniert. Ob ein Mitarbeiter an einem bestimmten Ort Kaffee trinkt oder sich dort zum Meeting trifft, ist ihm überlassen.
  • Design hat Einfluss auf die Arbeitsleistung: Laut Studien fördern Büros mit hohen Decken Kreativität, Grünpflanzen geben Energie, leichtes Hintergrundgemurmel fördert den Geist stärker als Totenstille.
  • Schon kleine Gestaltungselemente wie Möbel, die nicht auf den ersten Blick einen Nutzen haben, oder Farbtupfer können dem Raum eine andere Wirkung geben.
  • Um bei der Gestaltung von Büro und Arbeitsplatz auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter (Ruhe, Vernetzung, kurze Wege etc.) einzugehen, muss man sie danach fragen.
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Esther Werderinghaus
Titelfoto: © TeamBank AG/easyCredit

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