Diese Änderungen bringt 2022 für Arbeitgeber

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Was müssen Unternehmen im kommenden Jahr beachten? Der kompakte Überblick für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, welche Neuerungen sie 2022 erwarten.

Mindestlohn

Seit der Einführung im Jahr 2015 ist die gesetzliche Lohnuntergrenze bereits mehrfach angehoben worden. Für 2022 hatte die alte Bundesregierung bereits zwei Erhöhungen beschlossen: Ab dem 1. Januar 9,82 Euro pro Stunde, ab dem 1. Juli 2022 mindestens 10,45 Euro pro Stunde. Nach der Ankündigung der neuen Ampel-Regierung soll der Mindestlohn jedoch schneller steigen und schon innerhalb des Jahres 2022 auf mindestens 12 Euro angehoben werden.

Arbeitgeberanteil zur Arbeitslosenversicherung

Ab 1. Januar 2022 gibt es eine Änderung, die den Arbeitgeberanteil zur Arbeitslosenversicherung betrifft. Für Mitarbeitende, die bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben, müssen Arbeitgeber diesen Anteil ab dem kommenden Jahr wieder bezahlen. Im Rahmen der Einführung des Flexirentengesetzes war er seit 2017 ausgesetzt worden. Für alle anderen Mitarbeiter gilt weiter der 2020 beschlossene niedrige Satz von 2,4 Prozent.

Mindestvergütung für Azubis

Um die berufliche Ausbildung in Deutschland attraktiver zu gestalten, wurde auch für Auszubildende im Jahr 2020 eine Mindestvergütung beschlossen. Die Untergrenzen steigen jährlich bis 2023, um dem Arbeitsmarkt Zeit zu geben, sich darauf einzustellen. Für Lehrverträge ab dem 1. Januar 2022 müssen Auszubildende monatlich 585 Euro erhalten. Der Betrag steigt mit jedem Lehrjahr: Um 18 Prozent im zweiten, 35 Prozent im dritten und 40 Prozent im vierten Lehrjahr – Bezugsgröße ist jeweils das Einstiegsgehalt.

Elektronische Krankmeldung

Seit Oktober 2021 senden Ärzte Krankmeldungen bereits digital an die Krankenkassen – ab 1. Juli 2022 leiten diese die Meldungen direkt an den Arbeitgeber weiter. Mitarbeitende müssen also ab Sommer keinen „gelben Schein“ mehr an den Arbeitgeber senden. Verschwinden wird er aber noch nicht: Bis auf Weiteres müssen Patienten vom Arzt noch eine ausgedruckte Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit erhalten – für die eigene Dokumentation.

Elektronische Bescheinigungen

Mit Ablauf des Jahres 2022 müssen Bescheinigungen für das Arbeitslosengeld elektronisch an die Arbeitsagentur übermittelt werden. Das gilt für die Arbeitsbescheinigung, die EU-Arbeitsbescheinigung und die Nebeneinkommensbescheinigung. Unternehmen, die die elektronische Übermittlung noch nicht nutzen, sollten sich im laufenden Jahr beim Hersteller ihrer Lohnverrechnungssoftware erkundigen, wo das Programm eine entsprechende Schnittstelle zur Übermittlung enthält. Wer keine derartige Software nutzt, muss die Meldung ab 2023 kostenlos über das Onlineportal SV Net durchführen.

Minijobs

Bei Meldungen kurzfristiger Minijobs gibt es ab 1. Januar 2022 eine Änderung: Meldet ein Arbeitgeber einen kurzfristig Beschäftigten an, erhält er direkt eine elektronische Rückmeldung von der Minijob-Zentrale, ob im laufenden Kalenderjahr eine weitere kurzfristige Beschäftigung besteht oder bestanden hat. So kann der Arbeitgeber die Einhaltung der Zeitgrenzen für eine kurzfristige Beschäftigung überprüfen und, wenn sie überschritten sind, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung melden. Kurzfristig beschäftigt ist nur, wer innerhalb eines Zeitjahres maximal drei Monate oder 70 Tage tätig ist.

Insolvenzgeldumlage

Arbeitgeber können sich auf eine Senkung der Insolvenzgeldumlage freuen. Nach einer Erhöhung 2021 wird die Abgabe zum 1. Januar 2022 von 0,12 Prozent auf 0,09 Prozent sinken. Die Insolvenzgeldumlage sichert ausgefallene Entgeltansprüche der Arbeitnehmer, falls der Arbeitgeber insolvent wird.

Registrierkassenpflicht

Innerhalb des Jahres 2022 müssen Betriebe elektronische Registrierkassen anschaffen, wenn sie dies seit dem Kassengesetz von 2018 noch nicht getan haben. Nicht aufrüstbare Altkassen dürfen nach dem 31.12.2022 nicht mehr benutzt werden.

Neues Körperschaftssteuerrecht

Die finanzielle Liquidität und internationale Wettbewerbsfähigkeit von mittelständischen (Familien-)Unternehmen stärken: Dazu soll ein Optionsmodell beitragen, das ab dem neuen Jahr gilt. So können Personenhandelsgesellschaften und Partnerschaftsgesellschaften künftig wie eine Kapitalgesellschaft besteuert werden und dadurch von niedrigeren Steuersätzen profitieren. Da auch Nachteile entstehen können, sollte die Umstellung sorgfältig zusammen mit dem Steuerberater erwogen werden. Einzelunternehmern steht diese Option nicht offen.

Sachbezug

Arbeitgeber können ab Januar monatlich bis zu 50 Euro Sachlohn steuer- und sozialabgabenfrei an jeden Mitarbeitenden ausgeben. Damit steigt die Freigrenze für Sachbezüge um sechs Euro. Als Sachbezug gelten zum Beispiel Gutscheine und Geldkarten, die zum Kauf von Waren oder Dienstleistungen eingesetzt werden können – jedoch kein Geld und keine Gutscheine mit der Möglichkeit der Barauszahlung oder unbegrenzter Einlösungsmöglichkeiten. Neben der Erhöhung gibt es 2022 folgende Kriterien: Die Gutscheine müssen in limitierten Netzen gelten (Einkaufsläden, Einzelhandelsketten oder regionale City-Cards), eine limitierte Produktpalette abbilden (Buchladen, Fitnesskarten, Kinokarten) oder Instrumente zu steuerlichen und sozialen Zwecken sein (zum Beispiel Essensmarken).

Entgeltumwandlung

Ab 2022 sind Arbeitgeber verpflichtet, einen Zuschuss zu allen Entgeltumwandlungen in der betrieblichen Altersversorgung zu zahlen. Im Betriebsrentenstärkungsgesetz heißt es, jeder Arbeitgeber muss 15 Prozent des umgewandelten Entgelts als Zuschuss an die Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds leisten – wenn er dabei Sozialversicherungsbeiträge einspart. Die Regelung betrifft alle Entgeltumwandlungsvereinbarungen unabhängig vom Datum des Abschlusses.

Förderung für Hybridfahrzeuge

Überlässt der Arbeitgeber seinen Mitarbeitenden einen Dienstwagen, gibt es zahlreiche lohnsteuerliche Vergünstigungen, wenn es sich um ein Elektro- oder Hybridfahrzeug handelt. Die Bemessungsgrundlage wird bei diesen Fahrzeugen nämlich regelmäßig halbiert, teilweise sogar geviertelt – der geldwerte Vorteil sinkt entsprechend. Ab 2022 müssen Arbeitgeber hier jedoch beachten, dass die Voraussetzungen für die Halbierung bei Hybridfahrzeugen zum Januar verschärft werden: Das Fahrzeug darf pro Kilometer maximal 50 Gramm Kohlenstoffdioxid ausstoßen, und die Reichweite des elektrischen Antriebs muss 60 Kilometer betragen, wenn das Fahrzeug nach dem 31. Dezember 2021 angeschafft wird.

Corona-Sonderzahlungen

Im Rahmen der Pandemie wurde 2020 die Möglichkeit einer steuerfreien Einmalzahlung für Beschäftigte eingeführt. Die Frist wurde nun verlängert, sodass Arbeitgeber bis 31. März 2022 diesen Zuschuss allen Mitarbeitenden unabhängig vom Beschäftigungsverhältnis gewähren können. Er muss zusätzlich zum Arbeitslohn geleistet werden und darf maximal 1500 Euro betragen. Da er zur Abmilderung der Folgen der Coronakrise gedacht ist, müssen Mitarbeiter und Arbeitgeber in der vertraglichen Vereinbarung diesen Zusammenhang erkennbar machen.

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Maria Zeitler
Titelfoto: © iStock/bombuscreative

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