Hand hält Hopfendolden im Sudhaus von Neumarkter Lammsbräu

CSR-Preis der Bundesregierung

Durch Nachhaltigkeit zum Marktführer

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Für ihre umfassende Nachhaltigkeitsstrategie wurde die Brauerei Neumarkter Lammsbräu aus der Oberpfalz mit dem CSR-Preis der Bundesregierung ausgezeichnet. Das Engagement in den Bereichen Umweltschutz und gesellschaftliche Verantwortung macht das Unternehmen auch für Bewerberinnen und Bewerber attraktiv.

Als Franz Ehrnsperger in den 1970er-Jahren sah, dass viele kleine Brauereien von den Großen der Branche aufgekauft wurden, wusste er: Mit Neumarkter Lammsbräu soll das nicht passieren. Der damalige Geschäftsführer suchte nach einer Möglichkeit, die kleine Brauerei so aufzustellen, dass das Unternehmen noch viele Generationen in Familienhand bleiben könne. Sein Ansatz: Rohstoffe aus dem ökologischen Landbau, strenge Umweltrichtlinien im Betrieb und ein ökologisch und gesellschaftlich verträgliches Selbstverständnis des Unternehmens. Heute gilt er innerbetrieblich als Pionier, der damals den Grundstein für die nachhaltige Ausrichtung der Brauerei legte.

Neumarkter Lammsbräu ist mittlerweile Marktführer bei Bio-Bier in Deutschland. Für ihre umfassende Nachhaltigkeitsstrategie erhielt die Brauerei den Corporate-Social-Responsibility-Preis, kurz CSR-Preis, der Bundesregierung in der Kategorie bis 249 Mitarbeiter. Die Jury begründete die Auszeichnung damit, dass Nachhaltigkeit nicht bei der Beschaffung von Hopfen und Gerste in Bio-Qualität endet. Die Brauerei unterstützt die Landwirte dabei, sogenannte Kulturlandpläne für eine verträglichere Bewirtschaftung ihrer Flächen umzusetzen, was Artenvielfalt und Naturschutz stärkt. Simone Spangler ist Mitarbeiterin im Nachhaltigkeitsmanagement von Neumarkter Lammsbräu und berichtet im Interview, welche Aktivitäten die Brauerei im Umweltmanagement verfolgt und warum die Bewerbung für den CSR-Preis eine gute Möglichkeit für eine interne Bestandsaufnahme bietet.

Faktor A: Frau Spangler, warum hat sich Neumarkter Lammsbräu um den CSR-Preis beworben?

Simone Spangler: Wir haben 2013 schon teilgenommen, waren nominiert, haben aber nicht gewonnen. Aber die Teilnahme ist dennoch sehr wertvoll. Der Bewerbungsprozess ist sehr umfassend – zunächst einmal intern. Die abgefragten Themenfelder geben viel Gelegenheit, sich als Unternehmen selbst zu reflektieren. Wir haben dieses Mal schon anhand der Fragestellungen festgestellt, dass sie in die Richtung gehen, in die auch wir uns bewegen. Das hat uns gezeigt, dass wir gesellschaftspolitisch zu den wichtigen Themen beitragen.

Welche Schlüsse haben Sie aus den beiden Teilnahmen für Ihr Unternehmen gezogen?

Das kritische Feedback, das wir 2013 bekommen haben, war sehr wertvoll. Dieses Mal gab es weniger Kritikpunkte. Einer davon war die Integration von Geflüchteten, die einfach gesellschaftlich wichtig ist und wo wir uns fragen müssen, wie wir als Unternehmen dazu beitragen können. Auch das Engagement vieler anderer Wettbewerbsteilnehmer ist inspirierend und ermöglicht einen prüfenden Blick auf das eigene Engagement.

Wie viele Mitarbeiter sind denn bei Lammsbräu im Nachhaltigkeitsmanagement beschäftigt?

Mittlerweile sind wir ein Team von fünf Leuten, was für ein Unternehmen mit 150 Mitarbeitenden eine schöne Anzahl ist, mit der man viel bewegen kann. Zusammen mit einer Kollegin betreue ich das Umwelt- und Qualitätsmanagement des Unternehmens. Hier steht der kontinuierliche Verbesserungsprozess der Umwelt- und Qualitätsleistung im Fokus. Das heißt, wir messen und analysieren Kennzahlen, setzen Maßnahmen um, um unsere jährlich gesetzten Ziele zu erreichen. Aber was mir besonders Freude bereitet, ist, dass ich mich dem Stakeholderbereich unseres Unternehmens widmen darf.

Was genau ist damit gemeint?

Zusammen mit Stakeholdern zu agieren bedeutet, dass wir uns als Brauerei nicht als Einzelakteur sehen, der einem Kerngeschäft nachgeht, sondern als Teil einer Wertschöpfungskette und eines Netzwerks. Ich kümmere mich dabei um die nachhaltige Beschaffung von Rohstoffen und anderen Materialien. Denn Nachhaltigkeit beginnt bei uns nicht an der Brauereigrenze, sondern schon mit den Partnern und Partnerinnen, mit denen wir zusammenarbeiten. Mit ihnen sind wir in engem Kontakt und Austausch.

Zweimal im Jahr treffen wir uns im Rahmen unseres Neumarkter Lammsbräu Stakeholderkreises, einem Kreis von 16 Teilnehmern aus Erzeugern, Verarbeitern, Händlern, Gastronomen und Konsumenten. Damit bilden wir repräsentativ unser gesamtes Wertschöpfungsnetzwerk ab. Dort sprechen wir dann über die Themen, die uns alle bewegen, und arbeiten an gemeinsamen Lösungen.

Was ist denn gerade ein Thema im CSR-Bereich, das Sie weiterentwickeln möchten?

Eines der ganz großen Themen im Nachhaltigkeitsmanagement ist die Klimastrategie, die wir bereits seit 2013 haben und momentan überarbeiten. Zunächst haben wir analysiert, wo wir die größten Emissionen haben, und uns ein Ziel gesetzt, wie wir diese bis 2025 reduzieren möchten. Momentan betten wir unsere Klimastrategie in die „Science Based Targets“ ein. Das ist die Initiative, bei der man seine Tätigkeiten auf das 1,5-Grad-Ziel ausrichtet. Dafür haben wir uns Unterstützung von der Universität Kassel geholt, die uns als Mittelständler mit ihrer Expertise berät. Außerdem haben wir eine Vollzeit angestellte Person, die das Ganze koordiniert und ins Unternehmen trägt. Und wenn es an die Umsetzung geht, sind natürlich alle Unternehmensbereiche gefordert.

Zur Person

Simone Spangler

Simone Spangler im Sudhaus der Brauerei Neumarkter Lammsbräu
© Neumarkter Lammsbraeu

Simone Spangler hat Ernährungswissenschaften auf Diplom studiert und anschließend einen Master in „Environmental Protection and Agricultural Food Production“ gemacht. 2013 hat sie bei Neumarkter Lammsbräu das Traineeprogramm „Ökologische Lebensmittelwirtschaft“ absolviert und damals bereits an der Klimastrategie mitgearbeitet. Seit 2018 ist sie bei der Bio-Brauerei im Nachhaltigkeitsmanagement beschäftigt.

Werden Sie dieses Ziel auch in den Stakeholderkreis tragen?

Genau, denn das gesamte Netzwerk muss unserer Meinung nach zur Reduktion der Emissionen im Kontext des Klimawandels beitragen. Unser Vorhaben ist es, ein klimaneutrales Wertschöpfungsnetzwerk zu starten.

Haben Sie den Eindruck, dass sich das große Engagement von Lammsbräu im Nachhaltigkeitsbereich auch in den Bewerberzahlen widerspiegelt?

Ja, wir haben definitiv eine hohe Anzahl von Initiativbewerbungen, gerade auch im Nachhaltigkeitsmanagement. Die Menschen nehmen wahr, dass wir sehr vielfältig aktiv sind, viel Netzwerkarbeit leisten und ein attraktives Unternehmen sind. Auch für mich als Bewerberin war Lammsbräu nicht bloß eine Brauerei, sondern ein Unternehmen, das nachhaltig agiert und deshalb total spannend ist.

Hintergrund

CSR-Preis der Bundesregierung

Alle drei Jahre prämiert die deutsche Bundesregierung Unternehmen, die ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung zeigen. Dadurch sollen herausragende Beispiele gesellschaftlicher Verantwortung honoriert und andere Unternehmen zur Nachahmung angeregt werden. Die Preisträger setzen vorbildlich faire Geschäftspraktiken ein, gestalten ihre Personalpolitik sehr mitarbeiterorientiert, gehen sparsam mit natürlichen Ressourcen um oder engagieren sich in der Region, in der sie tätig sind.

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Birte Schmidt
Titelfoto: © Neumarkter Lammsbräu