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Leit­fa­den – al­les zur Kurz­ar­beit

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Kurzarbeit soll Arbeitsplätze in Zeiten des Auftragsrückgangs sichern. Wir klären die wichtigsten Fragen von Arbeitgeberseite und stellen zwei Unternehmen vor, die mit Kurzarbeit erfolgreich Schwächephasen überbrücken konnten.

FAQ

Wie funktioniert Kurzarbeit?

Was ist Kurzarbeit?

Muss ein Betrieb aufgrund schlechter Konjunkturlage oder aufgrund eines unabwendbaren Ereignisses die Arbeitszeit seiner Mitarbeiter vorübergehend verringern, kann er Kurzarbeit beantragen. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, zahlt die Agentur für Arbeit das Kurzarbeitergeld. So können Entlassungen vermieden werden.

Wie hoch ist die Förderung?

Die Mitarbeiter arbeiten nur drei Viertel ihrer gewöhnlichen Arbeitszeit, der Arbeitgeber entlohnt sie laut Arbeitsvertrag für die geleistete Arbeit. Die Arbeitsagentur ersetzt grundsätzlich 60 Prozent des ausgefallenen pauschalierten Nettoentgelts, lebt mindestens ein Kind mit im Haushalt des Arbeitnehmers, sogar 67 Prozent.

Wie lange kann die Förderung bezogen werden?

Die mögliche Bezugsdauer beträgt zwölf Monate.

Wie kann man Kurzarbeit beantragen?

Zuerst muss der Arbeitsausfall der zuständigen Arbeitsagentur gemeldet werden, anschließend können die sogenannten Leistungsanträge sowie weitere Formulare eingereicht werden. Diese Anträge können bequem online erfolgen.

Wer hilft mir bei Fragen?

Ihr Betreuer der Agentur für Arbeit vor Ort. Detaillierte Infos sowie Erklärvideos zu Voraussetzungen und Antragstellung finden Sie auf https://www.arbeitsagentur.de/unternehmen/finanziell/kurzarbeitergeld-arbeitgeber-unternehmen

Aus der Praxis: August Kleine & Söhne

„Wir wollten unsere Mitarbeiter halten“

Markus Steins ist Diplom-Betriebswirt und bei August Kleine & Söhne für die Bereiche Finanzbuchhaltung und Personal zuständig. Das Kölner Familienunternehmen erbringt Leistungen in den Bereichen Sanitär, Heizung, Schlosserei und Kunstschmiede.

Schlosserei bei August Kleine & Söhne
© August Kleine & Söhne

Die Schlosserei bei August Kleine & Söhne

„Ende 2017 gab es in der Abteilung Schlosserei einen Auftragsrückgang. Zusätzlich wurden Aufträge nicht erteilt, die schon avisiert waren. In einem ersten Schritt haben wir versucht, die drei Mitarbeiter aus dem Bereich für andere Tätigkeiten im Unternehmen einzusetzen. Das war aber nur begrenzt möglich: Vereinzelt konnten unsere Schlosser Kollegen in der Abteilung Heizung/Sanitär unterstützen.

Deshalb haben wir intern diskutiert, wie wir mit dieser etwas unglücklichen Phase umgehen, um die Mitarbeiter halten zu können. Das war das vorrangige Ziel. Da bot sich das Kurzarbeitergeld an. Als wir uns darauf festgelegt hatten, haben wir die betroffenen Personen informiert. Es ist in unserem Unternehmen üblich, dass wir uns bei derartigen Themen an einen Tisch setzen und die Sache besprechen. Eine schriftliche Ankündigung folgte, das ist formal nötig.

Das Feedback des Personals war durchwegs positiv. Wir haben den drei Mitarbeitern in unserer Schlosserei erläutert, welche Konsequenzen es hätte, wenn wir nicht auf die Kurzarbeitsregelung zurückgreifen würden: eine geringere Stundenzahl und damit einen geringeren Lohn. Sie haben sehr wohlwollend reagiert und sich motiviert gezeigt, so gut es geht selbst positiv auf die Auftragslage einzuwirken.

Ab Februar 2018 wurde die Kurzarbeit dann eingeführt und die Arbeitszeit um 40 Prozent reduziert. Im ersten Schritt hatten wir einen Zeitraum von vier Monaten beantragt, den wir auf insgesamt ein halbes Jahr verlängert haben. Ich habe das Formular „Anzeige über Arbeitsausfall“ einfach heruntergeladen, ausgefüllt und an die Arbeitsagentur geschickt. Das ging ganz unbürokratisch und unkompliziert. Dank Kurzarbeit kamen wir gut durch diese auftragsarme Zeit und mussten keine Kündigung aussprechen.“

Aus der Praxis: MMC Studios Köln GmbH

„Kurzarbeit hilft der Unternehmer- und der Arbeitnehmerseite“

Michaela Heidrich leitet die Personalabteilung bei MMC Studios Köln GmbH. In den Film- und Fernsehstudios werden neben Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ auch Filme wie „Der Medicus“ produziert.

„Als technischer Dienstleister sind wir abhängig von der Programmgestaltung der Sender. Die Sender vergeben ihre Aufträge an Produktionsfirmen, die die Formate dann in unseren Studios umsetzen. Wird eine Sendung wegen schlechter Quoten eingestellt, wirkt sich das direkt auf uns aus. 2015 und 2016 sind uns große Produktionen weggebrochen, Probleme bei der Auslastung waren die Folge.

Michaela Heidrich, MMC Studios
© MMC Studios

Michaela Heidrich

Zum ersten Mal gab es bei uns im ersten Quartal 2015 Kurzarbeit. Daraufhin haben wir gemeinsam mit dem Betriebsrat flexible Arbeitszeitkonten eingeführt, als zusätzliche Maßnahme, um besser durch auftragsarme Zeiten zu kommen. Durch diese Einführung sowie einen Urlaubs- und Überstundenabbau konnten wir die erneute Phase der Kurzarbeit im Sommer 2016 auf zwei Monate beschränken.

Von den 120 Mitarbeitern waren damals etwas weniger als die Hälfte betroffen, vor allem im technischen Bereich der Produktion. Wir haben sie so frühzeitig wie möglich informiert: Zuerst wurde gemeinsam mit dem Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit formuliert, im Anschluss folgte eine Mitarbeiterversammlung und schließlich noch ein Anschreiben an jeden Betroffenen.

Die Reaktionen waren anfangs gespalten und der Gesprächsbedarf groß. Viele Kollegen hatten Ängste, schließlich ging es um ihr Einkommen. Aber nach einigen Stunden des Austausches überwog die Einsicht, dass Kurzarbeit eine Maßnahme ist, die sowohl der Unternehmer- als auch der Arbeitnehmerseite hilft.

Im gesamten Prozess standen uns unsere Betreuer der Agentur für Arbeit Köln zur Seite. Wir konnten bei wirklich jeder Frage Kontakt aufnehmen und sie auch zwei- oder dreimal stellen, bis man es eben wirklich verstanden hatte! Wir waren mit dem Betriebsrat bei der Arbeitsagentur, legten dort unsere Betriebsvereinbarung vor und haben nach der Abrechnung die Prüfungsunterlagen gemeinsam durchgearbeitet – eine wirklich gelungene Zusammenarbeit.“


Julia Fröhleke
Titelfoto: © Luckyraccoon/Shutterstock

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