„Nichts geht über das persönliche Treffen“

Homeoffice versus Büro

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Verena Remppis ist kaufmännische Leiterin für Europa beim Elektronikhersteller Yamaichi.
© Thorsten Jochim

Playlist

  • Learnings aus der Corona-Pandemie
  • Umzug an neuen Produktionsstandort
  • Back to Office bei Yamaichi
  • Feedback der Belegschaft
  • Rubrik: berühmte letzte Worte
  • Sebastian Keil: Unser heutiger Gast im Podcast ist Verena Remppis. Sie ist kaufmännische Leiterin für Europa bei der japanischen Firma Yamaichi. Das Unternehmen entwickelt elektromechanische Komponenten, die zum Teil auch hier in Deutschland produziert werden. Rempelt hat erst eine kaufmännische Ausbildung gemacht, dann Betriebswirtschaft studiert und bei einem großen Dax-Unternehmen im Vertrieb gearbeitet. Als sie sich nach einem Auslandsaufenthalt auf neue Stellen beworben hat, wechselte sie in den Personalbereich, weil sie fand, dass sie das eventuell besser kann. Das ist jetzt 20 Jahre her. Im Gespräch mit unserem neuen Podcast Gastgeber Jonas Rein verrät uns Verena Remppis, wie Yamaichi die Corona Pandemie erlebte und welche Learnings daraus entstanden. Dieses Gespräch wurde im Oktober 2021 aufgezeichnet. Zwar arbeiten Pandemie bedingt aktuell wieder mehr Menschen im Homeoffice, doch natürlich bleibt die Frage „Wie geht es danach wieder los und wie arbeiten wir dann zusammen? aktuell.

    Jonas Rein: Hallo liebe Zuhörer und herzlich willkommen im Faktor-A-Podcast. Frau Remppis!

    Verena Remppis: Hallo, guten Tag!

    Jonas Rein: Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf Ihr Unternehmen und auf die Zusammenarbeit mit Ihren Mitarbeitern?

    Verena Remppis: Auf die Zusammenarbeit hat es erst mal gar keine so großen Auswirkungen, da wir schon länger gewohnt sind, um Teil eben auch aus dem Homeoffice zu arbeiten. Wir haben viele Mitarbeiter an unterschiedlichen Standorten und lassen da auch ganz viele flexible Modelle zu. Trotzdem war es natürlich eine große Auswirkung, weil wir alle von dieser Pandemie so ein bisschen paralysiert waren und auch schockiert waren, weil wir das ja alle noch nicht so erlebt haben. So, das ist natürlich grundsätzlich erst mal auch einfach ein komisches Gefühl war. Genau, das erst mal so. Wirtschaftlich hatten wir natürlich auch ein bisschen darunter zu leiden, weil natürlich zum Teil unsere Kunden einfach nicht mehr produziert haben, damit auch nicht unsere unsere Waren wollten, und wir alle so ein bisschen in Schockstarre war, könnte man sagen.

    Jonas Rein: Wie hat sich Ihre Sicht auf das Modell Home Office geändert in der Zeit? Was sind denn Ihre Learnings?

    Verena Remppis: Unsere Learnings sind eigentlich die, dass wir festgestellt haben, wie schön es ist, wenn wir persönlich miteinander arbeiten. Eben gar nicht dieses: „Man kann auch aus dem Homeoffice arbeiten“, weil wie gesagt, das haben wir ja schon zu Genüge praktiziert und wirklich mit ganz vielen unterschiedlichen Standorten und Modellen. Klar hatten wir es jetzt nicht so kategorisch, dass wir gesagt haben: „Wir sind jetzt wirklich fast alle weg.“ Und da müssen wir uns natürlich auch an die, an die Hygiene Richtlinien und diese ganzen Sicherheitsstandards halten. Das haben wir natürlich so auch gemacht. Aber letztendlich war das, was uns eigentlich ausmacht, eben dieses persönliche Miteinander, das auf dem Flur mal einen kleinen Kleinen mit kleine Kommunikation zu machen oder auch und so weiter zu bringen. Das fehlte eben und das haben wir eigentlich als Learning mitgenommen. Gar nicht mal, dass man wie gesagt überall arbeiten kann, sondern eher dieses wie schön es ist, miteinander zu arbeiten.

    Jonas Rein: Was waren die größten Herausforderungen bei der Umstellung auf das Modell Homeoffice?

    Verena Remppis: Also wie hier in Deutschland hatten wir da eigentlich gar nicht viele Herausforderungen, weil wir das eigentlich alles schon ganz gut auch technisch hatten. Wir haben einen Standort in Nordafrika, in Tunesien. Da war es tatsächlich so, dass es da überhaupt noch nicht so praktiziert wurde, dass viele eben die technische Ausstattung nicht hatten, viele auch kein Internet zu Hause hatten. Aber trotz allem haben wir das dann mit damit, dass sie zum Beispiel ihre technische Ausstattung aus Büro mit nach Hause genommen haben und dann dort auch einigermaßen weiterarbeiten konnten, relativ schnell umsetzen können. Also da war es eher eine Herausforderung, hier in Europa oder in Deutschland eigentlich gar nicht so.

    Jonas Rein: Und in Japan?

    Verena Remppis: In Japan kam das alles ein bisschen später. Die sind ja relativ lange auch noch ins Büro gegangen und die haben dann natürlich dann irgendwann aber auch angefangen, Homeoffice einzuführen. Für die war es, glaube ich, ein größerer Schock als für uns, weil die es einfach da auch nicht so gewohnt waren. Und weil die da sehr traditionell und konservativ unterwegs sind.

    Jonas Rein: Ihr Unternehmen hat ja mitten in der Pandemie die Produktion an einem neuen Standort in Frankfurt/Oder aufgenommen. Wie gelingt denn solch ein Projekt in einer Pandemie? Was sind da die Hürden?

    Verena Remppis: Ja das muss man sagen, das waren in der Tat große Hürden und da haben wir natürlich kurzfristig überlegt, ob wir überhaupt den Umzug starten können, weil das eigentlich genau Mitte März losgehen gehen sollte oder losgegangen ist. Wir haben uns aber dann doch dafür entschieden und gesagt: wir gehen da jetzt einfach durch und wenn es nicht geht, dann geht es nicht. Die Hürden waren, dass zum Teil eben auch Mitarbeiter, von den Zulieferfirmen, von der Umzugsfirma nicht mehr arbeiten konnten, weil die auch zum Teil eben aus dem grenznahen Ausland kam, aus Polen. Die konnten da die Grenzen nicht mehr überwinden, so dass wir eben ein paar weniger Kollegen da hatten. Respektive die anderen, die dann gekommen sind und mitgeholfen haben, die mussten dann eben die ganze Zeit in Deutschland bleiben, denn die haben wir dann in Hotels untergebracht. Aber alles in allem ging das hervorragend. Es klappte wie am Schnürchen, wahrscheinlich weil man auch nicht so viele andere Störgrößen hatte, sodass es dann alles tipptopp geklappt hat. Aber auch da war es einfach eine Situation, die man so nicht hatte. Ein Umzug ist immer stressig und dann natürlich mit diesen Außeneinwirkungen war das dann erstmal noch mal ein bisschen aufregender, aber alle haben da toll mitgemacht und es ging dann ganz gut.

    Jonas Rein: Unglaublich. Große Leistung.

    Verena Remppis: Wir sind da auch ganz froh, dass wir es dann doch durchgezogen haben, weil wie gesagt, alle haben uns auch abgeraten: Hier, das könnt ihr jetzt natürlich nicht machen, weil man weiß ja nie und überhaupt, aber wir versuchen es einfach. Schlimmer kann es ja gar nicht werden. Und auch da hat es toll geklappt.

    Jonas Rein: Also das Jahr neigt sich dem Ende, die Beschränkungen werden weiter aufgehoben. Man denkt darüber nach, zurück ins Office zu gehen. Wie ist das denn bei Ihnen? Gibt es schon konkrete Pläne?

    Verena Remppis: Ja, wir haben jetzt einfach mal so als Richtwert gesagt, drei Tage in der Woche sollen die Kollegen im Büro sein und zwei Tage Homeoffice. Wobei, wie gesagt, wir haben da so viele andere Regelungen oder Möglichkeiten, so ganz sklavisch muss man sich da auch nicht dran halten. Aber wir wollen schon, dass sich alle mal in der Woche auch sehen und dass eben dieser Teamspirit wieder aufgenommen wird. Mit technischer Ausstattung geht das alles wunderbar und man hat auch viele, viele Teamsitzungen gemacht. Aber trotzdem: Dass so ein bisschen was normalerweise dazwischen passiert, das kriegt man halt eben im Teams Meeting doch nicht so richtig hin, auch wenn da ja viele tolle Ideen hatten und es viel gab mit After Work Teams und diese ganzen Sachen. Das ist auch alles ganz schön. Aber dieses wirklich persönliche Treffen, da geht einfach nichts drüber. Wir haben jetzt auch lange – eine nette Geschichte eigentlich – das Kickerspielen coronabedingt eingestellt. Wir haben eben viele Kicker hier im Haus. Aber jetzt haben wir gesagt Okay, wir geben das jetzt auch wieder frei. Und da war wirklich Freude. Da hat man wirklich gesehen, wie die Kollegen sich gefreut haben, dass sie das auch endlich wieder praktizieren konnten und darin aufgehen. Also es geht einfach nicht ohne den menschlichen Kontakt. Aber klar, bei vielen Anreisen, weiten Anreisen, vielen Staus, die man ja jetzt auch wieder sieht, hat das Homeoffice doch auch schon einiges für sich. Das ist ganz klar.

    Jonas Rein: Genau das ist ja meine nächste Frage. Was sind denn aus Ihrer Sicht die größten Vorteile vom Homeoffice?

    Verena Remppis: Also ich glaube schon, dass man natürlich viel mehr dann ja das Private mit dem Beruflichen vereinbaren kann, verbinden kann. Man hat mehr Zeit, weil einfach die Wegezeit wegfällt. Das ist speziell hier an unserem Standort in München, da merkt man das ja schon, dass der Verkehr sehr erheblich ist und dass es zum Teil eben riesige Staus gibt und lange Anfahrten. Also das entspannt natürlich sehr und klar auch natürlich für die, für die Kollegen, die auch Familie haben, dass man doch auch mal bei den Kindern mit gucken kann, mit Schule oder irgendwo die unterstützen kann. Das ist eine ganz große Sache. Wie gesagt, das ist super. Wir sind auch der Meinung, dass da niemand, weil da gibt es ja manchmal diese Vorurteile, dass man vielleicht zu Hause weniger arbeitet. Das sehe ich ganz anders. Das Engagement ist zu Hause genauso da wie wie im Büro, würde ich sagen.

    Jonas Rein: Und wie ist das Feedback der Belegschaft zu der Situation im Homeoffice?

    Verena Remppis: Die sind froh, dass sie eben beides machen können. Das sie es mal so oder mal so haben können. Oder auch diejenigen, die zum Beispiel ganz alleine zu Hause sind oder auch nicht den Platz dafür haben. Die waren auch immer froh, dass sie auch ins Büro kommen konnten. Das ist auch, muss man ja auch immer mal sehen. Manche anderen (Anm. d. Red.: in anderen Betrieben) durften auch gar nicht kommen. Das haben wir eben auch nie verboten. Wir haben natürlich auch genug Platz und können oder konnten damit auch die die ganzen Regelungen gut einhalten, sodass für jeden was dabei war.

    Jonas Rein: Und wird sich bei Ihnen etwas grundlegend ändern in der Arbeitsweise, durch Ihre Learnings aus der Pandemie? Werden eventuell Büros vermietet, weil die Belegschaft weiterhin im Homeoffice ist?

    Verena Remppis: Nee, das wird sicher nicht sein. Was vielleicht ist, aber das ergibt sich ja sowieso daraus, wenn wir weiter wachsen sollen, dass wir vielleicht dann nicht mehr so viel mehr Büroraum anmieten würden, wie wir es vielleicht vor Corona gemacht hätten. Eben mit diesem „Jeder hat ein eigenes Büro und jeder hat seinen eigenen Schreibtisch“. Dass man dann vielleicht darüber nachdenkt, das auch so ein bisschen wechselhafter zu machen, wie das auch in anderen großen Firmen ist, weil letztendlich doch viele Leute auch nicht immer da sind. Ja, das ist ja dann auch schade, wenn man einfach so viel Büroraum leer stehen hat, weil das muss man sagen, gerade in München kostet das natürlich auch eine ganze Menge. Aber nochmal, das möchte ich echt unterstreichen: dieses Miteinander, gerade weil das vielleicht auch uns als Firma besonders ausmacht. Da haben wir noch mal gesehen, dass das wirklich toll ist, wenn man sich auch öfter persönlich betrifft. Bei allen Vorteilen, die Homeoffice natürlich hat und die wir auch ermöglichen.

    Jonas Rein: Kommen wir nun zu unserer beliebten Rubrik Die berühmten letzten Worte. Das funktioniert wie folgt Ich starte einen Satz, den Sie beenden, Frau Remppis. Sind Sie bereit?

    Verena Remppis: Ja.

    Jonas Rein: Perfekt. Im Berufsleben hätte ich gerne von Anfang an gewusst, dass …

    Verena Remppis: dass es so viele unterschiedliche Möglichkeiten gibt, was zu tun, sich einzubringen und dass man eben nicht unbedingt auf dem, was man vielleicht mal studiert hat, auch den Weg weitergehen muss.

    Jonas Rein: An meinem Job mag ich am meisten, dass …

    Verena Remppis: dass ich sehr viel entscheiden kann und sehr viele unterschiedliche Aufgabenbereiche habe.

    Jonas Rein: Der Fachkräftemangel ist …

    Verena Remppis: eine Herausforderung, der wir im Moment noch sehr gut begegnen können. Aber man muss auch einiges dafür tun.

    Jonas Rein: Gutes Personal findet man, wenn …

    Verena Remppis: wenn man auch ein guter Arbeitgeber ist und gute Möglichkeiten schafft, dass beide Seiten froh sind.

    Jonas Rein: Wenn ich mal einen Motivations Loch habe, dann hilft es mir …

    Verena Remppis: mit meinen Kollegen zu sprechen.

    Jonas Rein: Das ist dann auch egal, ob im Call oder im Office dann.

    Verena Remppis: Ja, sowohl als auch. Wobei im Office oder persönlich immer noch besser, weil es dann einfach doch noch ein bisschen netter und lustiger ist.

    Jonas Rein: Frau Remppis, herzlichen Dank für das Gespräch.

    Verena Remppis: Ja, vielen Dank an Sie.

    Jonas Rein: Und wir, liebe Hörer, hören uns schon ganz bald wieder, und den Faktor A Podcast gibt es natürlich überall dort, wo es Podcasts gibt.

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Jonas Rein
Titelfoto: © iStock/nito100

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