Maria Obermeier, Geschäftsführerin OBM

Unternehmensnachfolge

Plötzlich Geschäftsführerin

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Mit 20 Jahren wollte Maria Obermeier nach dem plötzlichen Unfalltod ihres Vaters dessen Baumaschinenunternehmen weiterführen. Berater warnten sie, Teile der Belegschaft sprangen ab. Sie tat es trotzdem und ist durch neue Ideen und loyale Mitarbeiter heute erfolgreiche Unternehmerin.

Für ihre neueste Idee zieht sie Helm, Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe an: „Hallo, ich bin die Maria von OBM, ich geb’ dir jetzt die sorgfältige Einweisung für den Minibagger. Viel Spaß beim Baggern!“ Weil sie nicht mehr jeden Tag fünfmal das Gleiche erzählen wollte, kam Maria Obermeier auf die Idee mit den Erklärvideos. Und dafür setzt sich die Chefin persönlich hinters Baggersteuer.

Die OBM Baumaschinen GmbH hatte Josef Obermeier 2001 im oberpfälzischen Amberg gegründet, zum Verkauf gebrauchter Baumaschinen. 2012 übernahm seine Tochter Maria die Firma – von einem Tag auf den anderen. Ihr Vater geriet bei Arbeiten an seiner Biogasanlage unter die Räder eines Anhängers und starb mit 55 Jahren. Die Nachfolge war nicht geregelt, Marias ältere Schwestern wollten den Betrieb nicht weiterführen, der kleine Bruder war erst zwölf. Sie selbst war gerade 20 Jahre alt. „Ich habe gedacht: Das probiere ich einfach aus. Sicher war ich damals auch ein Stück weit naiv. Ich habe vor Beginn nicht alle Szenarien durchgedacht, sondern einfach gemacht“, sagt sie. Nach Hauptschulabschluss und Ausbildung zur technischen Zeichnerin absolvierte sie noch eine verkürzte Ausbildung zur Bürokauffrau im Betrieb des Vaters und bereitete gerade ihren Absprung nach Regensburg vor, um dort den Wirtschaftsfachwirt zu machen. Dann geschah der Unfall, und sie wurde von einem Tag auf den anderen vom Azubi zur Geschäftsführerin. „Sonst wäre die Firma wahrscheinlich verkauft worden. Ich war die Einzige, die sich überhaupt grob auskannte“, sagt Maria Obermeier.

Männerdomäne Baubranche

Dass sie die Firma irgendwann eines Tages mal übernehmen würde, damit hatte sie schon geliebäugelt, wollte sich aber noch in der Baubranche umschauen und bei ähnlichen Betrieben Praktika machen. Doch diese Zeit hatte sie nicht. „Ich habe mich schon immer mit OBM verbunden gefühlt.“ Sie war von klein auf mit ihrem Vater in der Firma, ist Bagger gefahren und hat ihre Begeisterung für große Maschinen entdeckt. „Bestimmt hat er sich insgeheim gewünscht, dass ich OBM mal übernehme, aber er hat mich nicht aufgefordert und keinen Druck gemacht. Das hat mir letzten Endes geholfen.“

„Alle haben entschieden abgeraten und gesagt, das wird definitiv nicht funktionieren.“

Viel früher als geplant trat sie das Erbe ihres Vaters an – entgegen jedem Rat. „Wir haben uns als Familie natürlich beraten lassen vom Anwalt und vom Steuerberater: Alle haben entschieden abgeraten und gesagt, das wird definitiv nicht funktionieren“, erinnert sie sich. Die Baubranche sei eine harte Männerdomäne, das werde sie als 20-jährige Frau nicht schaffen. „Mitten in einem Gespräch bin ich aufgestanden und habe gesagt: ‚Komm, Mama, wir fahren jetzt.‘ Sie hat mich in der Firma aussteigen lassen, und da war es entschieden.“

Bei OBM sind die Frauen in der Überzahl

Der Start war nicht einfach. Die fünf Mitarbeiter verließen sie nach und nach, innerhalb eines Jahres waren alle weg. Einige gründeten sogar einen Konkurrenzbetrieb, beeinflussten die Kunden, und es wurde schlechte Stimmung gemacht: „Wenn die es macht, wird es nicht weitergehen“, hieß es. Doch es ging weiter. Maria Obermeier war schnell klar, alleine kann sie es nicht wuppen. Also suchte sie sich zwei neue Mitarbeiter, die sie persönlich kannte. Einer gab seinen sicheren Job bei einer großen Baufirma mit gutem Gehalt auf: „Der ist mit mir voll ins Risiko gegangen.“ Auf die Loyalität und den Fleiß der vertrauten Mitarbeiter konnte sie sich voll verlassen.

Mittlerweile hat OBM elf Mitarbeitende, allein im Jahr 2020 kamen vier neue dazu. Zusammen mit ihr sind die sieben Frauen in der Überzahl – dass es eine reine Männerbranche ist, wollte Maria Obermeier nicht auf sich sitzen lassen. Überhaupt macht sie vieles anders. Der Vater hatte den Schwerpunkt auf den Verkauf gebrauchter Baumaschinen gelegt, und wenn mal Maschinen länger auf dem Hof standen, hat er sie vermietet. „Ich habe den Spieß umgedreht und die Vermietung von Minibaggern, Arbeitsbühnen, Radladern, Rüttelplatten und Walzen ausgebaut“, sagt Maria Obermeier. Durch die Niedrigzinspolitik verlagerte sich das Geschäft stark vom Gebrauchtmaschinenhandel zu neuen Maschinen. Weit über 100 Maschinen werden von dem 21.500 Quadratmeter großen Areal aus an Kommunen, Bauunternehmen, aber auch Privatleute vermietet.

Bagger online mieten

Der Betrieb ist erfolgreich, auch wenn Maria Obermeier sich das Vertrauen der Kunden erst wieder zurückerobern musste. „Hintenherum hat man immer mal gehört: ,Jetzt sind sie pleite.‘ Einige haben aber auch direkt gesagt: ,Bei deinem Papa war alles besser, du bist unfähig.‘ Viele, die dann nicht mehr kamen, sind mittlerweile wieder oft da.“ Die Kraft, durchzuhalten und weiterzumachen, konnte ihr die Familie geben. „Meine Mutter war die Erbin und hat gehaftet. Sie hat mir freie Hand gelassen. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich abliefern muss. Sie hat mich nur gefragt, wie es mir geht“, erinnert sich Maria Obermeier.

„Meine Mutter war die Erbin und hat gehaftet. Sie hat mir freie Hand gelassen. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich abliefern muss. Sie hat mich nur gefragt, wie es mir geht.“

Mit diesem Rückhalt legte sie los, führte das Erbe weiter – und sprüht vor Ideen. Schon seit Jahren gibt es vor Weihnachten das Benefizbaggern, bei dem Kinder-, aber auch Männerträume wahr werden: Jeder darf gegen eine kleine Spende baggern, was das Zeug hält. „Am Anfang waren das ein paar Leute auf dem Acker, mittlerweile sind es richtig professionelle Spiele mit einigen Hundert Leuten.“ Einige Tausend Euro gehen entsprechend als Spende an einen guten Zweck. Ein neues Logo, ein Demo-Park für Maschinen und demnächst ein Online-Tool zur Baggermiete – die 29-Jährige ist mittendrin, ein modernes Unternehmen zu gestalten: „Ich habe mir geschworen, dass ich es niemals nur mache, weil es das Erbe ist. Ich muss auch niemandem etwas beweisen. Wenn es mir keinen Spaß mehr macht, dann höre ich auf!“

Employer Branding: Minibagger auf Instagram

Vom Aufhören ist sie aber weit entfernt. In Schulungen und Weiterbildungen eignet sie sich immer mehr Geschäftsführerwissen an: „Die Rolle als Chefin liegt mir – zur Unternehmerin habe ich mich erst entwickelt. Aber ich mag es gar nicht so gerne, wenn mich jemand Chefin nennt, hier dürfen alle Maria sagen“, sagt sie. Am schwersten fiel es ihr, zu delegieren: Doch als sie merkte, dass es nicht sinnvoll ist, jedes Telefonat selbst anzunehmen, schenkte sie Vertrauen und sah, dass andere es auch gut – und manchmal sogar besser – machen. „Ich sehe meine Aufgabe unter anderem darin, mich um meine Mitarbeiter zu kümmern, damit die gut arbeiten können.“

„Ich sehe meine Aufgabe unter anderem darin, mich um meine Mitarbeiter zu kümmern, damit die gut arbeiten können.“

Der junge, moderne Teamspirit wird auch in den sozialen Netzwerken sichtbar. Ein Bewerber hat das Unternehmen sogar dort entdeckt, wollte unbedingt bei OBM arbeiten und ließ nicht locker, bis es geklappt hat. Dieses Employer Branding hatte Maria Obermeier aber gar nicht gezielt im Kopf. Vielmehr teilen sie und ihr Team dort die Begeisterung für die Baumaschinen, die manchmal schmutzig, aber irgendwie doch etwas Handfestes und „einfach cool“ sind, wie Maria Obermeier findet. Für ihre Baumaschinen gibt es deshalb auch einen Instagram-Account: Da ist sie in Action beim Baggerfahren zu sehen oder zeigt grinsend zwei Eimer voll Pflaumen, die sie ganz oben pflücken konnte, weil sie mit der Schaufel des Radladers hochgefahren wurde. Die Begeisterung, mit der sie schon vor 20 Jahren bei ihrem Vater in der Laderschaufel saß, lebt also weiter.

Nachfolge

So wichtig ist das Unternehmenswissen

Als Maria Obermeier das Unternehmen ihres Vaters übernahm, war es für sie nicht leicht: „Ich wusste einfach zu wenig über die Abläufe, über die Maschinen, aber auch über die Kunden.“ Und eine Übergabezeit war in ihrem Fall ja überhaupt nicht vorhanden. „Mein Vater hatte all dieses Wissen einfach im Kopf.“ Daraus hat sie selbst gelernt: Sie legt alle wichtigen Informationen zentral ab und delegiert viele Aufgaben, sodass das Wissen unter allen Mitarbeitern verteilt ist. So kann sie ruhigen Gewissens in den Urlaub fahren, und es wäre kein Problem, wenn sie aus familiären Gründen kürzertreten möchte.

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Kommentare

Chapeau, Frau Obermeier

aller ehren wert liebe frau obermeier....respekt.....
heißt es nicht irgendwo....
respekt wer´s selbst schafft....?
wünsche weiterhin gutes gelingen für ihren erfolgreichen weg
dieter kostrewa

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Maria Zeitler
Titelfoto: © OBM

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