Was macht eine gute Pause aus?

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Pausen kommen im Arbeitsalltag oft zu kurz. Dabei sind sie nicht nur wichtig für die Gesundheit – sie steigern auch die Leistung.

Jeder dritte bis vierte Arbeitnehmende in Deutschland macht regelmäßig keine Pause. Die zwei häufigsten Gründe: Die Arbeitsbelastung ist zu hoch, oder die Pause passt nicht in den Arbeitsalltag. Besonders schlimm ist die Situation in Gesundheitsberufen: Hier fallen teilweise 40 bis 50 Prozent der Pausen aus. Arbeitspsychologe Dr. Johannes Wendsche von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) erforscht Pausen seit vielen Jahren. Jedes Unternehmen sollte ein Interesse daran haben, dass die Mitarbeitenden ausreichend Pausen machen, sagt er. Worauf Unternehmen in Sachen Pausenkultur achten sollten – ein Leitfaden:

Ohne Pausen geht es nicht

Pausen halten nachweislich die Mitarbeitenden gesund – körperlich und psychisch. „Motivation, Wohlbefinden, Leistung und Produktivität steigen durch Pausen“, erklärt Dr. Johannes Wendsche. Er weiß: „Stresslevel und das Risiko für Arbeitsunfälle sinken durch Pausen, Krankenstände und Fehltage werden reduziert. Gleichzeitig erhöht sich die Mitarbeiterbindung.“ Das ist etwa im Pflegebereich gut belegt: In Unternehmen, in denen die Mitarbeitenden regelmäßig Pausen machen können, gibt es eine geringere Fluktuation. Gerade Kurzpausen von 5 bis 15 Minuten sind besonders lohnend.

Mehrere kurze Pausen sind besser als eine lange

Der Erholungsgewinn tritt vor allem in den ersten Minuten einer Pause ein und fällt dann ab. Mehrere kurze Pausen sind daher besser als eine lange. Laut Arbeitsschutzgesetz müssen Mitarbeitende ab sechs Stunden täglicher Arbeitszeit eine 30-minütige Pause machen. „Allerdings sind auch bei kürzerer Gesamtarbeitsdauer regelmäßige Pausen ratsam“, sagt Wendsche. „Der Mehrheit der Beschäftigten dürfte es schwerfallen, sechs Stunden am Stück hoch konzentriert zu arbeiten. Die kognitive Leistungsfähigkeit sinkt viel früher.“ Der Experte rät Unternehmen, Kurzpausen einzuführen. Auch für Teilzeitkräfte, die sonst oft gar keine Pause machen.

Das kleine Einmaleins der Pause

  • Wie oft macht eine Pause Sinn?
    Bei schwerer körperlicher Arbeit empfehlen sich nach einer Stunde fünf Minuten Pause, bei komplexerer Arbeit nach zwei Stunden zehn Minuten Pause. Weil Kurzpausen den Arbeitsfluss unterbrechen können, sollten Arbeitgeber Zeitfenster für die Pausen festlegen. So können die Mitarbeitenden entscheiden, wann die Pause Sinn macht, und zum Beispiel erst eine Tätigkeit zu Ende bringen, bevor sie eine kurze Pause machen.
  • Versteckte Pausen kosten Zeit und Geld
    Versteckte oder maskierte Pausen sind unproduktive Arbeitszeitverzögerungen. Mal eine Weile aufs Handy gucken, etwas Privates während der Arbeitszeit erledigen, viel länger am Drucker stehen als nötig. Diese Art Pausen machen im Schnitt 5 bis 15 Prozent der Arbeitszeit aus. Erholsam sind sie nicht. Auch weil das schlechte Gewissen immer mitschwingt.
  • Was Betriebe tun können
    Unternehmen können Angestellte darin unterstützen, Pausen einzuplanen und einzuhalten. Etwa durch Zeitmanagement-Workshops, die helfen, den Arbeitstag besser zu strukturieren. Auch Pausentools, die an Pausen erinnern, und spezielle Pausenangebote (zum Beispiel „bewegte Pause“) sind sinnvoll.

Mehr Pausen – mehr Leistung

Wer fürchtet, dass die Mitarbeitenden bei zusätzlichen Kurzpausen weniger arbeiten, liegt falsch. Das Gegenteil ist der Fall: Sie schaffen sogar mehr. „Untersuchungen haben belegt, dass Kurzpausen die Arbeitszeit zwar um zehn Prozent reduzieren, die Leistung steigt aber im Vergleich zu Mitarbeitenden, die keine Kurzpausen machen, um durchschnittlich fünf Prozent an“, erklärt Wendsche. „Die Qualität der Arbeit ist sogar um neun Prozent höher. Bietet ein Betrieb Kurzpausen offiziell an, reduzieren sich außerdem nachweislich die sogenannten versteckten Pausen.“

Johannes Wendsche ist Arbeitspsychologe bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA).
© Wendsche

Johannes Wendsche ist Arbeitspsychologe bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA).

Grundvoraussetzung für eine gute Pausenkultur ist eine angemessene Leistungskultur im Unternehmen. Es braucht eine realistische Planung, die Pausen auch tatsächlich zulässt. Also weniger Zeitdruck, weniger Multitasking, weniger Überstunden. Das muss auch in der Führungsriege vorgelebt werden. „Viele Führungskräfte machen keine Pausen – das hat eine völlig falsche Signalwirkung“, betont Wendsche.

Erholsame Pausen an speziellen Orten

Eine erholsame Pause ist eine Pause, die angstfrei und ohne schlechtes Gewissen verbracht werden kann. Dafür muss sie offiziell erlaubt und klar geregelt sein – und zwar für alle Mitarbeitenden. „Viele Betriebe dulden kurze Pausen zwar, aber kommunizieren keine klaren Regeln dazu. Das sorgt für Verunsicherung. Raucherpausen etwa sind oft nicht transparent geregelt und die Nichtraucher so meist benachteiligt“, weiß Wendsche. „Es sollte offen über das Thema gesprochen werden. Unternehmen müssen verbindliche Rahmenbedingungen für die Pausen schaffen und sollten ihren Mitarbeitenden signalisieren: Wir schätzen es, wenn ihr euch erholt!“

Eine gute Pausenkultur wird auch dadurch unterstützt, dass es Orte im Unternehmen gibt, an denen Pausen möglich sind. „Pausen haben auch eine soziale Funktion, Teampausen stellen daher eine wichtige Ergänzung zu individuell gestalteten Pausen dar“, erklärt Wendsche. „Ein Pausenraum, in dem sich die Mitarbeitenden treffen können, fördert das. Aber auch kleine Erholungsbereiche machen Sinn, etwa eine Kaffee- oder Kickerecke.“ Wichtig ist, dass die Pausenbereiche nicht zu laut sind. „Toll ist auch, wenn Natur ins Spiel kommt, denn Pausen in naturnaher Umgebung sind erholsamer“, sagt Wendsche. So könnten etwa draußen vor dem Gebäude Bänke aufgestellt werden. Von einer Pause am direkten Arbeitsplatz hält der Experte indessen nichts: „Eine Pause sollte störungsfrei sein – das geht am Arbeitsplatz in der Regel nicht. Studien zeigen: Wer den Arbeitsplatz während einer Pause nicht verlässt, ist weniger erholt.“

Sechs Kriterien für eine gute Pause

Nach dem DRAMMA-Modell aus der Erholungsforschung sollte eine wirksame Pause sechs Kriterien erfüllen:

  1. Sie gewährleistet, dass Arbeitnehmende ihre Tätigkeit für einen Moment vergessen können („Detachment“)
  2. Sie bietet Entspannung („Relaxation“)
  3. Die Arbeitnehmenden können selbst bestimmen, wann und wie sie die Pause verbringen („Autonomie“)
  4. Sie ermöglicht den Erwerb neuer Kompetenzen, zum Beispiel durch Lesen, das Hören eines Podcasts, der Teilnahme an einem Sportkurs etc. („Mastery“)
  5. Sie wird als sinnhaft erlebt („Meaning“)
  6. Sie lässt ein Verbundenheitsgefühl mit anderen zu („Affiliation“)

Kontraste schaffen und Grenzen einhalten

In der Pause ist es sinnvoll, einen Kontrast zur Tätigkeit zu schaffen. Wer im Sitzen arbeitet, sollte sich in der Pause bestenfalls ein wenig bewegen. Wer körperlich arbeitet, sollte sich ausruhen. Wer viel allein arbeitet, tut gut daran, sich in der Pause mit anderen zu treffen. Wer im Job viel Kundenkontakt hat, profitiert davon, in der Pause einen Moment für sich zu sein.

Während der Pause sollten die Mitarbeitenden nicht mit Arbeitsanliegen gestört werden – weder von Kolleginnen und Kollegen noch von Vorgesetzten. „Auch das gehört zu einer guten Pausenregelung: dass das Unternehmen klar kommuniziert, dass solche Störungen in der Pause nicht erwünscht sind“, sagt Wendsche. Mails und Anrufe nach Feierabend gilt es ebenfalls zu vermeiden. „Irgendwann muss auch mal Schluss sein“, sagt der Experte. „Der Feierabend ist auch eine Pause – und zwar eine ziemlich wichtige.“

Beispiele aus der Praxis

„Ein gutes Teamgefühl fördert die Pausenkultur“

Christin Ehrig ist Personalberaterin bei der Agentur für Arbeit Dresden. Um die Pausen der Mitarbeitenden zu verbessern, setzt man hier gezielt auf Aufklärung und Angebote, die das Teamgefühl stärken.

Christin Ehrig ist Personalberaterin bei der Agentur für Arbeit Dresden
© BA

Christin Ehrig

„Wie gestalten unsere Mitarbeitenden ihre Pausen? Und wie können wir den Erholungseffekt vergrößern? Das haben wir uns schon länger gefragt, waren aber unsicher, ob das Thema auch für unsere Mitarbeitenden relevant ist. Dann bekamen wir die Chance, an einer Studie zum Thema Erholung im Arbeitskontext teilzunehmen. Das Pausenverhalten unserer Angestellten wurde beobachtet, außerdem wurden die Mitarbeitenden befragt. Daraus konnten wir wertvolle Erkenntnisse ziehen.

So kam zum Beispiel heraus, dass viele unserer Mitarbeitenden Schlafprobleme haben und es ihnen schwerfällt, abends nach der Arbeit abzuschalten. Wir haben dann Informationen bereitgestellt und Vorträge organisiert, bei denen eine Ärztin Tipps rund um das Thema gab. Das wurde super angenommen. Generell wissen wir durch die Befragung jetzt, dass unseren Mitarbeitenden das Thema Entspannung sehr wichtig ist. Daher bieten wir gezielt Kurse an – Yoga, Meditation, Tai-Chi, Entspannungstechniken. Denn wer lernt, sich zu entspannen, kann auch Kurzpausen im Arbeitsalltag viel effektiver nutzen und sich bestmöglich erholen. Auch unsere ,bewegte Pause‘ haben wir reaktiviert. Ein Großteil der Kurse findet während der Arbeitszeit statt. Sie sind ein Goodie fürs Team – aber auch das Unternehmen profitiert. Denn die Mitarbeitenden bleiben gesund und leistungsfähig. Nach einer Yoga-Session kehren bei uns alle fitter, lockerer und motivierter an den Arbeitsplatz zurück.

Austausch gezielt fördern

Einen Fokus setzen wir auf regelmäßige Teamerlebnisse. Neben den Kursen sind das etwa gemeinsame Aktivitäten in der Natur, Ernährungskurse oder Gesundheitstage. Denn ein gutes Teamgefühl fördert auch die Pausenkultur. Da klopft eher mal jemand an die Bürotür vom Kollegen und fragt, ob er mit in die Kantine kommt. Diesen Austausch wollen wir gezielt fördern. Und es funktioniert: Wir sehen zum Beispiel, dass unsere Kantine wieder mehr genutzt wird und weniger Mitarbeitende allein an ihrem Arbeitsplatz essen. Wir überlegen jetzt, wie wir weitere Räume für Pausen etablieren können. Und wir möchten auch dazu animieren, die Pause mal draußen zu verbringen. Dafür können wir als Unternehmen etwa Tipps für Imbisse in der Nähe geben oder Routen für kleine Spaziergänge vorschlagen.

Wichtig ist, ein möglichst breites Angebot zu schaffen, das sich an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden orientiert. Eine Befragung kann Klarheit bringen, noch besser ist ein Arbeitskreis, in dem alle Abteilungen involviert sind. Den gibt es auch bei uns. Es ist ein Prozess – keine Pausenkultur ändert sich von heute auf morgen. Wenn die Ideen und Impulse aus dem Team einbezogen werden, ist man als Unternehmen aber garantiert auf dem richtigen Weg.“


Nicole Benke
Titelfoto: @iStock/redrhino78

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