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Welche Social-Media-Kanäle heute wichtig sind

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Die meisten Unternehmen betreiben Social-Media-Kanäle, manche tun dies jedoch eher halbherzig. Kein Wunder, denn die Regeln ändern sich schnell, und immer wieder kommen neue Plattformen dazu. Felix Beilharz ist Social-Media-Experte und weiß, welche Kanäle aktuell für welche Unternehmen geeignet sind.

Clubhouse ist der neue Stern am Social-Media-Himmel, bei Facebook ist heute sowieso keiner mehr, und Twitch ist doch nur für Videospiel-Verliebte, oder? Alles falsch, zumindest wenn es nach Felix Beilharz geht. Der Social-Media-Experte erklärt, welche Plattformen sich heutzutage besonders gut eignen, um Kunden zu gewinnen und den Umsatz zu steigern – und auch, wie das am besten funktioniert.

Das sind aktuell die wichtigsten 13 Social-Media-Kanäle

Facebook

Ist Facebook tot? „Auf gar keinen Fall“, sagt Experte Felix Beilharz. „Dass Facebook tot ist, wurde schon 2009 behauptet. Dabei ist es bis heute die Plattform mit den meisten Nutzern weltweit.“ Zwar gelte der Social-Media-Kanal nicht mehr als cool, trotzdem nutzen ihn 1,8 Milliarden (!) Menschen weltweit täglich. Zahlen für Deutschland veröffentlicht Facebook in seinem Quartalsbericht nicht, trotzdem ist Beilharz überzeugt: „Wenn Unternehmen auch nur eine einzige Plattform bedienen möchten, dann sollte es Facebook sein.“
Facebook selbst sieht den Nutzen der Plattform übrigens vornehmlich darin, mit Familie und Freunden zu kommunizieren, und hat seinen Algorithmus deshalb entsprechend so angepasst, dass Firmenbeiträge deutlich seltener im Feed auftauchen. Seither ist es für Unternehmen ungleich schwerer, mit ihren Posts die Kunden auch zu erreichen. „Durch viel Interaktion kann es aber trotzdem gelingen, eine hohe Reichweite zu bekommen. Dafür braucht es Content, der viel kommentiert wird“, sagt Beilharz. Eine weitere Möglichkeit sei, sich in Gruppen zu engagieren, denn solche Beiträge werden im Feed häufiger ausgespielt. Außerdem empfiehlt er Unternehmen, Werbung auf Facebook zu schalten. Und was die Branchen betrifft, gilt seit jeher: Facebook eignet sich wie die meisten Social-Media-Plattformen vor allem für das B2C-Geschäft.

Instagram

Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2020 hat ergeben, dass Facebook in der Nutzung erstmalig von Instagram überholt wurde. 15 Prozent der deutschen Bevölkerung nutzen demnach täglich Instagram, Facebook hingegen kommt auf 14 Prozent. Das liegt vermutlich auch daran, dass sich die Plattform stetig weiterentwickelt. Ging es früher darum, schöne Bilder zu posten, nehmen heute Videos – ob Storys, Reels oder IGTV – eine immer größere Rolle ein.
Auch Felix Beilharz sagt, dass nicht nur Unternehmen, die viele schöne Bilder posten können, Instagram gut nutzen können. „Instagram bietet viele Möglichkeiten, man kann Grafiken posten oder schöne Sprüche“, sagt der Experte. Wichtig für Unternehmen sei vor allem die Überlegung, ob sie dort tatsächlich ihre Zielgruppe erreichen: Die ist hier deutlich jünger als bei Facebook, ein Großteil der Nutzer ist Beilharz zufolge jünger als 35 Jahre.

Pinterest

Obwohl bereits seit 2010 auf dem Markt, wird Pinterest von Unternehmen für Marketingzwecke immer noch vernachlässigt. Aber zuerst zur Frage, ob es sich dabei überhaupt um einen Social-Media-Kanal handelt: „Eine Suchmaschine im Social-Media-Gewand“, nennt es Experte Beilharz und erklärt, dass sich die Bilder-Suchmaschine für alle Unternehmen eigne, die mit schönen Fotos punkten können, etwa die Hochzeitsbranche.

Twitter

199 Millionen Menschen weltweit nutzen täglich Twitter, trotzdem ist die Plattform in Deutschland nie so richtig angekommen. „Sie eignet sich nur für Unternehmen in ganz bestimmten Branchen, zum Beispiel für politische Themen oder journalistische Nachrichten“, sagt Beilharz. Unternehmen würden auf diesem Kanal Endkunden eher nicht erreichen und sollten ihre Arbeit daher besser anderweitig investieren.

WhatsApp

Nachdem WhatsApp Ende 2019 seine Nutzungsbedingungen überarbeitet und verboten hatte, Newsletter über den Kanal zu verschicken, ist es praktisch gänzlich vom Radar vieler Unternehmen verschwunden. Nun aber hat der Mutterkonzern Facebook eine Neuerung angekündigt: Über einen Bezahl-Button können User zukünftig Produkte und Dienstleistungen direkt in der App kaufen, ohne dass sie dabei den Messenger überhaupt verlassen müssen. „Dies kann vor allem für E-Commerce-Unternehmen interessant werden“, sagt Beilharz.

Felix Beilharz ist Social-Media-Experte und hat für Faktor A die wichtigsten Kanäle für Unternehmen zusammengestellt.
© Klaudius Dziuk

Felix Beilharz ist Experte für Onlinemarketing und Social Media und berät 22 der 100 umsatzstärksten deutschen Unternehmen.

YouTube

„YouTube ist auf jeden Fall für Unternehmen relevant“, sagt Felix Beilharz, betont aber: „Das, was dort am wenigsten funktioniert, sind Image-Filme.“ Stattdessen dürfen sich solche Firmen über Reichweite freuen, die die Zuschauer hinter die Kulissen des Unternehmens mitnehmen. Dass das branchenübergreifend – von der Spedition bis zum Schweinebauern – möglich ist, kann Beilharz belegen. „Gute Beispiele sind ‚Wir heißen Axel‘ und das ‚Bochholter Landschwein‘.“ Bei Google erscheinen die Videos ganz oben, sodass sie auch von Usern gefunden werden, die gar nicht auf YouTube danach suchen.

TikTok

TikTok ist in Bezug auf die Zielgruppe der jüngste unter den genannten Social-Media-Kanälen und spricht mit seinen witzigen Kurzvideos vor allem Jugendliche an. „Die Gefahr für Unternehmen, sich dort lächerlich zu machen, ist groß“, bewertet Beilharz. Wer diese Plattform bedienen möchte, sollte sich deshalb zuvor genau mit der kanaleigenen Sprache und den Regeln auseinandersetzen. Dann aber sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Snapchat

Nachdem Instagram die Story-Funktion von Snapchat kopiert und sich mit TikTok ein weiterer Kanal für die jüngere Zielgruppe am Markt platziert hatte, hatten viele schon um die Existenz von Snapchat gebangt. Doch die Plattform überlebte und hat bei der Zielgruppe der Unter-20-Jährigen nach wie vor Relevanz. Weil die meisten Jugendlichen sie allerdings nur als Messenger verwenden und dort selten Content konsumieren, eignet sie sich laut Felix Beilharz allenfalls für Werbung, die sich explizit an diese junge Zielgruppe richten soll.

Twitch

Twitch ist ein amerikanischer Video-Live-Streaming-Dienst, der sich anfänglich vor allem auf das Live-Streaming von Videospielen konzentrierte. Inzwischen gibt es zahlreiche weitere Kanäle und Communitys, unter anderem zu Themen wie Food, Kochen, Do it yourself, Fitness oder Musik. Zielgruppe sind 18- bis 34-Jährige mit einer hohen Online-Affinität, die täglich mehr als 90 Minuten auf dem Live-Streaming-Portal verbringen. Vier von fünf Nutzern sind männlich.
Dass sich Twitch hervorragend für Unternehmen eignet, stellte die Lebensmittelkette Kaufland im Mai 2021 unter Beweis, als sie dort Premiere feierte. Im Rahmen einer großen Live-Opening-Show, unterstützt durch Influencer, lockte die Supermarktkette während der Show mit Gewinnspielen, verloste unter anderem Rasenmäher, Spielekonsolen und Fernseher. Mit dem Ergebnis: Das Unternehmen feierte über eine Million Aufrufe, fast 80.000 Menschen sahen gleichzeitig den Stream. „Twitch ist der absolute Underdog und genau deshalb sollten sich Unternehmen dringend überlegen, ob und wie sie die Plattform für sich nutzen können – Kaufland hat es vorgemacht“, sagt Beilharz.

Clubhouse

„Wer sich fragt, ob Clubhouse wirklich relevant ist, sollte einfach mal einen Blick in die Google Trends werfen“, sagt Felix Beilharz. Dort ist zu sehen: Nach einem anfänglichen Hype ist das Interesse an der Plattform schnell wieder abgeflacht. Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, dass die App inzwischen für Android-Geräte freigeschaltet ist. Beilharz’ Prophezeiung: „Wenn die Plattform in den kommenden Wochen nicht wieder Fahrt aufnimmt, wird sie vermutlich wieder verschwinden und hat für Unternehmen keine Bedeutung.“

XING und LinkedIn

Beide Plattformen sind aus der Berufswelt nicht wegzudenken, dementsprechend sollten Unternehmen sie natürlich nutzen, meint Beilharz. Den Unterschied zwischen Xing und LinkedIn beschreibt er so: „LinkedIn ist der große coole Bruder, der schon mal im Ausland war. Xing ist wenig innovativ.“ Da sich Letzterer aber deutlich in der DACH-Region positioniert, hat er dennoch seine Relevanz, vor allem um die eigene Arbeitgebermarke zu vermarkten und neue Mitarbeiter zu gewinnen. LinkedIn wiederum punktet mit der kostenfreien Unternehmensseite.

Jodel

Haben wir noch einen Kanal vergessen? „Ganz klar, Jodel“, sagt Felix Beilharz. Die Plattform zeigt in Echtzeit, was gerade in der Nachbarschaft los ist. Mit ca. zwei Millionen Nutzern in Deutschland, die meisten davon Studierende zwischen 18 und 26, lohnt sie sich für lokale Kleinunternehmen, die sich über Werbeanzeigen als attraktiver Arbeitgeber positionieren möchten. „Weil sie bisher von sehr wenigen Unternehmen dafür genutzt wird, macht es sie umso interessanter“, meint Beilharz.

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Hinweis: Die Auswahl und Bewertung der hier vorgestellten Netzwerke erfolgte nach rein redaktionellen Kriterien und stellt keine Empfehlung der Bundesagentur für Arbeit dar.

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Birte Schmidt

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