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Firmen trotzen der Krise

Firmen trotzen der Krise

„Wir haben es geschafft, Kurzarbeit zu vermeiden“

Services der Bundesagentur für Arbeit
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Die Auswirkungen des Lockdowns haben die deutsche Wirtschaft fest im Griff. Nur mit Ideenreichtum können Firmen die Corona-Krise überstehen. Faktor A zeigt in der Serie „Firmen trotzen der Krise“ Unternehmen, die sich neu erfunden haben und damit nicht nur ihre Existenz, sondern auch die anderer Betriebe sichern konnten.

Mit Kreativität Neukunden gewinnen

Die Haromac Werkzeugfabrik mit Sitz in Hückeswagen in NRW hat sich auf die Produktion von Maurerwerkzeug spezialisiert. Der Familienbetrieb beschäftigt 33 Mitarbeiter. Prokurist Michael Molitor hatte die Idee zu „Schubsi“, einem hygienischen Einkaufswagengriff.

Michael Molitor
© PR

Michael Molitor hatte die Idee zu „Schubsi“, einem hygienischen Griff für Einkaufswagen.

„Alles begann mit einem Einkauf in einem kleinen Supermarkt bei uns in der Stadt. Desinfektionsmittel und Handschuhe hatte ich nicht dabei, aber ich brauchte einen Einkaufswagen. Also zog ich die Ärmel meines Hemds über die Hände und bugsierte den Wagen umständlich durch die Gänge zu meinem Wagen auf dem Parkplatz. Das Erlebnis ließ mich nicht los. Es machte Klick bei mir, als ich im Fernsehen sah, dass die Automobilbranche Beatmungsgeräte herstellen will. Ich dachte mir: Wir produzieren Maurerkellen – die könnte man zu einem Virus-Schutz am Einkaufswagen umbauen!

Die Serie: Firmen trotzen der Krise

Hinfallen, aufstehen, weitermachen: Das lernen wir von klein auf. Für unsere Serie haben wir Menschen getroffen, die sich in der schweren Zeit des Lockdowns aufgerappelt haben, und ihr Unternehmen ganz neu aufgestellt haben. Dabei haben sie oft nicht nur sich, sondern auch anderen auf dem Weg geholfen. Hier lesen Sie ihre Geschichten:

Der erste Teil: Krise? Nicht mit mir!

 

Gemeinsam mit Firmeninhaber Oliver Lück und seiner Tochter Adina, die auch unser E-Commerce verantwortet, haben wir nach drei Tagen ,Schubsi‘ entwickelt: Am Holzgriff einer Maurerkelle wurde eine Plastikrohrschelle aufgesetzt, die ganz einfach mit einem Klick am Einkaufswagengriff befestigt wird. So lässt sich der direkte Kontakt vermeiden. Auch die Griffe am Kühl- oder Gefrierschrank im Supermarkt müssen nicht mehr angefasst werden: Das Tool lässt sich im Nu an- und abnehmen.

Wir sichern auch unseren Zulieferern die Existenz

Das Einkaufshelferlein entwickelte sich innerhalb weniger Tage zum Verkaufshit in einem Supermarkt und in den Baumärkten. Wir haben mit unserer Idee sogar Neukunden gewonnen, die uns als Lieferant für Bauwerkzeuge bisher nicht auf dem Schirm hatten. Jetzt stellen wir täglich rund 3.000 Sets in drei unterschiedlichen Größen her. Damit haben wir es geschafft, im Betrieb Kurzarbeit zu vermeiden. Was uns besonders stolz macht: Wir sichern auch unseren Zulieferern die Existenz. Aktuell profitieren vier Unternehmen von ,Schubsi‘, da wir die Produktion teilweise auslagern mussten, um die Herstellung der Maurerwerkzeuge, unser Kerngeschäft, aufrechtzuerhalten.

„Schubsi“ im Einsatz
© PR

,Schubsi‘ haben wir jetzt schützen lassen. Die richtige Idee zur richtigen Zeit – es ging uns in erster Linie darum, in der Krise einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Über den Erfolg sind wir natürlich mehr als glücklich. Jetzt brüten wir darüber, wie die nächste Generation aussieht, damit große Rollbehälter für Lebensmittel sicher und virenfrei bewegt werden können.“

E-Commerce auf die Schnelle!

Dustin Fontaine ist Inhaber des Hamburger Start-ups STERNGLAS, das seit 2016 Armbanduhren produziert. Der 30-Jährige beschäftigt 22 Mitarbeiter.

Dustin Fontaine
© PR

Dustin Fontaine, Inhaber von Sternglas

„Wir bekamen die Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren, als sich die Kauflaune im März dieses Jahres deutlich abkühlte. Dann mussten infolge des Lockdowns die Juwelierläden schließen. Damit brach für uns ein wichtiger Vertriebskanal weg – rund ein Drittel unseres Umsatzes war auf einen Schlag praktisch nicht mehr vorhanden. Ich weiß noch, wie ich mich hinsetzte und überlegte, ob ich Kurzarbeit für meine Mitarbeiter beantragen soll. Gleichzeitig dachte ich an die Juweliere, deren Existenz auf dem Spiel steht.

Da fiel mir ein, dass es einen wichtigen Verkaufsbereich gibt, den viele Juweliere immer noch recht stiefmütterlich behandeln: E-Commerce. Das war die rettende Idee! STERNGLAS bietet den Aufbau von Web-Shops für die Juwelierbranche an. Und zwar innerhalb von 48 Stunden.

Wir coachen die Kunden, wie sie strategisch am schlauesten vorgehen sollten

Vor der Unternehmensgründung hatte ich im E-Commerce viel Erfahrung gesammelt – das Fachwissen war für den Aufbau meines eigenen Online-Shops Gold wert. Dabei habe ich gemerkt, dass sich Juweliere oft vor einem digitalen Auftritt scheuen: zu kompliziert, zu viel Wartung, zu teuer. Jetzt merken sie, dass dies mit uns nicht der Fall ist. Wir arbeiten mit einem gängigen Baukastensystem, um den Shop aufzubauen, und bieten ein Rundum-sorglos-Paket an: Ein reiner Online-Shop hat keinen Erfolg, wenn er nicht über Anzeigen und Social-Media-Aktivitäten beworben wird. Wir coachen Juweliere und geben Starthilfe, wie sie strategisch am schlausten vorgehen sollten. Wir sind also auch eine kleine Marketingagentur geworden.

Das Konzept ist ein voller Erfolg. Ich muss keine Kollegen in die Kurzarbeit schicken, die Uhrenproduktion läuft weiter, und die Juweliere stehen dank des virtuellen Schaufensters finanziell auf einigermaßen stabilen Beinen. Wir haben auch Neukunden gewonnen, die unsere Uhren in ihr Sortiment aufnehmen. Besser kann es nicht laufen. Sogar aus anderen Branchen kommen mittlerweile Anfragen – ein Fleischer hat Interesse angemeldet. Ich denke, dass Unternehmen, die jetzt ihre digitalen Verkaufstresen öffnen, nach der Krise besser aufgestellt sind. Wir werden, wenn alles überstanden ist, die Web-Shops weiterhin anbieten.“

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Alexander von Tomberg
Titelfoto: © iStock/Kerkez