Auszubildende in MINT-Berufen

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Wo Azubis früh Verantwortung übernehmen

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Der Ausbildungsbetrieb F.EE gewinnt Mädchen für MINT-Berufe und bringt Absolventen mit Bestnoten hervor. Was können andere Betriebe in Zeiten von Fachkräftemangel von F.EE lernen? Ein Gespräch mit dem Ausbildungsleiter Udo Starck.

„Unsere Azubis übernehmen früh Verantwortung“

Zwei Mal hintereinander hat Deutschland Test, ein Verbraucherservice des Magazins „Focus Money“, das Neunburger Unternehmen F.EE zum besten Ausbildungsbetrieb in Deutschland gekürt. Jeder zehnte Mitarbeitende ist Azubi, jeder vierte weiblich. Anlässlich der Woche der Ausbildung erklärt der Personalleiter Udo Starck, wie das Ausbildungskonzept des bayerischen Spezialisten für Automatisierungstechnik aussieht.

Faktor A: Herr Starck, F.EE gilt als bester Ausbildungsbetrieb Deutschlands in Ihrer Branche. Viele Ihrer Azubis werden von den Kammern für hervorragende Abschlussnoten ausgezeichnet. Was ist Ihr Geheimnis?

Udo Starck: Die Firma hat seit ihren Anfängen den Anspruch, Verantwortung zu übernehmen für die nächste Generation in Form einer hochqualitativen Ausbildung. Deshalb haben wir uns für alle Bereiche motivierte und engagierte Ausbildungsverantwortliche gesucht, die unsere Auszubildenden fit machen und begeistern. Ihre Motivation überträgt sich auf die Azubis, die von Beginn an zu den Besten gehören wollen.

Ausbildungsleiter Udo Starck
© PR

Welchen Beitrag der Azubis sehen Sie im Hinblick auf den Fachkräftemangel?

Als größter und expandierender Arbeitgeber in einer oberpfälzischen Kleinstadt tun wir alles, um zu verhindern, dass unser Wachstum durch den Fachkräftemangel getrübt wird. Das ist einer der wichtigsten Gründe, weshalb bei uns die Ausbildungsqualität höchste Priorität genießt. So versuchen wir auch bei unserer Ausbildungsquote (inklusive dual Studierender) nie unter zehn Prozent zu liegen.

Wie wirkt sich diese Haltung auf Ihr Ausbildungskonzept aus?

Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Azubis sehr früh selbst Hand anlegen und Verantwortung übernehmen dürfen. Nehmen wir als Beispiel den Maschinenbau: Nach nur wenigen Wochen in der Lehrwerkstatt geht es schon mit in die operativen Bereiche. Dann dürfen die Azubis in die Sägerei, in die Schweißerei, später geht es in die CNC-Fräserei bis hin zur Montage. Stellt sich jemand gut an, darf er oder sie – sozusagen als Bonbon – sogar mit zum Kunden, um eine Anlage aufzubauen, auch wenn diese in Ungarn oder Mexiko steht. Am Ende der Lehrzeit sind unsere Azubis so gut vorbereitet, dass sie nahtlos und ohne Praxisschock in den Beruf einsteigen können.

Sie zeichnet aus, dass Sie nahezu jeden am Ende der Ausbildung übernehmen.

Es sei denn, er hat uns dreieinhalb Jahre lang zum Wahnsinn getrieben. Im Ernst: Die quasi 100 Prozent Übernahmequote gelingt auch deshalb, weil wir sehr durchlässig sind. Fühlt sich eine Absolventin oder ein Absolvent viel wohler bei Kundeneinsätzen, so versuchen wir, sie oder ihn dort einzusetzen. Andere stellen wiederum nach drei Monaten fest, dass sie lieber im Haus als draußen beim Kunden sind. Auch darauf gehen wir ein. Unsere Ausbildungsleiter haben ein gutes Auge dafür, wo die Azubis nach der Übernahme als Facharbeiterin und Facharbeiter am besten aufgehoben sind mit ihren Stärken und Präferenzen.

Nun herrscht ja heutzutage ein harter Wettbewerb um den Nachwuchs. Wie machen Sie auf sich aufmerksam?

Das ist eine echte Aufgabe. Wir werben an Schulen, gehen auf Schulmessen, machen Veranstaltungen im eigenen Haus. Außerdem haben wir eine Reihe von Videos von unseren Ausbildungsberufen ins Netz gestellt. Das Problem ist ja, dass die Jugendlichen häufig nur die Berufe ihrer Eltern kennen. Darum setzen wir ganz auf Transparenz und machen unsere Werkstore im Rahmen unserer sogenannten Aktionstage Ausbildung einmal im Jahr weit auf. Schüler können dann eine Woche lang Führungen durch unsere Produktion machen, Mitarbeitenden dabei Fragen stellen und in einem Info-Truck voller modernster Technik typische Aufgaben aus dem Spektrum der Elektronik und Metallbearbeitung kennenlernen.

Der Betrieb

F.EE Automatisierungstechnik

F.EE beschäftigt rund 1.100 Mitarbeitende an zwölf Standorten und bildet jährlich durchschnittlich 35 neue Azubis aus. Die Erfolgsquote liegt bei nahezu 100 Prozent. Außerdem betreut das Unternehmen jährlich 75 bis 100 Praktika. Das Unternehmen wurde sowohl 2018 als auch 2019 von Deutschland Test als „Bester Ausbildungsbetrieb“ ausgezeichnet. Bei der Bewertung werden der Ausbildungserfolg mit 60 Prozent und die Entlohnung mit zehn Prozent gewichtet. Weitere Aspekte sind beispielsweise Zusatzleistungen für Auszubildende oder Übernahmequoten.

Sie haben einen bemerkenswert hohen Frauenanteil. Jeder vierte Mitarbeitende ist weiblich.

Bei jungen Frauen legen wir uns besonders ins Zeug, denn gerade bei dieser Zielgruppe geht immer noch die Angst um, einem technischen Beruf nicht gewachsen zu sein. Daher bieten wir Mädchen zum Abbau von Schwellenängsten ein einwöchiges Technik-Camp an. Wir sind auch Bildungspartner bei der Girls’ Day Academy und laden die Teilnehmerinnen zu Führungen durch unser Werk ein. Auf diese Weise bahnen sich Praktika an, die nicht selten in eine Ausbildung münden.

Wie empfangen Sie die neuen Azubis?

Wir haben uns viel Gedanken zum Onboarding gemacht. Bei uns ist es Tradition, die Azubis und ihre Eltern am ersten Tag umfassend zu begrüßen. Auch die Eltern erhalten Führungen durch das gesamte Werk, damit diese eine Vorstellung davon bekommen, in welcher Welt sich ihr Kind künftig bewegt. Am Nachmittag fahren wir dann in ein Automobilwerk eines unserer Kunden, damit die Azubis von Beginn an sehen, für wen wir uns reinhängen und welchen Beitrag wir mit unseren Automatisierungslösungen leisten.

Und Sie können die Azubis auch nach der Ausbildung halten?

Die Gründerfamilie hat immer großen Wert auf zufriedene Mitarbeitende gelegt. Das spiegelt sich wider bei den finanziellen Anreizen, die für einen Mittelständler in unserer Region eher vielfältig sind. Dazu haben wir eine Premiumkantine, in der täglich frisch gekocht wird, und wir machen tolle Betriebsfeste. Speziell für die Azubis haben wir eine Reihe von externen Trainings und Seminaren eingerichtet. Dazu gehören ein „Business Knigge“, ein Konflikttraining, ein Teamtraining im Niederseilgarten und ein Kurs „Lernen lernen“ als Vorbereitung auf die Abschlussprüfung. Auch bieten wir Gesundheitstage an, wo die Azubis etwa lernen, nach Auszug aus dem Elternhaus gut und gesund zu kochen oder den Rücken fit zu machen für die Büroarbeit.

Ist der Standort der Firma in einer Kleinstadt wie Neunburg nicht hinderlich?

Wer aus der Region Oberpfalz stammt, ist mit der Heimat stark verwurzelt. Die meisten jungen Menschen wollen lieber hier eine gute Arbeit finden, als aus beruflichen Gründen in eine andere Gegend zu ziehen. Deshalb befindet sich unsere Zielgruppe in einem Umkreis von rund 25 Kilometern. Wir haben einige Azubis, deren Eltern auch für F.EE arbeiten.

Azubi Lilian Beier
© PR

Das sagt die Auszubildende

„Man traut mir alles genauso zu wie meinen männlichen Kollegen“

Lilian Beier, 18 Jahre, angehende Elektronikerin für Automatisierungstechnik

„Ich kenne F.EE von klein auf, weil mein Vater seit 25 Jahren für das Unternehmen arbeitet. Er ist Elektroingenieur und hat mich schon als Kind immer wieder mal mit in seine Werkstatt genommen. Weil ich Technik schon immer spannend fand, habe ich eine Realschule mit einem technischen Zweig besucht. In der neunten Klasse habe ich dann Praktika in verschiedenen Unternehmen in der Umgebung absolviert, auch bei F.EE. Dort durften wir – ein Team aus vier Praktikanten – in der Lehrwerkstatt einen Schaltschrank zusammenbauen und auch programmieren. Mir hat die Teamarbeit Spaß gemacht, und mir hat vor allem gefallen, dass wir sofort und selbstständig etwas mit den Händen machen durften.

Ich bin nun im dritten Lehrjahr und habe viele Eindrücke sammeln können. Als Azubi bei F.EE darf man alle Bereiche kennenlernen, überall mitarbeiten und auch mal mit auf die Baustelle rausfahren. Auf diese Weise kann ich am Ende meiner Ausbildung gut einschätzen, welcher Bereich mir am meisten liegt und zusagt. Das kann im Planungsbüro sein, bei den Programmierern, in der Montage oder in der Schaltschrankfertigung. Die Freiheit, am Ende mitbestimmen zu dürfen, schätze ich sehr.

Dass ich als Frau in der Minderheit bin, bekomme ich überhaupt nicht zu spüren. Man traut mir alles genauso zu wie meinen männlichen Kollegen, ich werde auch nie mit Samthandschuhen angepackt.“

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Akiko Lachenmann
Titelfoto: © iStock/serts

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