Viele Quereinsteiger können dank MYSKILLS Fachkräfte werden

Kompetenztest MYSKILLS

Das Potenzial der Ungelernten

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A
Zum Lesen scrollen

Der digitale Test MYSKILLS soll zeigen, welche im Beruf geforderten Kompetenzen jemand ohne formalen Abschluss besitzt. Udo Weinert, Geschäftsführer und Inhaber der schwäbischen BTD Behälter- und Speichertechnik Dettenhausen GmbH, hat durch MYSKILLS fünf neue Arbeitskräfte gewonnen. Auch ohne absolvierte Ausbildung machen sie einen guten Job.

Udo Weinert, Geschäftsführer BTD
© Privat

Udo Weinert

„Unseren Betrieb kann man als Traditionsunternehmen bezeichnen: Seit über 65 Jahren stellen wir Behälter- und Pufferspeicher her. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen, das gute Löhne zahlt, aber dennoch haben wir immer mehr Schwierigkeiten, Nachwuchskräfte zu gewinnen. Auf herkömmliche Stellenausschreibungen hat irgendwann kein Arbeitsuchender mehr so richtig reagiert. Das liegt unter anderem daran, dass große, weltweit agierende Unternehmen der Automobilindustrie im Großraum Stuttgart ansässig und für junge Fachkräfte immer noch sehr attraktiv sind. Die Automobilindustrie, überspitzt gesagt, saugt uns gut ausgebildete Arbeitskräfte weg. Über die Bundesagentur für Arbeit und die Bertelsmann Stiftung wurde ich auf die Initiative MYSKILLS aufmerksam, weil wir letztendlich ungewöhnliche Konzepte zur Mitarbeitergewinnung brauchen.

Fünf neue Mitarbeiter über MYSKILLS

Im Sommer vergangenen Jahres hat der für uns zuständige Sachbearbeiter der Agentur für Arbeit uns einen Ali Begdali empfohlen. Er hatte ihn über den MYSKILLS-Test gefunden und an uns vermittelt. Er ist Iraker und hat in seinem Heimatland als Schweißer gearbeitet. Allerdings ist sein Beruf in Deutschland nicht anerkannt, es fehlt ihm der amtliche Ausbildungsschein. Mir war das egal, ich wollte sehen, ob Herr Begdali die „Basics“ des Berufs beherrscht. An ein paar Handgriffen erkennt man, ob die Bewerber die richtige Erfahrung mitbringen. Alle ihm gestellten Aufgaben erfüllte er dann mit Bravour. Jetzt gehört er zum Team. Ich denke, dass über so einen Quereinstieg die Menschen mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen. Zusätzlich können sie bei uns ihre beruflichen Qualifikationen verbessern, weil sie je nach Praxiserfahrung immer mehr Verantwortung bei uns bekommen.

Mittlerweile haben wir über MYSKILLS fünf Mitarbeiter aus unterschiedlichen Nationen rekrutiert, die schon vorher in Metall verarbeitenden Betrieben tätig waren. Ich bin sehr zufrieden mit ihnen: Sie sind pünktlich, fleißig, wissbegierig. Es ist schön zu sehen, wie stolz sie auf ihre Arbeit sind. Ohne den Kompetenztest hätten wir diese wertvollen Arbeitskräfte vermutlich nie zu Gesicht bekommen. Die Testergebnisse mussten wir bisher nicht einsehen, das übernehmen die Fachleute der Agentur für Arbeit. “

Kurz & bündig

So funktioniert MYSKILLS

In einem etwa vier bis fünf Stunden (inkl. Pausen) dauernden, computergestützten Test sehen die Teilnehmer Fotos und Videos typischer Situationen aus dem Berufsalltag. Dazu müssen sie 120 fachspezifische Fragen beantworten, die sehr praxisorientiert sind. Der Test wird nach vorheriger Terminvereinbarung in Räumen des Berufspsychologischen Services der Arbeitsagentur durchgeführt. Er kann auf Deutsch, Englisch, Arabisch, Russisch, Türkisch und Farsi absolviert werden und wird für 30 Berufe, vom Altenpflegehelfer bis zum Klempner, angeboten. Je nach Ergebnis können die Vermittler der Arbeitsagenturen den Testteilnehmern adäquate Weiterbildungsangebote oder passende Stellen vorschlagen. Die Arbeitssuchenden können das Testergebnis auch für eigene Bewerbungen nutzen.

 

Berufstest MYSKILLS für Ungelernte und Geflüchtete - Ausgezeichnete Orte 2019

Mehr über MYSKILLS

„Arbeitgeber profitieren von den Ungelernten“

Michael van der Cammen ist Bereichsleiter Flüchtlinge und Migration bei der Bundesagentur für Arbeit und erklärt, wie gezielt die Initiative MYSKILLS dabei helfen kann, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Michael van der Cammen, Myskills
© Privat

Michael van der Cammen

Faktor A: Warum wurde eine Initiative wie MYSKILLS ins Leben gerufen?

Michael van der Cammen: Weil wir der Wirtschaft mehr Kundinnen und Kunden mit fachlichem Potenzial anbieten können, als im ersten Moment ersichtlich. MYSKILLS-Ergebnisse liefern auch eine bessere Basis für eine Weiterbildung. Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen profitieren von den sogenannten Ungelernten. Diese Menschen verfügen über langjährige Berufserfahrung, können aber keinen Ausbildungsabschluss vorweisen.

Wie finden Unternehmer heraus, welches Potenzial in diesen Arbeitskräften steckt?

Sie können es recht detailliert über MYSKILLS erfahren. Das ist ein computergestützter, videobasierter Test, der von Jobcentern und Arbeitsagenturen angeboten wird. Er zeigt, welche beruflichen Handlungskompetenzen sich ein Arbeitnehmer am Arbeitsplatz angeeignet hat – obwohl er über keinen formalen oder in Deutschland anerkannten Berufsabschluss verfügt. Das kann ein Flüchtling aus Syrien sein, aber auch ein Deutscher, der heute nicht mehr in seinem ursprünglichen Ausbildungsberuf arbeitet.

Wie nutzen Bewerber MYSKILLS?

Nachdem sie einen Test absolviert haben, erhalten sie ein schriftliches Ergebnis, das es den Vermittlern in den Arbeitsagenturen und Jobcentern leichter macht, die passende Stelle zu finden oder eine passende Qualifizierung vorzuschlagen. Natürlich kann eine Bewerberin oder ein Bewerber diesen schriftlichen Nachweis auch weiterhin für seine Bewerbungsunterlagen nutzen.

Wie nutzen Bewerber mit wenig Deutschkenntnissen den Test?

Sie können ihn in ihrer Muttersprache beantworten. Der Test ist zudem derzeit in sechs Sprachen verfügbar – Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi, Russisch und Türkisch, weitere sechs Sprachen folgen (Bulgarisch, Französisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch und Spanisch) – und dauert ungefähr vier Stunden. Die Teilnehmer beantworten etwa 120 Fragen zu konkreten beruflichen Handlungssituationen. Es gibt den Test für 30 Berufe, und wichtiger noch: Jeder Beruf gliedert sich in vier bis sieben betriebliche Einsatzfelder. So kann die Berufserfahrung eines Menschen verwendet werden, auch wenn er nicht das komplette Berufsbild gelernt hat.

Abstimmung

Wie wichtig ist für Sie ein formaler Abschluss?

Geschäftsführer Udo Weinert hat gute Erfahrungen mit ungelernten aber kompetenten Mitarbeitern gemacht. Käme dieser Weg auch für die Personalsuche in Ihrem Betrieb in Frage oder bestehen Sie auf dem formalen Abschluss?

n%
n%
n%
Abstimmung

Wie wichtig ist für Sie ein formaler Abschluss?

Geschäftsführer Udo Weinert hat gute Erfahrungen mit ungelernten aber kompetenten Mitarbeitern gemacht. Käme dieser Weg auch für die Personalsuche in Ihrem Betrieb in Frage oder bestehen Sie auf dem formalen Abschluss?

0
Wir finden genug Fachkräfte, die eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen, weshalb wir keine Ungelernten einstellen.
0
Bisher haben wir keine Ungelernten eingestellt, aber wir können uns das für die Zukunft durchaus vorstellen, gerade durch Initiativen wie MYSKILLS.
0
Wir halten es für eine gute Strategie, Ungelernte einzustellen um dem Fachkräftemangel zu begegnen und achten schon jetzt bei Bewerbern mehr auf die Fähigkeiten als auf Zeugnisse.

58 Teilnehmer
Ihre Meinung: Jetzt kommentieren! 3
Kommentare

Ist es nicht etwas verwirrend, wenn man einerseits von Hochqualifizierten spricht, auch wenn diese keinen Abschluss haben, gleichzeitig aber
von "Ungelernten"?

Hochqualifizierte sind die "Fachkräfte" die qualifiziert in dessen Heimatland sind, jedoch nur, wenn es um die Kompetenzen des Handwerks geht, wenig bis keine Theorie und ohne typisch deutscherweise benötigten Nachweis/ Gesellenbrief.
Leider bezeichnet man in Deutschland "Ungelernte", als diese, die wie oben beschrieben, keinen Nachweis haben.
Schade eigentlich, wir haben sehr viel mehr Potenzial, welches wir kostbar nicht aufgreifen wollen, weil das deutsche System seinen egoistischen Engstirnigen Ansatz von Qualität haben muss.

Nutzt bitte alle die Potenziale aller Personen und gibt allen eine Chance, nicht nur diese die sich als privilegiert behaupten, nur weil man einen "Schein" hat.
Danke

Hallo,
sehr guter Beitrag, es sollte nur öfter angewendet werden. Ich habe leider noch nichts von dem Test gehört.

Bitte achtet auch hierbei darauf, dass wir eine Genderrichtlinie haben und in dem Beitrag leider nicht darauf geachtet wird!
siehe "Teilnehmer"
"Bewerber"
bitte auch die weibliche Form benutzen!!

Teilen Sie Ihre Meinung zum Thema und Erfahrungen aus Ihrem Unternehmen mit anderen Nutzern! Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.


Nadine Osterhus
Titelfoto: © Skynesher/iStock

Mehr zu diesem Thema