Die E-Sport-Werksliga

Digitalaffine Talente spielend rekrutieren

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Die E-Sport-Branche ist in den vergangenen Jahren allen Krisen zum Trotz enorm gewachsen. Das schlägt sich auch in der Stellung nieder, die das Thema beim Marketing einnimmt: Die Sparkasse und Müllermilch fungieren als Sponsoren, Dr. Oetker veranstaltet Turniere, gleich mehrere deutsche Agenturen spezialisieren sich inzwischen auf Werbung im E-Sport-Umfeld. Nun entdecken immer mehr Unternehmen das Potenzial, das die Branche für Recruiting und Employer Branding bereithält.

Darauf setzt auch die Agentur Fusion Campus, die gemeinsam mit einer der größten deutschen Gaming- und E-Sport-Produktionsfirmen, TaKeTV, die Werksliga auf die Beine gestellt hat, die speziell für diese Zwecke ausgerichtet ist. Wieso der War of Talents bald beim Online-Game „League of Legends“ ausgetragen wird und welche Unternehmen von einer Werksliga-Teilnahme profitieren können, darüber spricht Faktor A mit Stefanie Waschk, Geschäftsführerin von Fusion Campus.

Faktor A: Frau Waschk, wie kam es zur Idee für die Werksliga?

Stefanie Waschk: Fusion Campus unterstützt mittelständische Unternehmen und Konzerne dabei, Gaming-Know-how vielfältig in ihrem Business einzusetzen. Die Bandbreite der Anwendungsgebiete ist dabei grundsätzlich groß: Gamification, Serious Games, Communitiy-Building – Unternehmen können heute viel von Computerspielen lernen.

Unsere Kunden sind daher auch in allen Branchen vertreten: Wir kreieren Lösungen vom Maschinenbau über den Handel bis hin zur Automobilindustrie. Dabei gibt es eine Frage, die alle Unternehmen gleichermaßen beschäftigt: Wie erreiche ich junge Talente? Unser Konzept der Werksliga, das wir zusammen mit TaKeTV entwickelt haben, setzt genau da an.

Wie kann man sich diese Werksliga vorstellen? Was für Spiele werden gespielt? Und wie integriert sich das in den Firmenalltag?

Für die Werksliga setzen wir auf leicht zugängliche Teamspiele, die im E-Sport-Bereich bekannt und beliebt sind – z. B. „League of Legends“ und „Rocket League“. Im Oktober starten wir mit ersten Fun-Turnieren, im Februar 2023 startet dann endlich die erste offizielle Werksliga-Saison der Unternehmen. Jedes Unternehmen stellt dabei mindestens drei Mitarbeitende für das eigene Team. Weitere Mitspielende können sich aus der Community heraus auf einen Platz im Team bewerben. Alle ein bis zwei Wochen spielt das Team dann ein Match, das zwischen ein und zwei Stunden dauert.

Eine Saison geht über drei Monate und findet komplett online statt. Am Ende des dritten Monats gibt es dann ein großes Vor-Ort-Finale – das erste zum Beispiel im Kölner Xperion. Das sind die einzigen Spiele, zu denen die Teilnehmenden anreisen – idealerweise zusammen mit weiteren Kolleg:innen, die das eigene Team anfeuern. Nach einem Monat Pause startet dann die nächste Saison. Insgesamt sind es drei pro Jahr.

Was für Talente lassen sich denn über E-Sports erreichen?

Die E-Sports-Hauptzielgruppe ist zwischen 16 und 35 Jahre alt, verfügt meist über ein hohes Bildungsniveau und ein eigenes Einkommen. Inzwischen sind außerdem mehr als 30 Prozent der Zielgruppe weiblich – Tendenz steigend. Das Klischee, dass im E-Sport vor allem junge Männer aus der IT-Branche aktiv sind, ist also schlicht falsch. Der Nachwuchs hat heute unabhängig von Geschlecht und Berufswunsch eine digitale Affinität. Und da diese auch abseits der IT-Abteilung relevant ist, finden Unternehmen in der Werksliga unterschiedlichste Talente aus allen Bereichen.

Wie kommen die Unternehmen bei der Werksliga konkret in Kontakt mit potenziellen Bewerber:innen?

Zum einen nutzen wir und unser Partner TaKeTV natürlich unsere Expertise und unser Netzwerk, um E-Sports-Begeisterte auf die Werksliga aufmerksam zu machen. Dafür machen wir in den entsprechenden Gaming-Communities Werbung und sorgen so dafür, dass schon zum Start der Werksliga viele Talente vor Ort sind.

In der Werksliga haben die Unternehmen sogenannte Firmenhubs, in denen sie ihr Team und sich mit einem ausführlichen Firmenprofil vorstellen. Außerdem werden hier offene Stellen ausgeschrieben, auf die sich Talente direkt bewerben können. Dabei ist es vollkommen egal, wie groß ein Unternehmen ist. Ob man 500 Mitarbeitende hat oder 5.000: Nach außen hat jedes Unternehmen in der Werksliga die gleiche Sichtbarkeit.

Sie verstehen die Werksliga demnach als einen zusätzlichen Employer-Branding-Kanal?

Absolut. Darum bewerben wir die Liga und die teilnehmenden Unternehmen auch auf diversen Social-Media-Kanälen, zu denen selbstverständlich auch TikTok und – u. a. mit einer wöchentlichen „Sportschau“ – Twitch zählen. Über die Werksliga entsteht zudem viel Material, mit dem die Unternehmen selbst in die Kommunikation gehen können. Social-Media-Recruiting ist einer der Trends im Jahr 2022, und viele Unternehmen suchen hier relevanten, authentischen Content. Wir können diesen liefern.

Das Einzigartige an der Werksliga ist aber, dass hier Employer Branding, Recruiting und Teambuilding ganz natürlich ineinander übergehen. Indem in den Mannschaften Mitarbeitende und Externe zusammenspielen, beginnt das Teambuilding zum Beispiel bereits, bevor ein Talent überhaupt offiziell angestellt ist …

… und kann dann direkt weitergehen, wenn aus den externen Playern Mitarbeitende werden.

Genau. Teambuilding ist gerade ein großes Thema bei Unternehmen. Remote Work hat das Teamleben im Unternehmen verändert. Mittlerweile fällt es vielen schwer, die Kultur am Leben zu halten, wenn der Großteil von zu Hause arbeitet. Gemeinsame Erlebnisse können – auch remote – wieder mehr zusammenführen.

In E-Sport-Games wird zusammen gekämpft und mitgefiebert, so wird ganz automatisch das Wirgefühl gestärkt. Ob als Vor-Ort-Teamevent mit Pizza und Getränken im Büro oder gemeinsam online – im Mittelpunkt steht die Gemeinschaft und der Erfolg des eigenen Teams. Besser kann ich Recruiting, Employer Branding und Teambuilding doch nicht verbinden.

Frau Waschk, vielen Dank für das Gespräch.


Viktor Szukitsch
Titelfoto: ©iStock/FG Trade

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