Neben informativen Gesprächen und Diskussionen fand auf dem Digital Career Day auch eine Jobbörse statt.

Ar­beits­markt 4.0

Di­gi­tal Ca­re­er Day in Ber­lin

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Die Digitalwirtschaft boomt und wandelt sich rasant. Die Agentur für Arbeit strengt sich an, um am Puls der Zeit zu bleiben und dem Fachkräftemangel in der IT-Branche entgegenzuwirken. Beim Digital Career Day 2018 kamen 250 Mitarbeiter der Arbeitsagenturen und Jobcenter aus Berlin und Brandenburg ins Gespräch mit Personalverantwortlichen und Arbeitssuchenden aus der Region.

Manchmal bekommt René Ebert, Geschäftsführer des Verbands der IT- und Internetwirtschaft in Berlin und Brandenburg SIBB, verzweifelte Anrufe von Arbeitgebern. „In unserer Branche suchen sie händeringend nach Fachkräften“, sagt er während der Podiumsdiskussion auf dem Digital Career Day in Berlin. „Aber ich muss den Anrufern immer sagen: Wir haben auch keine IT-Experten im Keller.“

Gut 250 Mitarbeiter der Arbeitsagenturen und Jobcenter aus Berlin und Brandenburg sind an diesem Morgen im April in einen alten Güterbahnhof an der Ringbahn im Prenzlauer Berg gekommen, um Neuigkeiten und Trends auf dem Arbeitsmarkt Digitaltechnik kennenzulernen, um Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Und um sich bei der Jobbörse gemeinsam mit knapp 200 Arbeitssuchenden an Ständen von 14 Unternehmen über die aktuellen Trends am Arbeitsmarkt zu informieren.

„Wir können nur gut beraten, wenn wir wissen, worüber wir reden“, sagt Mario Lehwald, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Berlin Süd, dessen Team den Karrieretag gemeinsam mit der Initiative „Tech in the City“ organisiert hat. „Und wir können nur wissen, worüber wir reden, wenn wir wissen, was von uns erwartet wird.“ Angesichts des großen Fachkräftebedarfs sei es verstärkt der Job der Arbeitsvermittler, Brücken zu bauen und quer zu denken.

Informelle Kenntnisse

Sibel Attili, selbstständige Personalberaterin, kann dem nur zustimmen: „Oft schauen die Personalverantwortlichen und Arbeitsvermittler noch zu schemenhaft auf die Abschlüsse der Bewerber. Dabei haben sich viele Kandidaten durch sogenanntes informelles Lernen fortentwickelt: Sie haben in ihrem Arbeitsleben Veranstaltungen organisiert, haben ein Auge für Details oder beschäftigen sich online mit bestimmten Dingen – die aber in keiner offiziellen Qualifikation auftauchen.“ Sie erzählt von einer Syrerin, die in ihrer Heimat als Musiklehrerin gearbeitet hat und in diesem Beruf in Deutschland keine Arbeit findet. „Aber die Frau hatte ein Ohr fürs Detail. Und wir haben ausprobiert, ob sie auch ein Auge fürs Detail hat; beim Programmieren etwa, wo sie ähnlich fokussiert sein musste wie als Musiklehrerin. Und es hat funktioniert.“

Armin Louden, der im Jobcenter Charlottenburg ebenfalls viel mit Flüchtlingen gearbeitet hat, kann dem nur zustimmen: „Viele Menschen aus Syrien, aus dem Iran, aber auch deutsche Arbeitssuchende können gut mit Rechnern umgehen und sprechen englisch. Dank des Refugee-Programms des DCI Digital Career Institute, das mittlerweile allen Arbeitssuchenden, unabhängig von ihrer Herkunft, offensteht, können sie in einem Praktikum mit vierwöchigem Vorbereitungskurs Programmiersprachen lernen und die Arbeit im IT-Bereich kennenlernen. Oft sind sie begeistert und beginnen in der Branche zu arbeiten.“

Als am Nachmittag die Jobbörse beginnt, herrscht reges Treiben. Es bilden sich kleine Grüppchen, die Erfahrungen austauschen und Erwartungen formulieren. Duygu Cebiroglu von „Tech in the City“ jedenfalls ist sehr zufrieden: „Wir haben Arbeitgeber, Vermittler und Arbeitssuchende zusammengebracht und bieten ihnen hier ein gutes Forum. Ich bin mir sicher, dass Unternehmen hier engagierte Mitarbeiter finden und Bewerber einen guten Job.“

Stimmen vom Digital Career Day

  • Christoph Mai, Jobcenter Charlottenburg-Wilmersdorf, Bewerberorientierte Vermittlung/Nahtstelle Arbeitgeberservice
    © Michael Kohls

    Christoph Mai
    Jobcenter Charlottenburg-Wilmersdorf, bewerberorientierte Vermittlung/Nahtstelle Arbeitgeberservice

    Wir betreuen im Jobcenter einen sehr heterogenen Kundenstamm, der von Hochschulabsolventen bis zu Langzeitarbeitslosen reicht. Viele der Menschen, mit denen ich zu tun habe, können mit Digitaltechnik nur wenig anfangen. Meine Aufgabe ist es dann, solche Hürden abzubauen und im persönlichen Kontakt Stärken und Fähigkeiten der Bewerber zu erkennen und zu identifizieren. Es ist heute allerdings so, dass auch Hilfskräfte im Lager sicher mit einem Smartphone oder Tablet umgehen können müssen, denn die gesamte Material- und Lagerwirtschaft wird mittlerweile geprägt von RFID-Chips zum automatischen Warenmanagement und computerbasierten Abläufen – nicht nur bei Amazon oder Zalando. Wir bieten hier gezielt Weiterbildungsangebote an, um den sicheren Umgang mit solchen Systemen zu schulen.

  • Katharina Zoch, Agentur für Arbeit Berlin-Mitte, Arbeitsvermittlerin für Akademische Berufe
    © Michael Kohls

    Katharina Zoch
    Agentur für Arbeit Berlin-Mitte, Arbeitsvermittlerin für akademische Berufe

    Ich betreue in der akademischen Arbeitsvermittlung die Kultur- und Geisteswissenschaftler. Fast in jedem Unternehmen werden Marketingkenntnisse im Bereich Suchmaschinen-Optimierung oder Social Media verlangt. Wir bieten hier unseren Kunden Weiterbildungsmöglichkeiten an, um eine schnellstmögliche Integration in den Arbeitsmarkt zu erreichen, sofern sie nicht bereits über diese Kenntnisse verfügen.

  • Jens Blumenthal, Flughafen-Agentur Berlin Brandenburg, Arbeitgeberservice
    © Michael Kohls

    Jens Blumenthal
    Flughafen-Agentur Berlin Brandenburg, Arbeitgeberservice

    Wir merken die Wucht der Digitalisierung ja schon bei unserer täglichen Arbeit: Seit Jahren laufen die Programme für die Betreuung von Arbeitslosen und Arbeitssuchenden computergestützt, und die Entwicklung der Programme geht rasend schnell. Ein Meilenstein war sicher die Einführung der digitalen Akte, die viele Prozesse beschleunigt und optimiert. Ich persönlich bin Quereinsteiger bei der Agentur für Arbeit und komme aus der Speditions- und Logistikbranche. Dort laufen ja mittlerweile die meisten Prozesse computergestützt ab; als Spediteur können Sie jederzeit am Bildschirm verfolgen, wo Ihre Fahrer gerade sind und wann sie vermutlich ihr Ziel erreichen. Dennoch merke ich in meiner täglichen Arbeit immer wieder, wie schwer es vielen mittelständischen Arbeitgebern fällt, während des operativen Geschäfts die Augen offen zu halten für neue Entwicklungen. Dabei ist langfristiges Denken und Investieren wichtig: Bei der derzeitigen Beschäftigungslage können es sich Arbeitgeber nicht mehr leisten, Mitarbeiter zu verlieren. Deshalb sind Betreuung und Weiterbildung – gerade auch in digitalen Themenfeldern – von immenser Bedeutung.

  • Nadja Päch, Agentur für Arbeit Strausberg, Arbeitsvermittlerin im Arbeitgeberservice
    © Michael Kohls

    Nadja Päch
    Agentur für Arbeit Strausberg, Arbeitsvermittlerin im Arbeitgeberservice

    Als Arbeitsvermittlerin betreue ich Arbeitgeber der Branche Handel in der Region Märkisch-Oderland. Der Erstkontakt zwischen einem Arbeitssuchenden und seinem potenziellen Arbeitgeber läuft heute bereits oft online. Unsere Expertise und ein sehr großer Kundenstamm helfen, dass wir unseren Kunden Bewerber präsentieren können, die in ihr Unternehmen passen. Auf dem Markt tut sich unheimlich viel, und es entstehen immer neue Berufsbilder: Ab dem 01.08.2018 gibt es deshalb zum Beispiel den Ausbildungsberuf zum/zur Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce. Auch wir als Arbeitsvermittler müssen natürlich up to date bleiben und in Gesprächen mit den Unternehmen lernen, welche Kenntnisse und Fähigkeiten von den potenziellen Mitarbeitern erwartet werden, damit wir unsere Qualifikationsangebote entsprechend anpassen oder aufbauen können. So hat die Agentur für Arbeit Frankfurt (Oder) im Jahr 2017 für alle Mitarbeiter eine ganztägige Veranstaltung mit externen und internen Referenten zum Thema 4.0 durchgeführt. Ich bin ebenfalls Lernbegleiterin für die Agentur. Das bedeutet, dass ich ganz individuell Kollegen bei der Umsetzung neuer Handlungserfordernisse begleite. Auch in diesem Zusammenhang erhoffe ich mir von dieser Veranstaltung weitere neue Impulse.

  • Jana Strube, Jobcenter Barnim, Teamleiterin Markt & Integration
    © Michael Kohls

    Jana Strube
    Jobcenter Barnim, Teamleiterin Markt & Integration

    Als Koordinatorin für die Förderung der beruflichen Weiterbildung im Jobcenter Barnim arbeite ich mit Bildungsträgern zusammen und sorge dafür, dass deren Angebote unsere Bewerber fit für den Arbeitsmarkt machen. Zugegebenermaßen hat sich die Digitalisierung noch nicht nachhaltig in der Region durchgesetzt, aber wir spüren, dass auch bei uns – in einem ländlich geprägten Jobcenter – das Thema verstärkt auf uns zukommt, und bereiten uns darauf vor. Kürzlich wurden wir von einem Bildungsträger zur Eröffnung eines Kompetenzzentrums 4.0 – Wissen für die digitale Zukunft von Unternehmen – eingeladen. Hier werden zukünftig Fortbildungen für die Arbeit an 3-D-Druckern angeboten, weil solche Fähigkeiten immer stärker nachgefragt werden. Ich denke, dass die Digitalisierung gerade vielen Quereinsteigern die Chance bietet, neue Berufe auszuprobieren und einen Neubeginn zu wagen.

  • Franziska Fett, Agentur für Arbeit Berlin Gst. Pankow, Arbeitsvermittlerin im Arbeitgeberservice
    © Michael Kohls

    Franziska Fett
    Agentur für Arbeit Berlin Gst. Pankow, Arbeitsvermittlerin im Arbeitgeberservice

    In unserem Team betreue ich Arbeitgeber aus den Bereichen Gesundheit, Pflege, Erziehung und Soziales. Mir fällt auf, dass die klassische Bewerbung auf hochwertigem Papier verstärkt nicht mehr gefragt ist. Stattdessen arbeiten Unternehmen am liebsten mit E-Mail-Anhängen oder Bewerberportalen im Internet. Generell werden Bewerbungsprozesse schneller und virtueller. Kürzlich habe ich erfahren, dass ein Arbeitgeber seine Bewerber stets per Videotelefonie kontaktiert, andere wollten ein einminütiges Kurzvideo als Bewerbung zugeschickt bekommen. Die Persönlichkeit und Motivation des Bewerbers ist heute mindestens so wichtig wie seine Qualifikation – und durch die neuen Kommunikationsformen bekommen die Firmen schneller einen Überblick, mit wem sie es zu tun haben.

  • Yassin Farhati Agentur für Arbeit Berlin-Süd, Berufsberater
    © Michael Kohls

    Yassin Farhati
    Agentur für Arbeit Berlin-Süd, Berufsberater

    Als Berufsberater habe ich mit jungen Menschen zu tun, die sprichwörtlich mit dem Smartphone aufgewachsen sind. Wir müssen bei den Jugendlichen in erster Linie Interesse wecken und helfen, Perspektiven hinsichtlich der beruflichen Zukunft einzunehmen – und es hat sich bewährt, auf Kanäle zurückzugreifen, die die Jugendlichen nutzen. So gibt es etwa über WhatsApp die Möglichkeit, mithilfe unseres What’sMeBots in die Berufsfindung hineinzuschnuppern. Neben vielen hilfreichen Apps bietet die Agentur für Arbeit auf www.berufe.tv zahlreiche Videos an, die die unterschiedlichsten Berufsbilder vorstellen. Umgekehrt stelle ich oft fest, dass viele Schüler mit dem digitalen Angebot überfordert sind: Online-Bewerbungen bedeuten häufig einen hohen Arbeitsaufwand. Reichte es früher, eine Bewerbung auszuformulieren und in immer leicht veränderter Form an Dutzende potenzielle Arbeitgeber zu verschicken, müssen heute fast überall sämtliche Daten über Eingabemasken für jeden Arbeitgeber individuell eingegeben werden. Oft geht in diesen Prozessen die Persönlichkeit des Bewerbers verloren. Deshalb plädiere ich dafür – bei allen Vorteilen, die digitale Bewerbungsverfahren bieten: Schaut euch immer auch den Menschen an und vertraut nicht ausschließlich auf Daten.

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Matthias Thiele
Titelfoto: © Michael Kohls

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