Familie und Beruf vereinbaren - die Teilzeitausbildung macht es möglich

Teil­zeit­aus­bil­dung

En­ga­gier­te Fach­kräf­te in Teil­zeit aus­bil­den

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Wie gut eine Teilzeitausbildung gelingen kann, zeigt das Beispiel eines EDEKA-Marktes in Bremerhaven. Filialleiter Torsten Cord würde diesen Azubis immer wieder eine Chance geben.

„Anfangs wusste ich nicht, ob eine Teilzeitausbildung in meinem Supermarkt überhaupt möglich ist. Meine 79 Mitarbeiter müssen schon sehr sorgfältig, konzentriert und gewissenhaft arbeiten, um das hohe Serviceniveau zu halten, das Kunden von uns erwarten. Kreativität ist wichtig, sie müssen auch eigene Ideen entwickeln können. Wie sollen sie das schaffen, wenn sie zur Berufsschule gehen, nebenbei noch ein Kind versorgen oder einen Angehörigen betreuen müssen – und das alles in der Regelausbildungszeit von zwei Jahren!

Torsten Cord
© Privat

Torsten Cord

Ich bin froh, dass ich es trotzdem ausprobiert habe. Laura Matthiesen kam zu uns als Mutter einer fünfjährigen Tochter, und sie hat sich wirklich durchgebissen. Nach einem Praktikum ermöglichte ich ihr eine Teilzeitausbildung als Verkäuferin. Das Gehalt wurde an die Stundenzahl von 25 Stunden die Woche angepasst, und es gab eine monatliche Förderung durch die Bundesagentur.

Wichtig war mir schon im Vorstellungsgespräch, dass Frau Matthiesen klar sagen konnte, wie sie sich organisiert. Sie verfügte tatsächlich über eine gute Infrastruktur: Falls ihre Tochter einmal krank werden würde, könnten ihre Eltern oder Bekannten einspringen, die im Umkreis leben. Frau Matthiesen kennt die Umgebung von Bremerhaven, sie ist hier aufgewachsen. Das war ein weiterer Pluspunkt, denn sie kennt damit auch einen großen Teil unserer Kundschaft. Das schafft Vertrauen, und wir stehen dafür, dass der Kunde sich aufgehoben fühlt. Nach zwei Jahren Ausbildung bestand Frau Matthiesen ihre Ausbildungsprüfung mit der Note zwei. Ich habe ihr dann eine Ausbildungsverlängerung von einem weiteren Jahr ermöglicht, damit sie zur Kauffrau im Einzelhandel werden kann. Nun ist sie bald auch damit fertig und wird mit absoluter Sicherheit übernommen.

Ich brauche engagierte Fachkräfte, die in unseren Markt passen. Sie müssen sich mit dem Sortiment auskennen, wissen, woher die Lebensmittel kommen, was man draus machen kann. Wie wird die Ware platziert? Wann bestelle ich sie? Kunden fragen: „Wie mach’ ich die Weihnachtsgans?“ Oder: „Was kann man aus einer Avocado zaubern?“ Meine Angestellten zeigen nicht in eine Richtung, um anzudeuten, wo etwas steht, sondern gehen mit dem Kunden dorthin. Sie erklären in ganzen Sätzen und sprechen nicht in Schlagworten. Auf all das werden die Auszubildenden vorbereitet. In speziellen Seminaren von EDEKA bekommen sie dann noch Schulungen zur Prüfungsvorbereitung.

Frau Matthiesen war während der ganzen Zeit immer sehr engagiert, wissbegierig und interessiert, sie stellte viele Fragen und hatte eine gute Auffassungsgabe. Ich erkenne schnell, ob jemand das Potenzial hat, in unserem Markt zu arbeiten. Sie wird in Zukunft erst mal im Bereich der Kasse und im Trockensortiment eingesetzt. Wenn sie sich so gut wie jetzt weiterentwickelt, wird sie vielleicht mal eine weiterführende Aufgabe übernehmen können.“

Das sagt die Auszubildende in Teilzeit

„Endlich Beruf und Familie vereinbaren“

Laura Matthiesen hat nach ihrem Realschulabschluss eine dreijährige Elternzeit eingelegt. Nur durch die Möglichkeit der Teilzeitausbildung konnte sie sich ihren Traum erfüllen, Einzelhandelskauffrau zu werden.

„Bevor ich meine Ausbildung begonnen hatte, wusste ich nicht, welche Logistik hinter so einem Einzelhandel steckt. Schon Stunden vor Ladenöffnung müssen die Abteilungen so organisiert sein, dass die neu angelieferte Ware pünktlich verkaufsbereit ist. Es braucht eine Weile, bis man sich da orientiert hat.

Laura Matthiesen
© Privat

Laura Matthiesen

In meiner Ausbildung war ich in jeder Abteilung, bisher fiel mir nichts besonders schwer. Das liegt aber vor allem daran, dass meine Familie mir den Rücken freihält, wenn meine Tochter mal krank ist. Meine Eltern holen sie dann aus der Kita ab. So habe ich auch kaum Fehlzeiten in der Schule und konnte mit einer guten Note abschließen.

Bei meiner Arbeit gefällt mir der Kontakt zu den Kunden besonders. Viele von ihnen duzen mich, weil sie mich von klein auf kennen. Oft weiß ich schon, welches Angebot sie interessieren könnte, oder ich frage einfach, wie es ihnen geht. Dadurch, dass hier Schichtbetrieb herrscht, kann ich auch mal mit einer Kollegin oder einem Kollegen den Dienst wechseln, alle gehen hier sehr rücksichtsvoll miteinander um.

Bevor ich den Ausbildungsplatz bekam, hatte ich mehrere Praktika gemacht, aus denen sich aber nicht mehr entwickelte. Ich empfinde es als große Chance, hier zu arbeiten, und freue mich auf die neue Herausforderung als fest angestellte Einzelhandelskauffrau. Jetzt habe ich wirklich etwas erreicht.“

Infos für Arbeitgeber

Teilzeitmodell

Beim Teilzeitmodell wird die wöchentliche Arbeitszeit des Auszubildenden auf bis zu 25 Stunden gekürzt, wenn ein „berechtigtes Interesse“ vorliegt. Das ist gegeben, wenn Auszubildende Kinder oder pflegebedürftige Angehörige betreuen oder vergleichbare Gründe vorliegen, und wird im kaufmännischen Bereich von der Industrie- und Handelskammer (IHK) überprüft. Die Schulstunden bleiben vollständig erhalten.

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Nadine Osterhues
Titelfoto: © Mosuno/Stocksy