Bei Fisch Klette auf Langeoog kocht jetzt ein Spanier.

Fach­kräf­te aus dem Aus­land

Krab­ben­sup­pe und Gaz­pa­cho

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A

Bei „Fisch Klette“ auf der Nordseeinsel Langeoog kocht jetzt ein Spanier. So lief die Vermittlung der Fachkraft an den neuen Arbeitgeber.

Das sagt der Arbeitgeber

„Die Atmosphäre ist jetzt irgendwie lockerer“

Sven Klette, 60, gehört „Fisch Klette“ auf Langeoog

Wir haben hier auf Langeoog ein Fischgeschäft, ein Fischrestaurant, eine Verarbeitung, eine Produktion, eine Räucherei – alles, was mit Fisch zu tun hat.

Für die Küche brauchten wir jemanden, der bereit ist zu Saisonarbeit. So jemanden zu finden, ist für die Gastronomie an der ganzen Küste ein Problem. Wir haben Anzeigen geschaltet, die Arbeitsagentur eingesetzt, Mund-zu-Mund-Propaganda betrieben, über Facebook gesucht. Wir haben sogar in einer spanischen Tageszeitung inseriert. Not macht erfinderisch. Aber den eigenen Betrieb gut darzustellen ist nicht so leicht, finde ich. Es hat sich jedenfalls niemand gemeldet.

Fisch Klette auf der Nordseeinsel Langeoog
© Fisch Klette

Das Küchenteam bei Fisch-Klette ist international.

Geklappt hat es dann über die Auslandsarbeitsvermittlung. Frau Estherr hat uns dabei geholfen, den Betrieb anders zu beschreiben. Am Ende hatten wir mehrere Bewerber aus Spanien zur Auswahl und haben uns für Oussama Saadoune entschieden. Wir haben einen Arbeitsbeginn vereinbart, dann musste er noch hierherziehen. Das Ganze hat insgesamt zwei Monate gedauert.

„Una cerveza, por favor“, ein Bier bitte – mehr kann ich nicht auf Spanisch, aber meine Tochter war ein Jahr in Chile und spricht die Sprache perfekt. Sie ist am Anfang mit Oussama Saadoune und seiner Familie über die Insel gegangen und hat ihnen alles erklärt. Im Arbeitsalltag war es manchmal hinderlich, wenn unserem neuen Koch die deutschen Fachausdrücke fehlten, aber inzwischen weiß ich, was er meint, und er weiß, was ich meine.

Dadurch, dass bei uns in der Küche und im Service Deutsche, Moldawier, Kroaten und jetzt ein Spanier zusammenarbeiten, ist die Atmosphäre irgendwie lockerer. Wir sitzen in der Frühstückspause zusammen am Tisch, und es gibt immer was zu lachen. Mit diesem internationalen Team bin ich sehr zufrieden.

Das sagt der Arbeitnehmer

„Sie haben alles getan, damit ich hier arbeiten kann“

Oussama Saadoune, 46, kommt aus Spanien und ist Koch

Ich habe vorher als zweiter Küchenchef in einem Hotel an der Costa Brava gearbeitet. Dass ich nach Deutschland wollte, lag vor allem daran, dass meine Schwester seit 20 Jahren in Bielefeld lebt. Wir kommen ursprünglich aus Marokko und wollten die Familie endlich wieder vereinen. Außerdem können meine Töchter in Deutschland später mal zur Uni gehen, in Spanien ist das zu teuer. Sie haben hier bessere Chancen.

Meine Schwester hatte mir den Tipp gegeben, mein Profil im Internet bei der deutschen Arbeitsagentur zu hinterlegen. Irgendwann rief mich Frau Estherr an und bot mir einen Saisonjob als Koch auf einer Insel in der Nordsee an. Ich habe zugegriffen.

© Fisch Klette

Die Klettes und das Küchenteam

Das war für mich zuerst eher ein Abenteuer. Ich dachte, ich probiere es einfach mal bei „Fisch Klette“ auf Langeoog. Inzwischen kann ich sagen, ich habe hier eine zweite Familie gefunden. Diesen Arbeitgeber wechsle ich nicht. Kann ich nicht. Er ist zu gut.

Wenn mir etwas fehlt, helfen mir die Klettes. Mit der Wohnung, mit dem Telefon, Möbel zu bekommen. Sie haben wirklich alles getan, damit ich hier arbeiten kann.

Ich stehe sechs Tage die Woche in der Küche und fahre nur sonntags zu meiner Frau und meinen Töchtern ans Festland. Damit sind wir zufrieden. Das Beste ist, dass mir Herr Klette so viel Freiheit lässt. „Wenn es dir nicht schmeckt, ändere es“, sagt er. Ich brate Scholle, koche Krabbensuppe, bereite Bratkartoffeln zu, Pellkartoffeln, Salzkartoffeln … aber ich koche auch spanisch: Fischspieße, Paella, im Sommer Gazpacho, eine kalte Tomatensuppe. Wenn ich mir wieder ein neues Gericht überlegt habe, schreiben sie es mit Kreide auf die Tafel vorm Geschäft: „Von unserem Koch Oussama Saadoune.“

Das sagt die Vermittlerin

„Wer alles gibt, bekommt auch alles“

Hilke Estherr, 60, Arbeitsvermittlerin im Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Celle

Sie haben mit Hilfe der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit einen spanischen Koch nach Langeoog vermittelt. Wie kam es dazu?

Hilke Estherr: „Fisch Klette“ hat bei mir angefragt, ob wir auch einen Koch aus dem Ausland vermitteln können, gern aus Spanien. Ich habe gesagt, ja, das geht, mit der ZAV. In Spanien und anderswo werben aber auch andere Länder um Arbeitnehmer in den „HoGa“-Berufen. Man muss den Fachkräften schon ein gutes Angebot machen, um sie zu locken.

© Statistisches Bundesamt 2016

Und was könnte einen spanischen Bewerber für einen Arbeitsplatz an der Nordsee begeistern?

Gute Arbeitsbedingungen und ein abwechslungsreicher Arbeitsplatz sind für Bewerber aus aller Welt ein Argument. Ich habe Herrn Klette gefragt, wie sein Restaurant beschaffen ist, und er hat erstmal typisch ostfriesisch geantwortet: „Wieso? Ganz normal.“ Dann kam aber raus, dass sie zwar nicht viel Fisch haben aber guten, und dass der bei ihnen noch im Becken schwimmt, bis er auf den Teller kommt. Da habe ich lange Ohren bekommen, ihn erzählen lassen und eine attraktive Anzeige aufgesetzt. Relativ schnell haben sich qualifizierte Bewerber aus Spanien gemeldet.

Was war denn für die spanischen Bewerber so attraktiv?

Die Klettes wollten mediterrane Küche anbieten, damit kennt sich ein spanischer Koch natürlich eher aus. Attraktiv war auch, dass Frau Klette und die Tochter Spanisch sprechen. So etwas ist super, weil dann gesichert ist, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer sofort verständigen können, auch wenn der Bewerber noch kein Deutsch gelernt hat. Dann fühlt er sich nicht alleingelassen im neuen Land, und darauf kommt es ja an, wenn die Vermittlung nachhaltig sein soll.

Ist das die größte Herausforderung, dass der neue Mitarbeiter nicht aus Heimweh schnell wieder in die Heimat zurückkehrt?

Auch deutsche Bewerber können nach kurzer Zeit wieder kündigen, wenn sie sich im Unternehmen nicht wohlfühlen. Aber der Arbeitgeber muss sich noch intensiver darum kümmern, den neuen Mitarbeiter zu integrieren. Wie kann er bei der Wohnungssuche helfen? Wo gibt es einen Sprachkurs? Was ist mit der Familie des Arbeitnehmers? Dieser Prozess endet nicht mit der Unterschrift des Arbeitsvertrags. Dafür bekommt man aber auch einen Mitarbeiter mit einer besonderen Motivation, der neue Ideen mitbringt. Auch kleine und mittlere Unternehmen können mit Hilfe der Arbeitsagentur und der ZAV noch offener werden für die Möglichkeiten, die uns die europäische Gemeinschaft bietet. Wer ein gutes Angebot machen kann, der wird auch seine passende Fachkraft finden!

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Julia Nolte
Titelfoto: © Raphye Alexius/Plainpicture