Fachkräfteeinwanderungsgesetz

So klappt die Anwerbung aus dem Ausland

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A
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Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz erleichtert die Anwerbung von Arbeitnehmern aus dem Ausland. Der Aachener Softwareentwickler QuinLogic hat kürzlich sechs neue Mitarbeiter aus Mexiko eingestellt, über ein Recruiting-Event der Bundesagentur für Arbeit. Hier berichten beide Seiten von ihren Erfahrungen.

Die Auswirkungen des Fachkräftemangels können gravierend sein. Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) bezeichnen mehr als 50 Prozent der Betriebe den Fachkräftemangel als ihr größtes Geschäftsrisiko.

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das am 1. März in Kraft tritt, will dieses Problem in Angriff nehmen. Ziel ist unter anderem, die Zuwanderung für qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten zu erleichtern. Das gilt neben Hochschulabsolventen künftig auch für Beschäftigte mit qualifizierter Berufsausbildung. Die bisherige Begrenzung auf Engpassberufe und die Vorrangprüfung entfallen, sodass vor der Einstellung nicht mehr geprüft werden muss, ob ein inländischer oder europäischer Bewerber zur Verfügung steht. Entscheidend ist, dass die Fachkraft ein konkretes Arbeitsplatzangebot hat und die geforderte Qualifikation nachweisen kann.

Eine Ausnahmeregelung gilt dabei für IT-Spezialisten, die in Zeiten der Digitalisierung besonders dringend gebraucht werden: Unter bestimmten Voraussetzungen können sie auch ohne formalen Abschluss Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten – wenn sie im Ausland schon mehrere Jahre Berufserfahrung in der Branche gesammelt haben. Konkrete Infos zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz im Überblick finden Sie auf dieser Seite der Initiative Make it in Germany.

Infografik zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz
© BMAS

Ein Unternehmen, das hier bereits Erfahrungen gesammelt hat, ist QuinLogic. Das in Aachen ansässige Unternehmen entwickelt Software-Lösungen zum Qualitätsmanagement in der Stahl-, Alu- und Papierindustrie. Im Dezember hat es gemeinsam mit zwei weiteren Unternehmen aus Deutschland an einem Recruiting-Event für IT-Fachkräfte in Mexiko teilgenommen – organisiert durch die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit.

Helga Evers, Prokuristin von QuinLogic, erzählt im Interview, worin für sie die Schwierigkeit liegt, Fachkräfte anzuwerben, und wie es ihr in Mexiko gelungen ist.

Faktor A: Frau Evers, warum ist es für Sie eine Herausforderung, Fachkräfte auf dem heimischen Arbeitsmarkt zu finden?

Helga Evers: Wir sind ein kleines Unternehmen, das zwar inzwischen zu dem großen Konzern SMS Group gehört, aber dennoch unter Bewerbern wenig bekannt ist. Dazu kommt, dass das, was wir machen, für Bewerber nicht greifbar ist, vielleicht sogar langweilig klingt. Wer eine Vielzahl von Stellen zur Auswahl hat, entscheidet sich dann doch häufig lieber für ein größeres Unternehmen, in dem er vermeintlich mehr Möglichkeiten hat und sich eine steilere Karriere erhofft.

Was uns auszeichnet, ist, dass wir ein wirklich tolles Team und auch ein tolles Produkt haben. Wer erst einmal bei uns arbeitet, weiß das zu schätzen. Nur der Erstkontakt mit Bewerbern ist für uns eben schwierig. Das führt leider dazu, dass wir normalerweise nur wenige Bewerbungen von qualifizierten Fachkräften bekommen.

Wie kam es dann, dass Sie an dem Recruiting-Event der Bundesagentur für Arbeit in Mexiko teilgenommen haben?

Wir haben schon lange einen guten Draht zur Arbeitsagentur, und meine lokale Betreuerin hat mich gefragt, ob wir nicht an der Recruiting-Aktion in Mexiko teilnehmen möchten. Da haben wir sofort zugesagt. Die ZAV war unglaublich engagiert und hat uns den Großteil der Organisation abgenommen, wir haben uns nur um unsere Anreise und unsere Unternehmenspräsentation gekümmert. Das Event selbst hatte dann einen Messecharakter, die drei mitgereisten Unternehmen haben sich zunächst vorgestellt, dann hatte jedes Unternehmen einen Messestand, an dem wir mit den Bewerbern in Kontakt kamen und anschließend die Auswahlgespräche geführt haben.

Helga Evers, Prokuristin bei QuinLogic
© QuinLogic

Helga Evers

Sie haben sechs Mitarbeiter eingestellt. Worauf führen Sie den Erfolg zurück?

Genau, eigentlich waren es sogar sieben, denn ein Mitarbeiter hat seine Frau nach Deutschland mitgebracht, und die arbeitet nun auch bei uns. Wir haben in Mexiko 21 Gespräche geführt, allein das ist für uns schon ein sehr großer Erfolg. Die ZAV hat für uns eine sehr gute Vorauswahl getroffen, die Bewerber waren keine Studienabgänger, sondern Alumnis mit Berufserfahrung und sehr gut ausgebildete Fachkräfte.

Wie haben sich die Fachkräfte in der Praxis bewährt?

Für uns sind die Mexikaner schon jetzt eine riesige Bereicherung, sie sind alle clever, gut ausgebildet und nett. Sie schätzen es, dass wir sie in ein schwieriges Thema einarbeiten und dass sie so nah an dem Produkt dran sind.

Wie sieht das konkret im Arbeitsalltag aus?

Ja, wir haben beispielsweise eine Software entwickelt, die es erlaubt, Regeln zu machen, in welcher Bandbreite sich Messdaten befinden dürfen. Die Mexikaner hatten dazu ein Training, und einer hat sofort gesagt, dass man diese Regeln viel logischer aufbauen könnte. Zu diesem Zeitpunkt waren wir uns sicher, dass er den Prozess noch gar nicht verstanden haben konnte. Dann gab es kürzlich ein Problem, und er sollte dieses nur recherchieren und beschreiben. Er hat es dann aber direkt gelöst, das ist wirklich kaum zu glauben.

Und wie klappt die Arbeit im Team?

Sehr gut. Wir sind auch vorher schon international aufgestellt gewesen, mit einem Mitarbeiter aus Pakistan, einem aus Indien, aus der Ukraine, aus Belgien … Und die Mexikaner unterstützen sich auch gegenseitig. Einer, der schon ein Semester in Deutschland studiert hat und sehr gut Deutsch spricht, hilft den anderen, wo er nur kann. Er hat aufgeschrieben, wie man mit dem Bus hierherkommt, wo man mexikanisch einkaufen kann und vieles mehr. Dazu haben wir ihn nicht aufgefordert, das hat er von sich aus angeboten.

Welchen Unternehmen würden Sie das Programm weiterempfehlen?

Allen kleineren Unternehmen auf jeden Fall. Denn alle, denen ich davon erzähle, wollen da auch mitmachen. Ein positiver Nebeneffekt war für uns übrigens, dass die mediale Aufmerksamkeit dafür gesorgt hat, dass wir in letzter Zeit auch mehr Bewerbungen aus der Region bekommen haben.

Das sagt der Vermittler

„In der IT-Branche suchen wir verstärkt in Nicht-EU-Ländern“

Markus Leye hat als Arbeitsvermittler beim Internationalen Personalservice Nordrhein-Westfalen der ZAV das Recruiting-Event in Mexiko maßgeblich mitorganisiert.

Markus Leye von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Arbeitsagentur
© ZAV/BA

Markus Leye

Faktor A: Herr Leye, wie funktioniert die Suche nach potenziellen Mitarbeitern im Ausland normalerweise?

Markus Leye: Der Arbeitgeber-Service ist der erste Ansprechpartner für die Unternehmen vor Ort. Dort kann ein Unternehmen signalisieren, wenn es auch an Bewerberinnen und Bewerbern aus dem Ausland interessiert ist. Der Arbeitgeber-Service stellt dann den Kontakt zu uns her. Vor allem in unseren Fokusbranchen IT und Engineering, Bau und Handwerk, Spedition und Logistik, Gesundheit, Hotel und Gastronomie betreuen wir Bewerberinnen und Bewerber, die wir dem Arbeitgeber dann vorschlagen. Oder wir schauen, ob es möglich ist, konkrete Stellen für den Arbeitgeber im Ausland auszuschreiben. Weil es zum Beispiel im Bereich IT und Engineering sehr herausfordernd ist, innerhalb der EU Fachkräfte zu finden, weiten wir unsere Suche in diesen Branchen verstärkt auf Drittstaaten aus.

Müssen die Bewerber Deutsch können?

Das hängt ganz stark von der Branche und dem Beruf ab. Bei Softwareentwicklern reichen oft erst einmal gute Englischkenntnisse. Ein Ingenieur muss meistens fließend Deutsch sprechen.

War das Event in Mexiko auch für Sie ein Erfolg?

Auf jeden Fall! Nicht nur die drei Arbeitgeber, mit denen wir nach Mexiko geflogen sind, haben dort Bewerbungsgespräche geführt, auch wir als Bundesagentur für Arbeit sind mit einer Vielzahl an Bewerbungen zurückgekehrt, die wir nun an interessierte Arbeitgeber weiterleiten können. Darüber hinaus hat die Veranstaltung sehr viel Medienaufmerksamkeit in Mexiko bekommen. Sogar das „Forbes“- Magazin Mexiko und mexikanische Fernsehsender haben darüber berichtet.

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Birte Schmidt
Titelfoto: © PanyaStudio/Shutterstock