Helfende Hand beim Überwinden von Hindernissen – das können Arbeitgeber für Langzeitarbeitslose sein.

Lang­zeit­ar­beits­lo­se

Mehr Hil­fe, mehr För­der­gel­der

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Seit Januar 2019 ist es noch leichter, Langzeitarbeitslose in den eigenen Betrieb zu integrieren: Das Teilhabechancengesetz fördert Arbeitgeber mit hohen Zuschüssen und Coachingmaßnahmen. So funktioniert es.

Was ist das Teilhabechancengesetz?

Es umfasst zwei neue Förderinstrumente, die es Arbeitgebern erheblich erleichtern, langzeitarbeitslose Menschen in ihre Unternehmen zu integrieren. Wünschenswert wäre eine langfristige Beschäftigung, dennoch sind Unternehmer nicht dazu verpflichtet, die Mitarbeiter nach Ende der Förderung weiterzubeschäftigen.

Wer wird gefördert?

Frauen und Männer, die mindestens zwei Jahre arbeitslos sind.

Was ist das Ziel?

Mit der Förderung sollen Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt integriert werden. Das erste Förderinstrument (§16e SGB II) soll länger andauernde Arbeitslosigkeit verhindern. Das zweite (§ 16i SGB II) fördert Menschen, die in den letzten sieben Jahren mindestens sechs Jahre Hartz IV bezogen haben. Schwerbehinderte und Menschen, die mit einem Kind zusammenleben, können schon nach fünf Jahren Leistungsbezug gefördert werden.

Welche Leistung erhalten Arbeitgeber?

Im ersten Jahr bekommen sie für Arbeitnehmer, die in das erste Förderinstrument fallen, einen Zuschuss in Höhe von 75 Prozent, im zweiten Jahr 50 Prozent des Arbeitsentgelts. Das zweite Instrument ist für sehr arbeitsmarktferne Personen gedacht. Arbeitgeber erhalten für sie in den ersten beiden Jahren einen Zuschuss von 100 Prozent. In den drei folgenden Jahren wird er um jeweils zehn Prozent reduziert.

Gibt es weitere Leistungen?

In beiden Programmen wird ein pauschaler Beitrag zu den Sozialversicherungsbeiträgen gezahlt. Auch eine begleitende Betreuung und bis zu 3000 Euro Zuschuss für Weiterbildungsmaßnahmen gehören zu den Förderungen.

Wie beantrage ich die Förderung?

Interessierte Arbeitgeber können sich an die Jobcenter ihrer Städteregion wenden. Das Jobcenter in Aachen beispielsweise stellt alle relevanten Informationen auf folgender Seite zur Verfügung: www.jobcenter-staedteregion-aachen.de

Aus der Praxis

„Druck bringt hier überhaupt nichts“

Uwe Delzepich, 54, Inhaber des Familienbetriebes Köppen Tortechnik in Würselen, beschäftigt drei Langzeitarbeitslose. Das war ihm nur durch das Teilhabechancengesetz möglich.

„Wir profitieren vom Teilhabechancengesetz, weil es uns ermöglicht, Menschen einzuarbeiten, die mehr Zeit brauchen, um im Berufsleben anzukommen. Langzeitarbeitslosen gibt man kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt, dabei haben beide Seiten etwas davon, in sie zu investieren.

 

Uwe Delzepich, Inhaber Köppen Tortechnik
© Köppen Tortechnik

„Es braucht einen Moment, bis sie angekommen sind, aber dann sind sie sehr motiviert“, sagt Uwe Delzepich.

Wir beschäftigen mittlerweile drei Langzeitarbeitslose in unserem Metallbaubetrieb, sie bearbeiten Aufträge, sorgen für den Versand von Ersatzteilen, telefonieren mit Kunden, arbeiten in der Buchhaltung. Sukzessive bauen wir sie in ihren Fähigkeiten auf. Sie merken, dass sie gefördert werden, und zeigen dafür etwas ganz Wichtiges und heutzutage sehr Rares: Motivation. Für sie fühlen sich schon kleine Erfolge nach großen Siegen an, und je mehr sie davon bekommen, desto mehr identifizieren sie sich mit ihrem Arbeitsumfeld. Ihre positive Haltung wirkt sich auf die Kunden aus – und das kann man dann in Euros umrechnen.

Es ist nicht leicht, Langzeitarbeitslose zu integrieren. Ohne die Zuschüsse und Coachings der Jobcenter wäre das für ein kleines Unternehmen wie unseres nicht möglich. Eine unserer Mitarbeiterinnen hat nie zuvor gearbeitet, eine andere Arbeitskraft hat nur reihenweise Ein-Euro-Jobs ausgeübt. Diese Leute haben spezielle Lebensläufe, und es braucht einen Moment, bis sie innerlich angekommen sind.

Arbeitgeber tragen eine Mitverantwortung für diesen Zustand. Wer solche Menschen ständig ablehnt, demotiviert sie. Viele von ihnen verlieren den Glauben an sich selbst und ihre Fähigkeiten, sie verlieren die Lust auf alles, selbst von Hobbys liest man selten in den Lebensläufen. Wir brauchen mindestens sechs Monate Einarbeitungszeit, bis so ein Mitarbeiter beginnt, gewinnbringend zu arbeiten. Druck bringt hier überhaupt nichts.

Mir ist es vollkommen egal, ob ich ein paar Monate später als mit einer ausgebildeten Arbeitskraft Geld mit diesen Kollegen verdiene. Ich setze auf langfristige Mitarbeit und auf Menschen, die bei uns arbeiten wollen. Und es macht Spaß zu sehen, wie sie aufblühen, wenn sie ihr erstes Jahr geschafft haben.“

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Langzeitarbeitslose brauchen manchmal eine etwas längere Eingewöhnungsphase, sind dann aber sehr loyale und zuverlässige Mitarbeiter.
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Langzeitarbeitslose brauchen dauerhaft mehr Betreuung durch Arbeitgeber oder Abteilungsleiter.

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Esther Werderinghaus
Titelfoto: © PeopleImages/Getty Images

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