Schalkenmehren

Recruiting auf dem Land

Mit dem Arbeitgeber-Service das richtige Personal finden

Services der Bundesagentur für Arbeit
Mein Faktor A
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In einem 600-Einwohner-Dorf mitten in der Vulkaneifel sucht Markus Gerharz eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter für seinen Bürotechnikbetrieb. Schwierig bis unmöglich – bis er Christine Mentges vom Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur kennenlernt. Im Podcast sprechen sie über die Vorteile von Selbstständigkeit, wie viel Bauchgefühl bei Personalentscheidungen mitspielt und wie eine passend formulierte Stellenanzeige auch die passenden Leute anspricht.

Christine Mentges und Markus Gerharz

Playlist

  • Wer kopiert heute noch? Und dann auch noch in Schalkenmehren?!
  • Vom Solo-Selbständigen zum Arbeitgeber
  • So half der Arbeitgeberservice
  • Gründe für die Personalentscheidung - Bauchgefühl oder Hard Facts?
  • Der Arbeitsmarkt im ländlichen Rheinland-Pfalz
  • Philipp Hertel: Seen, saftige Wiesen und Wälder und dazwischen ein Dorf. Haben Sie ein Bild davon im Kopf? Gut, das Dorf also: Einwohnerzahl 587, und es werden immer weniger. Es ist wunderschön dort in der Vulkaneifel, im Nirgendwo zwischen Koblenz und Trier. Aber es ist auch ganz schön einsam. Neue Jobs sind hier echt eine Seltenheit. Seit 1988 hält kein Zug mehr in dem Dorf. Die Gleise sind abgebaut und genau dort im Dörfchen Schalkenmehren sucht ein kleiner Unternehmer einen neuen Mitarbeiter. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Willkommen zum Podcast von Faktor A, dem Magazin für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Der Mann, der einen Job in der Provinz zu vergeben hat, heißt Markus Gerharz und er hat schon eine Menge probiert. Gerharz ist der Inhaber von Pyrotechnik Gerhardts und er hat gut zu tun mit Druckern, Kopierern, Scannern und auch mit Faxgeräten. Die gibt es nämlich noch. Markus Gerharz hat die Suche nach einem Mitarbeiter fast aufgegeben. Da wendet er sich an die Arbeitsagentur in Trier und lernt unseren zweiten Gast heute kennen, Christine Mentges, die Arbeitsvermittlerin ist. Und was dann passiert, das bespreche ich jetzt mit den beiden persönlich. Herr Gerharz, was ist das, was Sie am meisten an Ihrem Job mögen?

    Markus Gerharz: Ja, an meinen Job mag ich halt diese Abwechslung, dass ich morgens zu meinen Kunden fahre und abends von meinen Kunden wieder zurückkomme, natürlich verschiedene Kunden besuche. Und das bringt halt die ganze Abwechslung in meinen Job bzw. mein Business.

    Philipp Hertel: Wann haben Sie gemerkt, dass Sie gerne mit Menschen arbeiten und wie haben Sie gemerkt, was das Richtige dafür ist? Also so ein Thema findet sich ja nicht von alleine. Was machen Sie denn mit Ihren Kunden? Was können Sie denen anbieten? Was ist Ihr Job?

    Markus Gerharz: Also angefangen hat das theoretisch schon bei mir in der Lehre. Ich habe Elektroinstallateur gelernt, bei einem kleinen Betrieb und hatte da natürlich ganz viel Kundenkontakt. Danach bin ich zu einer größeren Firma, die Kopierer herstellen. Direkt beim Hersteller war ich da beschäftigt, 20 Jahre lang. Und da hab ich auch immer diesen Job gemacht: Kunden besuchen, denen helfen, individuell beraten, auch nachher. Und das mach ich jetzt auch seit elf Jahren selbstständig. Und das ist mir eine große Ehre und auch immer wieder eine Herausforderung.

    Philipp Hertel: Das klingt spannend. Das heißt, Sie haben eigentlich so in der Mitte Ihres Berufslebens einfach sich getraut zu sagen: Ich mach das jetzt selber. Wie alt waren Sie denn da und was hat Sie dazu gebracht, diesen Sprung zu wagen?

    Markus Gerharz: Ja, mein Alter, das war schon vielleicht ein bisschen spät, oder? 42 war ich. Wobei die Berufserfahrung natürlich mir auch in die Karten gespielt hat. Ich habe dann bei dem größeren Unternehmen aufgehört, habt dann mich in die Selbstständigkeit gewagt und bin im Prinzip ins kalte Wasser geworfen worden. Auch durch eine Mitarbeiterin vom Arbeitsamt. Die hat gesagt: Komm, versuch’s einfach mal, mach dich doch selbstständig. Wir bieten da einen Lehrgang an in Koblenz, da können sie eine Woche hin, oder zwei Wochen waren es, glaub ich. Und dann hab ich diesen Lehrgang gemacht. Und das ist eigentlich von vornherein sehr gut gelaufen bei mir, weil die Geschichte dementsprechend war, dass viele Kunden auch die Verlängerungen bei meinem alten Arbeitgeber gemacht haben, weil sie mit meinen Leistungen sehr zufrieden waren. Und die sind, sagen wir mal 30 bis 50 Prozent, sind auch dann nachher meine Kunden geworden, was halt sehr positiv war.

    Philipp Hertel: Das kann ich mir vorstellen. Jetzt müssen Sie mir noch einmal Ihr Unternehmen ein bisschen vorstellen. Wie ist der Name? Was machen Sie? Was ist Ihr Angebot? Wie viele sind Sie?

    Markus Gerharz: Ja, genau. Also wir sind insgesamt vier Leute, zwei in der Technik, zwei im Büro. Und wir vertreiben Kopierer, Drucker, Fax-Systeme, Scanner, Scanner Systeme. Also die Geräte von den Büro-Einrichtungen und machen hauptsächlich halt diese Kopier Technik, eine individuelle Beratung für den Kunden. Das sieht so aus, dass ich mir am allerliebsten – Manchmal geht’s nicht – die Firmen ansehe. Wie ist denn ihr Arbeitsablauf? Und ich bin nicht der typische Verkäufer. Ich berate die Kunden und sagen, ich würde an ihrer Stelle vielleicht mal darauf achten, dass man da jenes Gerät hinstellt, das wesentlich effektiver ist als ein Gerät an jedem Arbeitsplatz. Erstens die Leute, die bewegen sich, weil sie an den Drucker oder Kopierer gehen müssen. Dann gibt’s ganz viele Kunden, die kaufen sich Geräte für 200 Euro, weil sie denken: „Super, die hab ich ganz günstig bekommen“. Wundern sich dann nachher, wenn sie mal überlegen, dass sie alle vier Wochen für 600 Euro Toner kaufen. Dann macht es halt natürlich wesentlich mehr Sinn. Und da berate ich die gerne und sage: „Dieses Gerät hat sich innerhalb von einem halben Jahr oder einem Jahr amortisiert, wenn Sie ein großes Gerät kaufen, wo die Investition höher ist, aber Sie nachher unter einem Cent die Ausdrucke bewerkstelligen können.“ Und das kommt dann eigentlich immer sehr gut an.

    Philipp Hertel: Das klingt spannend. Nun ist es ja so, dass Sie nicht in Berlin-Mitte oder in Hamburg oder in München am Stachus arbeiten, sondern in Schalkenmehren, wenn ich das richtig ausspreche. Das sage ich nicht, weil es dort weniger liebreizend wäre, in der Umgebung, sondern weil es natürlich dazugehört zur Geschichte. Wo liegt das denn? Was ist Ihr Einzugsgebiet und was bedeutet das für Ihre Kundschaft?

    Markus Gerharz: Also mein Einzugsgebiet ist doch schon recht weit. Mein weitester Kunde ist in Ulm. Das ist ungefähr 400 km weg. Aber das ist eine Ausnahme, weil ich einen Großkunden habe, der halt dort gerne einen Kopierer von mir hätte. Da sieht es halt so aus, dass ich da, wenn da was dran ist, mit dem Fachhandel vor Ort arbeite. Aber ansonsten ist das Einzugsgebiet von Schalkenmehren bis nach Mainz. Da hab ich einen Großkunden mit um die 35 Kopierer und Drucker. Ja und dann in die andere Richtung geht’s bis nach Luxemburg, Prüm, Montabaur, Koblenz natürlich sehr stark vertreten. Also man kann sagen, wenn Sie einen Zirkel um Schalkenmehren mit 100 bis 110 km setzen, das ist das Einzugsgebiet.

    Philipp Hertel: Jetzt muss ich mal noch eine Frage stellen, die ein bisschen mit der Zeit zu tun hat, in der wir leben. Alle reden von Digitalisierung, vom papierlosen Büro. Und nun erzählen sie mir, dass die Kopierer und auch andere Geräte, aber jetzt erst einmal die Kopierer verkaufen. Ist das ein Geschäft, das auf dem absteigenden Ast ist? Oder verstehe ich es nur nicht, warum noch so viel kopiert wird?

    Markus Gerharz: Ich habe 1990 bei der Firma angefangen und dann war ich auf Lehrgang und dann hieß es schon: „Oje, wir machen nicht mehr lange, papierloses Büro und hin und her.“ Und wenn man die Statistik ansieht, ist der Papierverbrauch seit 1990 ums dreifache gestiegen. Also wir sind noch ganz weit weg vom papierlosen Büro, aber es geht in die Richtung und deswegen sind die Geräte nicht ersetzbar, weil man halt viele Möglichkeiten damit hat. Ich kann personalisiert kopieren, ausdrucken. Das heißt mein Druckob, der kommt nicht irgendwo auf dem Flur raus, wo es andere lesen können, sondern ich gehe mit meinem Lesegerät z.B. an den Drucker ran, halte den nah dran und dann kommt mein personalisierter Druck raus. Datenschutz bei dieser Geschichte grundlegend sehr in Ordnung. Dann wird halt ganz viel gescannt. Da geht die Entwicklung immer weiter auf durchsuchbare PDFs auf PDF-A, die nicht veränderbar sind. Da ist doch die Digitalisierung sehr im Vormarsch. Hauptsächlich beim Scannen, wo dann über Barcode-Erkennung direkt über eine Software in den entsprechenden Ordner, die Rechnungen oder Lieferscheine abgelegt werden können.

    Philipp Hertel: Jetzt würde ich gerne das Gespräch ein bisschen in Richtung ihrer Funktion als Arbeitgeber lenken und sie fragen: Wie hat sich das am Anfang angefühlt? Sie haben vielleicht, denke ich mir so, alleine angefangen und dann irgendwann gemerkt: Sie brauchen jetzt noch neue Mitarbeiter, als Sie sich selbstständig gemacht haben. Wie war das? Wie haben Sie sich vorbereitet auf diese Rolle, irgendwie auch für jemand anderen dann ein Stück weit Verantwortung zu übernehmen?

    Markus Gerharz: Ja, das war Learning by doing. Also ich hab das Ganze vier, fünf Jahre ganz alleine gemacht. Natürlich: Urlaub war null. Aus dem Grund natürlich auch, weil ich halt Wartungsverträge anbiete, mit einem recht schnellen Service. Da war das halt immer ein bisschen problematisch. Dann habe ich eine andere Firma gefunden, mit der ich sehr gut zusammenarbeite. Die haben mich dann unterstützt, wenn Not am Mann war, dann konnte ich mal eine Woche weg. Und dann hab ich die angerufen, so und so. Und die haben das dann halt auch immer kurzfristig für mich erledigt. Dann war die Überlegung: Ich stelle einen ein. Das hat mich richtig Geld gekostet, weil es einfach der falsche Mann war. Und ich konnte mich nicht frühzeitig von ihm trennen, weil ich immer gedacht habe: „Okay, okay, gib mir noch ne Chance und so.“ Das war Lehrgeld. Und dann habe ich es wieder alleine gemacht, abgesehen von der Angestellten, die dann im Büro tätig war. Und dann irgendwann hab ich gedacht: „Hey, das kann so nicht weitergehen. Ich muss unbedingt noch einen Mitarbeiter finden und es wäre schön, wenn ich auch mal zwei Wochen am Stück Urlaub machen könnte.“ So, dann hab ich gedach: „Okay, ich bezahle halt seit 10 Jahren freiwillig meinen Arbeitslosenbeitrag, man weiß ja nie wo es hingeht und bdas ereue ich auch nicht. Ist zwar einiges Geld, was jetzt innerhalb der 11 Jahre da geflossen ist, aber, naja, wie das halt so bei Versicherungen ist. Ich hab dann das Arbeitsamt angerufen und hab gesagt: Ich hätte da Interesse an einem Mitarbeiter. Könnten sie mich da unterstützen?

    Philipp Hertel: Ja, da kommen wir gleich mal zu. Ich glaub ich muss hier einmal kurz dazwischen gehen und Frau Mentges fragen. Also erstens mal, ich weiß, dass es immer ein bisschen schmerzt, wenn Ihre Kunden so wie Herr Gerhardz „Arbeitsamt“ sagen. Das ist einfach so drin und das finde ich auch nicht schlimm, das ist ja auch irgendwie sympathisch. Aber ich weiß, dass es Ihnen wichtig ist, dass wir sagen, es ist die Arbeitsagentur. Haben wir hiermit einmal gemacht. Frau Mentges, wie ist das zustande gekommen? Kannten Sie Herrn Gerharz? Oder war das ein Erstkontakt, ein kalter Anruf?

    Christine Mentges: Tatsächlich war es so, dass wir vorher noch keinerlei Berührungspunkte hatten. Der Herr Gerharz ist ann an diesem Tag bei mir gelandet. Er hat in Gerolstein angerufen und wir haben dann miteinander gesprochen.

    Philipp Hertel: Jetzt muss ich mal ganz kurz nochmal einen Schritt zurückgehen. Was heißt das denn, wenn man anruft? Also wie gucken Sie da im Telefonbuch oder im Internet? Wo guckt man da nach, welche Nummer ruft man denn da an? Herr Gerharz, wie haben Sie das denn gemacht?

    Ja, natürlich. Ich hab mir angeguckt, wie erreiche ich die Agentur für Arbeit. Und da kam dann direkt, ich glaube, es war eine 0800er Nummer, die ich dann angewählt habe, und die hat mich dann verbunden nach Gerolstein. Digitalisierung sag ich da nur. Und dann hab ich dann direkt Kontakt mit der Frau Mentges gehabt, hab mit ihr gesprochen, hab ihr meine Sache geschildert. Sie fragte mich dann: Was machen Sie? Ich hab’s ihr erklärt und sie hat es nachher in die Stellenausschreibung so präzise reingeschrieben. Also vielen, vielen lieben Dank dafür. Das hätte ich nicht besser schreiben können und war total beeindruckt von dieser Stellenanzeige, die Frau Mentges mir dann aufgesetzt hat. Und es haben sich dann letztendlich auch fünf Leute beworben, wo dann einer bei mir vor Ort war.

    Philipp Hertel: Jetzt müssen wir ganz kurz nochmal Pause machen. Moment, noch nicht alles verraten. Jetzt muss ich erst noch einmal Frau Mentges fragen. Worüber reden wir hier? Was macht die Arbeit von Ihnen aus? Was für eine Gegend sind wir hier unterwegs? Was sind die Herausforderungen, die bei Ihnen im Bezirk eine Rolle spielen?

    Christine Mentges: Ja, vielleicht einfach mal kurz: Was machen wir als Arbeitgeber Service bei der Agentur für Arbeit? Also wir beraten Arbeitgeber oder stehen Arbeitgebern zur Verfügung, zu verschiedenen Fragen rund um den Arbeitsmarkt, insbesondere natürlich der Arbeits- und Ausbildungsstellen Markt und bieten hier auch ein umfangreiches Dienstleistungsangebot an, das ja vielleicht auch oft in der Region noch nicht so bekannt ist. Oder die Arbeitgeber wissen vielleicht auch nicht, was wir ihnen alles anbieten können. Und ja, ich sag jetzt einfach mal, wir versuchen dem Arbeitgeber geeignetes Personal zu suchen und bieten hier natürlich auch finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten an.

    Philipp Hertel: Sie haben dann diese Stellenanzeige verfasst, die Herrn Gerharz gut gefallen hat. Und was passiert dann mit der, wo landet die dann?

    Christine Mentges: Also erstmal muss ich mir immer ein bisschen Gedanken machen. Okay, ich hab mit dem Arbeitgeber gesprochen, der Herr Gerharz hat mir ja dann auch wirklich detailliert gesagt: Was sucht er, was braucht er? Und da muss man sich natürlich auch immer ein bisschen Zeit nehmen und mal überlegen Okay, wie könnte denn so eine Stellenanzeige aussehen? Wie könnte man es schaffen, dass sich Bewerber angesprochen fühlen? Und dann besuche ich auch immer gerne die Webseiten der Arbeitgeber und schau einfach mal und nehme das dann zunächst mal intern bei uns auf. Und durch einen Klick geht es dann online in die Jobbörse und in der Jobbörse der Arbeitsagentur ist das Ganze dann auch deutschlandweit einsehbar.

    Philipp Hertel: Und dann haben sich fünf Leute bei Ihnen, also bei der Arbeitsagentur gemeldet, die Sie dann an Herrn Gerharz weitergeleitet haben. Treffen Sie da eine Vorauswahl?

    Christine Mentges: Genau das ist so. Also ich hab dann das konkrete Stellenangebot und schaue dann: Okay, wen haben wir vielleicht bei uns, der entweder arbeitssuchend, also in einer Beschäftigung ist und vielleicht sich neu orientieren will? Oder wer ist bei uns arbeitslos gemeldet und sucht eine neue Stelle? Und diese Kandidaten nenne ich es jetzt einfach mal, werden dann von mir schriftlich über die Stelle informiert.

    Philipp Hertel: Herr Gerharz, dann sind diese Bewerber zu Ihnen gekommen. Woran merken Sie, wer für Sie der Richtige ist? Sie haben ja schon mal erzählt, Sie haben Lehrgeld bezahlt mit einem Mitarbeiter, bei dem es einfach nicht gepasst hat. Jetzt sollte alles richtig gehen. Wie macht man jetzt beim zweiten Mal keinen Fehler mehr?

    Markus Gerharz: Ja, die haben sich natürlich zuerst bei mir telefonisch gemeldet. Und wenn während des Telefongesprächs direkt schon über Geld geredet wird, habe ich auf diesen Mitarbeiter keine Lust. Auch wenn er mir sagt, er will nur zwei Euro die Stunde haben. Aber was Geld betrifft, man redet halt einfach nicht drüber. Natürlich ist es ein Faktor, der wichtig ist, aber es war halt so gewesen, dass ich den Mitarbeiter, der auch hier noch recht nah 25 Kilometer vor meiner Arbeitsstätte weg herkam. Der kam hier zu mir und wir haben uns zwei Stunden unterhalten über seinen beruflichen Werdegang, über das, was ich mir vorstelle. Und es wurde überhaupt keine Sekunde über irgendwelche Urlaub. Wie viel Freizeit und wie er arbeitet und wie viel Geld er bekommt, haben wir überhaupt gar nicht geredet. Wir haben uns einfach super verstanden, vom ersten Augenblick an und nachher zum Ende sagte ich dann: Wie ist denn eigentlich Ihre Gehaltsvorstellung? Und dann hat er das halt gesagt und das hat doch alles gepasst. Und dann sagte er: Ich muss auch nicht fünf Tage die Woche kommen, mir reicht auch 80 Prozent. Hab ich gesagt: Ist super, dann machen wir halt, dass er freitags zuhause bleibt. Er hat jede Freiheit, die er sich wünscht, denke ich mal bei mir. Die Arbeit muss halt gemacht werden. Wenn er meint, er hat die Arbeit am Tag gemacht, dann kann er wegen mir auch um drei nachmittags gehen. Aber wenn Not am Mann ist, weiß ich, auf den kann ich mich verlassen. Der bleibt doch bis um acht.

    Philipp Hertel: Das heißt, die Vorauswahl von Frau Mentges hat gut funktioniert, aber letztlich die Entscheidung dafür, die muss dann aus dem Bauch heraus getroffen werden. Ist das so richtig zusammengefasst oder wie würden Sie das beschreiben?

    Markus Gerharz: Ja, natürlich. Die Chemie muss halt stimmen zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber. Ja, also mein größter Dank gilt da der Agentur für Arbeit und hauptsächlich der Frau Mentges, für die Vorbereitung, für die Unterstützung und auch dann noch nachher habe ich noch einen kleinen Bonus für die Eingliederung bekommen von der Agentur für Arbeit. Recht herzlichen Dank dafür.

    Philipp Hertel: Danke Ihnen. Das ist nett, dass Sie das so sagen, Frau Mentges. Wenn wir mal von Herrn Gerharz ein bisschen in die Vogelperspektive gehen und auf Ihren Bezirk blicken, was sind denn da die Herausforderungen?

    Christine Mentges: Ja, also man muss sagen, vor allem hier der Agenturbezirk in Trier oder auch insgesamt, die Struktur in Rheinland-Pfalz ist schon sehr ländlich geprägt. Also wir sprechen hier von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Und hier muss man auch einfach sagen, die Unternehmen haben oft oder nicht zwangsläufig immer eine Personalabteilung greifbar. Also jemand, der sich wirklich um die Personalfragen kümmert. Und ja, ich würde sagen, hier kann der Arbeitgeber-Service einfach mit seinem Beratungsangebot auch hilfreich zur Seite stehen.

    Philipp Hertel: Was sind denn die Herausforderungen, mit denen die Unternehmen, die Sie im Bezirk haben, so kämpfen, wenn es zum Thema Personal kommt? Und wo können Sie da als Arbeitsagentur weiterhelfen? Geht es da um Weiterbildung oder erst einmal auch Azubi-Suche? Was sind denn so die großen Themen?

    Christine Mentges: Ja, also das sind auf jeden Fall die großen Themen. Man muss einfach sagen der Arbeitsmarkt wandelt sich. Wir sprechen von einem Arbeitnehmer-Markt. Das Bedeutet für den Arbeitgeber ist es schwierig, auf Anhieb den super geeigneten Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin zu finden. Also man muss mittlerweile sehr flexibel sein. Und ja, hier zeigen wir als Arbeitgeber Service einfach verschiedene Möglichkeiten auf. Welche Möglichkeiten gibt es, dass eventuell dieser Personalbedarf doch gedeckt werden kann? Es steht und fällt natürlich auch immer mit dem Arbeitgeber. Ein Arbeitgeber muss auch offen sein zu sagen: „Okay, ich bin bereit, eine längere Einarbeitungszeit in Kauf zu nehmen.“ Und wenn der Arbeitgeber da offen ist, dann bieten wir da unterschiedliche Unterstützungsleistungen an. Das kann ein einzelner Zuschuss sein, der für die Einarbeitungszeit gezahlt wird, aber vielleicht auch eine Qualifizierung von einem Mitarbeiter, um ihn dann letztlich auch als Fachkraft einsetzen zu können.

    Philipp Hertel: Die Qualifizierung, wenn ich da mal kurz einhaken dürfte, ist das etwas, was Sie machen für den Mitarbeiter, der schon im Unternehmen ist? Oder ist das jemand, der noch sucht?

    Christine Mentges: Sowohl als auch. Also das ist durchaus möglich, im Unternehmen schon. Unternehmen können auch gerne an uns herantreten, wenn sie sagen: ich habe hier jemanden vielleicht im Helfer Bereich und ich kann mir vorstellen, den entsprechend zu qualifizieren. Dann schauen wir einfach: „elche Möglichkeiten gibt es? Könnte man es schaffen, dass derjenige sich einfach weiterentwickelt im Unternehmen, weil für ein Unternehmen hat das ja auch Vorteile, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Und natürlich gibt es für den Arbeitnehmer im Bereich der Arbeitsvermittlung auch viele Möglichkeiten, sich selber weiter zu qualifizieren, um dann halt einfach auf dem Arbeitsmarkt zu bewerben, auf bestimmte Positionen oder Stellen.

    Philipp Hertel: Ja, Herr Gerharz, wenn es einmal geklappt hat, könnte es ja eigentlich auch wieder klappen. Haben Sie nicht Lust, noch ein bisschen zu wachsen?

    Markus Gerharz: Ein bisschen Angst habe ich davor. Gut, ich habe zwei Kinder, also es ist mit einem Kind auch einfacher als mit zwei Kindern. Und natürlich, ich könnte stellenweise einen zweiten, dritten Mann gebrauchen. Das ist richtig. Aber ich stehe natürlich auch so in der Verantwortung. Wenn ich einen einstelle, dann möchte ich den auch langfristig an mich binden und nicht, wenn die Konjunktur in einem halben Jahr ein bisschen schwächer wird, möchte ich den einen, den ich habe, auch weiterhin beschäftigen und nicht einen anderen dann raus kicken. Und das sehe ich halt in meiner Eigenverantwortung dem Mitarbeiter gegenüber.

    Philipp Hertel: Sie haben ja beschrieben, dass es am Anfang keine ganz einfache Zeit war. Kein Urlaub, viel Arbeit, diese Existenz aufzubauen. Und wenn Sie jetzt so zurückblicken, würden Sie es wieder machen. Hat es sich gelohnt aus Ihrer Sicht?

    Markus Gerharz: Sie meinen der Schritt in die Selbstständigkeit?

    Philipp Hertel: Ja.

    Markus Gerharz: Ja, auf jeden Fall.

    Philipp Hertel: Was ist das für ein Gefühl als Selbstständiger? Worin unterscheidet sich für Sie die Selbstständigkeit vom Angestelltendasein? Was macht das aus? Was ist das für eine Gefühlslage bei Ihnen?

    Markus Gerharz: In einer gewissen Situation kann ich mir halt die Arbeitszeiten aussuchen, wie ich sie mache. Ich bin nicht verpflichtet, morgens um 8 bis um 17 Uhr da irgendwo zu sein. Das lasse ich aber auch meinem Mitarbeiter zugutekommen. Wenn der sagt, ich muss morgen früh was machen, dann macht er halt das morgen früh und kommt dann erst um 10, bleibt dann bis zum 6.. Also da bin ich oft sehr flexibel. Ja, diese Flexibilität, dass ich auch mal sagen kann: Heute bleib ich einfach mal im Bett, oder ich mach was mit meinen Mädels oder geh mal mit meinem Hund spazieren? Was natürlich auch sehr wichtig ist. Auf der anderen Seite, wenn ich in einem großen Konzern bin, dann bin ich irgendeine Nummer oder eingruppiert und dann bekomme ich halt einen X-Faktor an Geld. Und wenn da mehrere Leute die gleiche Arbeit machen wie sie, dann gibt es natürlich unterschiedliche Bezahlungen, obwohl alle das gleiche Geld bekommen. Die einen bekommen 2 000 Euro und verdienen sehr gut, die andere bekommen 2000 Euro und sind unterbezahlt. Das kann man halt in einem kleinen Unternehmen und auch als Selbstständiger sich halt selbst aussuchen. Wenn ich halt mehr Gas gebe, habe ich mehr Geld und wenn ich halt schluder bekomme ich halt nix.

    Philipp Hertel: Verstehe, was sie meinen. Jetzt haben wir ja ein Jahr erlebt, 2020, das vieles auf den Kopf gestellt hat und sehr viel Heimarbeit bedeutet hat. Und jetzt frage ich mich diese Frage, die ich eben gestellt habe, hat eben auch ein bisschen diesen Hintergrund. Also Selbstständigkeit bringt immer auch ein Risiko mit. Als es losging, im März, April 2020, haben Sie gedacht: Das war’s jetzt, niemand wird mehr kopieren und scannen, Ende der Selbstständigkeit, ich suche mir wieder einen Job. Oder wie haben Sie diese Krise empfunden?

    Markus Gerharz: Der Mitarbeiter, den ich eingestellt habe, der hat am 16. März, angefangen bei mir. Das war ein Montag, der erste Tag des Lockdown. 2020 war das ertragreichste Jahr von mir. Warum auch immer. Ja, warum auch immer. Aber auch geschuldet dadurch, dass viele Hotels, die betreue ich auch, letztendlich jede einzelne Speisekarte für zwei Gäste drucken mussten. Es kamen eigentlich schon mehr Kopien zustande als die vergangenen Jahre und da ich halt auf Seitenpreis abrechne, war es für mich kein Defizit.

    Philipp Hertel: Frau Mentges, ist das ein Befund, den Sie teilen? Können Sie diese Einschätzung für den Bezirk so bestätigen oder was sind Ihre Erfahrungen mit der Corona Pandemie gewesen?

    Christine Mentges: Sehr unterschiedlich. Ich glaube, das ist so, wie es beim Herrn Gerharz gelaufen ist, ist das wunderbar. Aber es ist sehr branchenabhängig. Ich habe sehr viel verzweifelte Gespräche mit Arbeitgebern, ja, die einfach Existenzangst haben und nicht wissen, wie es weitergehen wird. Aber auch durchaus Gespräche von Arbeitgebern, die mir schildern, dass sie einfach bisher gut durch die Krise gekommen sind und ja tatsächlich auch eine Auftragssteigerung haben.

    Philipp Hertel: Ja, also ein heterogenes Bild irgendwie in der Krise. Ja, Herr Gerharz, wie geht es weiter bei Ihnen in den nächsten Jahren? Was sind Ihre Pläne? Flughöhe halten, weiterentwickeln oder auch an den Rückzug denken? Was ist Ihre Mission?

    Markus Gerharz: Also Rückzug? Da denke ich gar nicht dran. Immer schön nach vorne gucken, das Beste draus machen. Größer werden weiß ich wirklich nicht. Ich bin eigentlich so zufrieden, wie es momentan läuft. Hatte auch aus einem Grund einen Mitarbeiter hauptsächlich eingestellt: Um mir den Rücken ein bisschen frei zu halten, damit ich mal in Urlaub fahren kann. Aber das war dann seit dem 16. März nicht möglich. Ich hatte zwei Versuche gestartet, die wurden beide gecancelt von einem Reiseunternehmen. Ja ich denke mal ich seh da positiv in die Zukunft. Aber wie die Frau Mentges schon sagte, es gibt natürlich Branchen, die boomen wie die ganze Handwerkerschaft. Die suchen alle händeringend Personal. Alles andere wie Künstler oder Hoteliers, das ist natürlich sehr bedauerlich.

    Philipp Hertel: Letzte Frage an Sie: die Arbeitsagentur als Partner. Ich weiß, Sie haben das schon lobend erwähnt und das freut uns natürlich. Aber können Sie mal beschreiben, wie das so verlief bei Ihnen gefühlsmäßig? Was war am Anfang Ihr Bild von der Arbeitsagentur und wie hat es sich entwickelt?

    Markus Gerharz: Ja, am Anfang war es das Arbeitsamt und jetzt hat es sich entwickelt zur Arbeitsagentur. Nein, ich muss sagen, sehr positiv. Ich hätte nicht damit gerechnet, so einen guten Mitarbeiter zu bekommen. Hab letztendlich auch in Koblenz mit einer anderen Unternehmerin gesprochen und die sagte mir: „Herr Gerharz, das hätte ich Ihnen von vornherein sagen können: wir holen nur Mitarbeiter über die Agentur für Arbeit und das läuft super.“

    Philipp Hertel: Frau Mentges, wie schätzen Sie das Jahr 2021 ein für Ihren Bezirk? Wie geht es weiter? Geht es aufwärts? Erleben wir noch Rückfälle aus dem vergangenen Jahr, aufgeschobene Insolvenzen? Womit rechnen Sie?

    Christine Mentges: Ich bin gespannt. Es fällt mir schwer, es so richtig einschätzen zu können. Ich glaube für uns alle ist da noch ein großes Fragezeichen. Wie wird sich das Jahr entwickeln? Wie geht es weiter? Ich hoffe einfach, dass wir alle und insbesondere viele Arbeitgeber, die gerade sehr verzweifelt sind, doch diese Krise überstehen werden. Und ja, ich hoffe, dass es nicht zu vielen Insolvenzen kommen wird.

    Philipp Hertel: Haben Sie noch ein letztes Wort an Herrn Gerharz?

    Christine Mentges: Ja, Herr Gerharz, es ging runter wie Öl, vielen Dank für die Komplimente! Ja, ich wünsche mir viele solche Arbeitgeber Es war sehr problemlos und es hat Spaß gemacht und ich bin froh, dass Sie zufrieden sind mit Ihrem Mitarbeiter. Und wenn das hier überstanden ist und ich vielleicht doch nochmal rausfahren kann zu Ihnen, dann komme ich Sie mal in Schalkenmehren besuchen.

    Markus Gerharz: Immer wieder eine Reise wert. Sehr gerne.

    Philipp Hertel: Dann danke ich Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!

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Philipp Hertel
Titelfoto: © iStock/3quarks

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