Rasche Hilfe für die Zwischenprüfung

Handwerksfirma profitiert von AsA

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Die Handwerksfirma Heinrich Schmid reagiert auf die Herausforderungen am Azubimarkt: Im baden-württembergischen Crailsheim hat man gleich vier benachteiligten Jugendlichen das individuelle Förderinstrument AsA ans Herz gelegt. „Seither schreiben sie bessere Noten und machen auch sprachlich enorme Fortschritte“, sagt der Azubi-Verantwortliche Marc Kwasniok im Interview.

Marc Kwasniok arbeitet für Heinrich Schmid, eine der größten Handwerksfirmen in Europa, und ist am Standort Crailsheim für die Betreuung der Auszubildenden verantwortlich. Auf der Suche nach einer passgenauen Unterstützung für die Azubis stieß der 27-Jährige auf die Assistierte Ausbildung, ein niedrigschwelliges Angebot der Agentur für Arbeit. Im Interview erzählt Kwasniok, wie die jungen Männer davon profitieren und der Standort Crailsheim bundesweit Schule machen könnte.

Faktor A: Herr Kwasniok, was hat Sie veranlasst, die Assistierte Ausbildung in Anspruch zu nehmen?

Marc Kwasniok: Im vergangenen Juni hat einer unserer Azubis leider die Gesellenprüfung nicht bestanden. Die praktischen Anforderungen hat er zwar gut gemeistert. Probleme bereiteten ihm aber die allgemeinen Theoriefächer. Der Auszubildende kommt aus Afghanistan und hatte während der gesamten Ausbildung aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse Schwierigkeiten, dem Unterricht in der Berufsschule zu folgen. Da wir an unserem Standort viele fachlich gute und motivierte Azubis mit Migrationshintergrund und teilweise auch Sprachproblemen haben, war spätestens zu diesem Zeitpunkt klar, dass wir als Ausbildungsbetrieb handeln müssen. Denn bei drei Azubis stand die Zwischenprüfung an, und auch sie hatten Probleme mit dem Schulstoff.

Wie sind Sie konkret auf die Assistierte Ausbildung gestoßen?

Ich kannte bereits die Möglichkeiten von AsA durch Werbung und Informationen der Arbeitsagentur. Daher nahm ich Kontakt mit dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit in Schwäbisch Hall auf und informierte mich dort über die Details. Dort erhielt ich dann die Kontaktdaten zum Bildungsträger vor Ort, dem Kolping-Bildungswerk.

Ausbildungsbeauftragter Marc Kwasniok mit Azubis der Firma Heinrich Schmid
© HS

Ausbildungsbetreuer Marc Kwasniok (2. v. l.) mit den durch AsA geförderten Azubis am Standort Crailsheim.

Wie lang hat es von da ab gedauert, bis Ihre Azubis Unterstützung erhielten?

Das ging alles recht schnell. Die vier Azubis, für die Stütz- und Förderunterricht angezeigt war, bekamen sofort einen Termin beim Leiter des Standorts zum Vorgespräch. Eine Woche später ging es dann schon los. Das war gut so, denn der Termin zum Wiederholen der Abschlussprüfung war bereits gesetzt.

Wie sah das Angebot konkret aus?

Das Unterstützungsangebot wurde individuell auf den persönlichen Bedarf unserer Azubis zugeschnitten. Beispielsweise erhielten sie zweimal pro Woche über mehrere Stunden Sprachhilfe. Hierfür stellen wir die Azubis auch frei. Am Wochenende wurden sogar Crashkurse vom Kolping-Bildungswerk angeboten. Auch fachtheoretische Unterstützung findet mittlerweile statt. Das hat etwas gedauert, weil dafür Nachhilfelehrer aus dem Malergewerbe eingestellt werden mussten, die diese Fächer unterrichten können. Zusammen mit unserer eigenen regionalen Ausbildungsabteilung erhalten die Azubis auf diese Weise nun den bestmöglichen Support.

Als Arbeitgeber wissen Sie um die Schwierigkeiten, die viele Azubis haben.

Genau. Wir sehen uns als Kümmerer, die dafür Sorge tragen, dass unsere Azubis nach allen Kräften unterstützt werden. Wir stellen fest, dass zunehmend junge Menschen mit besonderen Problemstellungen kommen. Da geht es nicht immer nur um sprachliche oder fachliche Defizite. Viele leben allein hier, ohne eine unterstützende Familie, und stehen deshalb vor viel größeren Herausforderungen als junge Menschen, die in sicheren Verhältnissen und einem stabilen Umfeld aufgewachsen sind. AsA nimmt sich auch dieser Themen an und begleitet, vermittelt, berät.

Wie motiviert sind denn Ihre Azubis, wöchentlich zur Nachhilfe zu gehen?

Ich gebe zu, dass sie am Anfang nicht so begeistert waren von der Vorstellung, montags nach der Arbeit noch zweieinhalb Stunden in die Nachhilfe zu gehen. Aber schon nach den ersten Wochen haben sie gemerkt, wie stark sie davon profitieren. Alles, was sie in der Berufsschule nicht ganz durchdrungen haben, geht ihr Nachhilfelehrer mit ihnen in kleinen Gruppen noch mal durch. Auf diese Weise kommen sie viel besser mit und schreiben bessere Noten. Und wir im Unternehmen stellen fest, dass sie auch sprachlich enorme Fortschritte machen.

Welcher Aufwand ist für den Arbeitgeber damit verbunden, AsA in Anspruch zu nehmen?

Eigentlich mussten wir nur den Kontakt zum Bildungsträger herstellen und die Rahmenbedingungen absprechen, also Fragen wie: Wann ist Nachhilfeunterricht möglich – und wie koordinieren wir im Betrieb die Baustelleneinsätze? Wir achten auch darauf, dass die Azubis regelmäßig ihre Kurse besuchen. Hier findet ein guter Austausch mit dem Träger statt, und wir sind über den Lernstand und die Fortschritte gut informiert. Bisher läuft alles rund.

Heinrich Schmid unterhält mehr als 150 Standorte in Deutschland. Glauben Sie, AsA wäre auch interessant für andere Standorte?

Auf jeden Fall. Die Lage auf dem Azubimarkt ist in anderen Ecken Deutschlands nicht anders als in Crailsheim. Unsere Marketingabteilung plant daher auch schon ein Interview mit uns, das in unserer Mitarbeiterzeitschrift erscheinen soll, die nicht nur unsere Belegschaft erhält, sondern auch dem „Malerblatt“ beiliegt, einer der größten Handwerkszeitungen Deutschlands.

FAQ

Das Wichtigste zur Assistierten Ausbildung

Wer hat ein Recht auf AsA?
Jeder, der eine Ausbildung anfangen möchte oder bereits angefangen hat und Unterstützung benötigt.

Wer beantragt AsA?
Entweder der Auszubildende oder der Betrieb.

Was kostet AsA?
AsA ist ein kostenloses Förderinstrument.

Gibt es zeitliche Rahmenbedingungen?
Nein. AsA kann jederzeit begonnen und beendet werden, je nach Bedarf des Auszubildenden und je nach betrieblichen Rahmenbedingungen.

Wo erhalte ich detaillierte Informationen zur AsA?
Beim Arbeitgeber-Service vor Ort oder unter 0800 45555 20 (gebührenfrei). Detaillierte Informationen findet man auf diesen Seiten der Arbeitsagentur.

Hintergrund

Die Unternehmensgruppe Heinrich Schmid

Heinrich Schmid ist ein in vierter Generation geführtes Familienunternehmen mit Hauptsitz in Reutlingen. Die Unternehmensgruppe ist dezentral strukturiert und beschäftigt mehr als 5.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an über 150 Standorten in Deutschland und angrenzenden Ländern. Damit zählt das Unternehmen zu den größten Betrieben im deutschen Handwerk. Heinrich Schmid begann mit klassischen Malerarbeiten und hat sich im Laufe der Jahre zu einem Komplettanbieter im Bereich Fassade, Innenausbau und Bauwerksanierung entwickelt. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei mehr als 600 Millionen Euro.

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Akiko Lachenmann
Titelfoto: © iStock/skynesher

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