Wie Weiterbildungsverbünde Mittelständler unterstützen

Weiterbildungsverbünde

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Digitalisierung, Fachkräftemangel, demografischer Wandel und die Klimakrise – die Herausforderungen unserer Zeit betreffen auch Unternehmen. Um ihre Beschäftigten gut darauf vorbereiten zu können, spielt Weiterbildung eine immer bedeutendere Rolle. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat daher ein Programm zur Förderung der Weiterbildung ausgerufen. Faktor A stellt drei Netzwerke vor.

Mit dem Projekt „Aufbau von Weiterbildungsverbünden“ möchte das BMAS besonders kleine und mittelständische Unternehmen unterstützen. Denn ihnen fehlen häufig Zeit, Geld oder Personal, um ihren Beschäftigten Weiterbildungen im Alltagsgeschäft anzubieten. Ziel ist es, dass sich Unternehmen im Netzwerk zusammenschließen und möglichst gemeinsame Weiterbildungsaktivitäten starten. Koordinierungsstellen unterstützen dabei und nehmen mehrere Aufgaben wahr: Sie vernetzen die einzelnen Akteure eines Verbundes, stellen den Betrieben spezifische Weiterbildungsinformationen zur Verfügung, identifizieren Qualifizierungsbedarfe, beraten neutral und unterstützen bei der inhaltlichen Ausgestaltung neuer Weiterbildungsmaßnahmen.

Optimierung als Antwort auf Fachkräftemangel

Prozesse verbessern mit dem LERNBUND

Der Fachkräftemangel stellt Unternehmen über alle Branchen hinweg vor große Herausforderungen. Viele Betriebe stellen sich deshalb die Frage: Wie kann ich Prozesse optimieren, um meine Mitarbeitenden zu entlasten? Der LERNBUND – das ist der Thüringer Weiterbildungsverbund aus dem VHS-Bildungswerk, der Thüringer Tibor GmbH und der TU Ilmenau – setzt genau an dieser Frage an. Er berät und unterstützt Industrieunternehmen aus den Bereichen Metall, Elektro, Mechatronik und Logistik mit Schwerpunkt auf die Fahrzeug- und Zulieferindustrie, wie sie ihre Mitarbeitenden auf diese Veränderungen durch gezielte Weiterbildung vorbereiten können.

Uwe Jäger vom VHS-Bildungswerk
© VHS

Uwe Jäger vom VHS-Bildungswerk

Die Optimierung der Prozesse spielt dabei eine zentrale Rolle. Häufig komme die Robotik zum Einsatz, erzählt Uwe Jäger vom VHS-Bildungswerk: „So können Fachkräfte bei Routineaufgaben entlastet und für anspruchsvollere Arbeiten eingesetzt werden.“ So wurde in einem Unternehmen ein Roboter installiert, der ein Teil aus einer Fertigungsmaschine entnimmt und zur Weiterarbeit zur Verfügung stellt – vorher habe das ein Mitarbeiter gemacht, der sich nun anderen Arbeiten widmen kann. Für das Ausführen dieser anspruchsvolleren Aufgaben gilt es, den Mitarbeitenden die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln.

Das ist aber nur ein Beispiel – welche Maßnahmen in den einzelnen Unternehmen umgesetzt werden, entscheidet sich individuell und auf der Basis einer Bedarfsanalyse. Das große Plus des LERNBUND: die Vernetzung unterschiedlicher Partner. „So können wir Prozesse ganzheitlich denken. Während beispielsweise die TU Ilmenau die technische Umsetzung im Blick hat, konzipieren wir direkt die Schulung der Mitarbeitenden“, erzählt Jäger. So können sich Unternehmen sicher sein, dass ihr Personal die neue Technologie immer entsprechend bedienen kann.

Neben der Prozessoptimierung kann der LERNBUND aber auch anderen Herausforderungen der Arbeitswelt begegnen: Die Tibor GmbH hat Kompetenzen besonders im Bereich der sogenannten Soft Skills. Mit den modernen und digitalisierten Arbeitsweisen werden auch Kommunikationsfähigkeiten und Konfliktbewältigung immer wichtiger. Dazu kommt, dass viele Teams mittlerweile international besetzt sind. Auch hier kann der LERNBUND Unternehmen unterstützen.

Digitale Strukturen für die Industrie

Das R-Learning Kollektiv

Das R-Learning Kollektiv richtet sich an Industrieunternehmen, besonders an Metall- und Elektrobetriebe. Kernthema ist die Entwicklung einer digitalen Weiterbildungsinfrastruktur unter Einbindung hybrider Formate. Damit wird ein Wechsel zwischen online und offline, analog und digital, Tradition und Innovation sowie ein Austausch zwischen Unternehmen und Bildungsdienstleister möglich. Unternehmer und Personalverantwortliche können damit eine Weiterbildung für ihre Mitarbeitenden einfacher als bislang in den Arbeitsalltag integrieren.

Für das R-Learning Kollektiv sind dabei IT-Sicherheit und der Datenschutz die Basiskompetenzen, mit denen Unternehmen zu einem Fachbewusstsein in betrieblichen Handlungssituationen gelangen können. „Gerade kleine und mittelständische Unternehmen profitieren von unserem Einsatz”, sagt Jun-Thérèse Yan, Projektleiterin beim R-Learning Kollektiv. Das Kollektiv wird von der GFMB Akademie gGmbH in Kooperation mit der ITS mobility GmbH, dem ABB Ausbildungszentrum Berlin sowie dem Berufsbildungsverein Prenzlau und dem Ausbildungsverein Teltow realisiert. Der Handlungsbedarf der Weiterbildung des Unternehmens beginne nicht erst mit einem konkreten Angebot vom R-Learning Kollektiv, sondern setze weit vorher an, sagt Yan: „Mit dem Troubleshooting im Kontext des System-Approachs bis zu einem Szenario der Handlungsbedürfnisse von der digitalen Notwendigkeit.“ Das bedeutet, dass Probleme zuerst identifiziert, angesprochen und dargestellt werden, ehe konkrete Arbeitsaufträge daraus folgen. Das R-Learning Kollektiv begleitet diesen Entwicklungsprozess des Unternehmens im digitalen Wandel. Der Kooperationspartner GFBM Akademie gGmbH unterstützt die Firmen dabei unter anderem gezielt bei der Einführung von Systemen mit den digitalen Lösungen zu Prozessabläufen sowie der Personalqualifizierung und -entwicklung. In Zukunft soll auch die Energiepolitik, besonders in Form von Smart-Mobilität, stärker in den Fokus des Angebots rücken. Interessierte Unternehmen können sich jederzeit melden, das Angebot gilt deutschlandweit – auch, wenn die regionalen Schwerpunkte des Kollektivs auf Berlin, Brandenburg und Niedersachsen liegen. Auch lohnt es sich, an einem der digitalen Stammtische teilzunehmen oder ab Anfang Juli auf der dann neuen Digitalplattform des R-Learning Kollektivs vorbeizuschauen und passende Trainingsangebote zu finden. Informationen zum R-Learning Kollektiv sind unter weiterbildungsverbund.digital verfügbar.
© R Learning Kollektiv

Jun Yan ist Projektleiterin beim R-Learning Kollektiv.

Für das R-Learning Kollektiv sind dabei IT-Sicherheit und Datenschutz die Basiskompetenzen, mit denen Unternehmen zu einem Fachbewusstsein in betrieblichen Handlungssituationen gelangen können. „Gerade kleine und mittelständische Unternehmen profitieren von unserem Einsatz“, sagt Jun-Thérèse Yan, Projektleiterin beim R-Learning Kollektiv. Das Kollektiv wird von der GFBM Akademie gGmbH in Kooperation mit der ITS mobility GmbH, dem ABB Ausbildungszentrum Berlin sowie dem Berufsbildungsverein Prenzlau und dem Ausbildungsverein Teltow realisiert.

Der Handlungsbedarf eines Unternehmens im Bereich Weiterbildung beginne nicht erst mit der Auswahl eines konkreten Angebots vom R-Learning Kollektiv, sondern setze weit vorher an, sagt Yan: beim Troubleshooting. “Dort identifizieren wir zuerst Probleme, sprechen sie an und stellen sie dar”, sagt Yan. Erst danach werden konkrete Arbeitsaufträge abgeleitet. Das R-Learning Kollektiv begleitet diesen Entwicklungsprozess der Unternehmen im digitalen Wandel.

Dabei unterstützt die GFBM Akademie die Firmen dabei unter anderem gezielt bei der Einführung von Systemen mit den digitalen Lösungen zu Prozessabläufen sowie der Personalqualifizierung und -entwicklung.

In Zukunft soll auch die Energiepolitik, besonders in Form von Smart-Mobilität, stärker in den Fokus des Angebots rücken. Interessierte Unternehmen können sich jederzeit melden, das Angebot gilt deutschlandweit – auch wenn die regionalen Schwerpunkte des Kollektivs auf Berlin, Brandenburg und Niedersachsen liegen. Auch lohnt es sich, an einem der digitalen Stammtische teilzunehmen oder ab Juli 2022 auf der dann neuen Digitalplattform des R-Learning Kollektivs vorbeizuschauen und passende Trainingsangebote zu finden.

Partizipation in der Pflege

Personalentwicklung ambulante Pflege 4.0

Der Weiterbildungsverbund Personalentwicklung in der ambulanten Pflege 4.0, kurz PEaP 4.0, entwickelt gemeinsam mit einem Netzwerk aus ambulanten Pflegedienstleistenden Qualifizierung und Weiterbildung ihres Personals. Auch hier spielen digitale Trends und Tools eine zentrale Rolle, erzählt Tatiana Graf vom BiG, dem Bildungsinstitut im Gesundheitswesen Essen. Gemeinsam mit MedEcon Ruhr, der Tutoolio GmbH und MaxQ des DGB Castrop-Rauxel koordiniert das BiG Essen den Weiterbildungsverbund.

Tatiana Graf vom Bildungsinstitut im Gesundheitswesen Essen
© BiG Essen

Tatiana Graf

„Viele Pflegedienste arbeiten hochprofessionell und sehr motiviert, aber haben Bedarf, was die Digitalisierung angeht“, erzählt Graf weiter. Gerade in kleinen Unternehmen hätten die Mitarbeitenden häufig weder Diensthandy noch eine Mailadresse – in vielen anderen Berufen undenkbar.

Im Alltagsgeschäft fehlten häufig schlicht zeitliche und personelle Ressourcen, um sich Gedanken um Weiterbildung zu machen. „Deshalb helfen wir bei allen Schritten“, so Graf. Das beginne bei der Erhebung des Istzustands sowie der Bedürfnisse der Mitarbeitenden und gehe über die Ermittlung der Qualifizierungsbedarfe bis hin zur tatsächlichen Weiterbildungsmaßnahme.

Dabei immer im Fokus: das Pflegepersonal. „Es ist uns sehr wichtig, das Personal direkt einzubinden“, fasst Graf die Philosophie von PEaP 4.0 zusammen. Die Angestellten in der Pflege bringen viel Eigenmotivation mit, doch vieles würde über ihre Köpfe entschieden, sagt Graf. „Daher freuen sie sich, wenn jemand kommt und fragt: ,Was braucht ihr?‘“

Auf Basis der Selbsteinschätzung der Mitarbeitenden und durch ein Qualifizierungstool unterstützt, ermittelt PEaP 4.0 Weiterbildungsbedarfe in den Unternehmen und setzt diese dann auch um – wenn sie selbst nicht die Expertise haben, auch mit externen Partnern. So wird sichergestellt, dass jedes Pflegeunternehmen die Qualifikationen bekommt, die es benötigt. Daneben spielt auch die Vernetzung der Pflegedienste untereinander eine zentrale Rolle. Denn vor vielen Fragen und Herausforderungen stehen sie gemeinsam.

Hintergrund

BMAS-Bundesprogramm „Aufbau von Weiterbildungsverbünden“

Die Weiterbildungsverbünde, die im Rahmen des Bundesprogramms aufgebaut werden, sind eine zentrale Zusage des BMAS aus der Nationalen Weiterbildungsstrategie, um die Weiterbildungsbeteiligung in KMU zu erhöhen. Die Verbünde bestehen neben den Unternehmen selbst  aus verschiedenen Akteuren der Weiterbildungslandschaft, auch aus regionalen Arbeitsagenturen. Bundesweit soll so regionale und/oder branchenspezifische Expertise gebündelt werden, um ein möglichst umfassendes Weiterbildungsangebot schaffen zu können.

Die demnächst 54 bundesweit agierenden Weiterbildungsverbünde arbeiten unter anderem in den Bereichen

  • Fahrzeugindustrie
  • Pflege und Sozialwirtschaft
  • Handwerk
  • IT, Robotik und Mikrotechnik
  • Metall-, Elektro- und chemische Industrie
  • Hotel- und Gaststättengewerbe
  • Medien- und Filmbranche
  • Flugwirtschaft

Erste Informationen und weiterführende Links finden Interessierte auf diesen Seiten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

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Per Horstmann
Titelfoto: © iStock/fotogestoeber.de