WhatsApp Alternativen Smartphone

Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Apps für den Be­ruf

Die­se Mes­sen­ger kön­nen Da­ten­schutz

Services der Bundesagentur für Arbeit
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WhatsApp ist auch in Unternehmen weit verbreitet. Doch europäischen Datenschutzstandards genügt der Branchen-Primus nicht. Deshalb drohen Unternehmen hohe Bußgelder, wenn sie weiter auf den Messenger setzen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich mit Alternativen beschäftigen. Wir stellen die besten, datenschutzkonformen Dienste für Unternehmen vor.

Der Kollegin noch schnell die Präsentation für den nächsten Tag zur Durchsicht senden. Beim Abteilungsleitertreffen einem Kollegen, der den Tagungsraum nicht findet, den Standort aufs Handy schicken. Ein Foto vom Prototypen in Balingen an das Team am Standort Shanghai übermitteln: WhatsApp erleichtert in vielen Unternehmen Arbeitsabläufe, ist ideal für die formlose und schnelle Kommunikation mit Kunden und Kollegen – und datenschutzrechtlich eine Katastrophe.

Juristen waren vor dem Einsatz des Messenger-Dienstes im Beruf, denn seit dem 25. Mai 2018 gilt in der Europäischen Union die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Doch die WhatsApp Incorporated aus Mountain View, die zu Facebook gehört, erfüllt die strengen Brüsseler Maßstäbe nicht. So greift die Software auf alle Kontakte zu, die im Smartphone gespeichert sind, egal ob diese selbst den Dienst nutzen oder nicht. Außerdem gibt der Konzern die gesammelten Informationen an den Mutterkonzern Facebook weiter, was nach europäischem Recht wohl ebenfalls nicht ohne Einwilligung der Nutzer möglich ist.

Zeit für eine datenschutzkonforme Alternative

Unternehmen, die gegen den Datenschutz verstoßen, drohen dabei Bußgelder von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des Jahresumsatzes. Wer WhatsApp weiter in seinem Unternehmen intern zur Kommunikation nutzen will, sollte dafür sorgen, dass keine Kundendaten auf dem Firmenhandy gespeichert sind oder dass diese in einem eigenen, verschlüsselten Container gespeichert werden. Das ist unpraktisch und kompliziert? Vielleicht wird es Zeit für eine datenschutzrechtlich sauber arbeitende Software. Wir stellen die wichtigsten Programme vor.

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Nutzen Sie WhatsApp beruflich?

Datenschutzrechtlich bedenklich aber dennoch der Platzhirsch der Kommunikations-Apps, auch in vielen Unternehmen. Tauschen Sie und Ihre Mitarbeiter und Kollegen sich bei beruflichen Angelegenheiten über WhatsApp aus?

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Nutzen Sie WhatsApp beruflich?

Datenschutzrechtlich bedenklich aber dennoch der Platzhirsch der Kommunikations-Apps, auch in vielen Unternehmen. Tauschen Sie und Ihre Mitarbeiter und Kollegen sich bei beruflichen Angelegenheiten über WhatsApp aus?

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Ja, WhatsApp ist einfach praktisch und weit verbreitet. Diese Vorteile wiegen schwerer als datenschutzrechtliche Bedenken.
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Nein, wir nutzen WhatsApp nicht zum beruflichen Austausch. Die Plattform ist uns dafür zu unsicher.

576 Teilnehmer

Threema

Der Dienst aus der Schweiz verschlüsselt nicht nur die gesamte Kommunikation; er koppelt den Benutzer auch nicht an eine Handynummer, sondern weist ihm eine Threema-ID zu. Der Messenger bietet auch einen Adressbuch-Abgleich an, der datenschutzrechtlich legal ist: Threema lädt nämlich keine Telefonnummern auf seine Server, sondern erstellt mit Hilfe eines Algorithmus aus der Nummer eine Zufallszahl, mit der sich zwar abgleichen lässt, ob ein Kontakt den Dienst ebenfalls nutzt, jedoch ohne dabei die Telefonnummer preiszugeben. Apple-Nutzer zahlen für die App einmalig 3,49 Euro, für Android gibt es sie für 2,99 Euro. Spezielle Business-Lösungen kosten zwischen 1,40 und 1,90 Franken pro Monat für jedes Gerät.

Teamwire

Das Programm aus Deutschland wird von Verwaltungen und Finanzunternehmen zur internen Kommunikation genutzt. Es gibt Versionen für iOS, Android und Windows und es lässt sich auch auf Desktop-Geräten installieren. Das Programm verschlüsselt alle Nachrichten und anonymisiert die Nutzerdaten. Der Dienst greift dabei ausschließlich auf Rechenzentren in Deutschland zurück. Teamwire kostet zwischen 1,50 Euro pro Endgerät und 4 Euro pro Nutzer im Monat – je nach Tarifmodell.

Wire

Der zweite schweizer Dienst im Feld – mit internationaler Anbindung: Die Server stehen nämlich auch in Deutschland und Irland. Nachrichten, Dateien, Videos und Bilder kann man vom Smartphone oder PC aus versenden, außerdem ist eine Telefonfunktion (Voice over IP) integriert. Dabei verschlüsselt das Programm die gesamte Kommunikation, wobei sich die Schlüssel auf den jeweiligen Endgeräten befinden. Das Unternehmen hat also keine Chance, mitzulesen. Wire ist kostenlos für Android, iOS und Windows, eine Team-Version kostet ab 5 Euro pro Monat und Nutzer.

Hoccer

Der Löschmeister unter den Messenger-Diensten: Alle Daten werden verschlüsselt über deutsche Server verteilt und anschließend umgehend vernichtet. Stiftung Warentest erklärte Hoccer deshalb 2015 zum Testsieger der Messenger-Dienste. Einen Nachteil hat der hohe Standard allerdings: Weil die Nutzer keine Telefonnummer angeben müssen und der Dienst nicht auf das Adressbuch zugreift, müssen die Kontakte über ihre Hoccer-ID selbst angelegt werden. Der Dienst ist gratis und für Android und iOS verfügbar.

Signal

Eine gemeinnützige Stiftung aus den USA betreibt Signal mit Servern in mehreren Ländern. Die Anmeldung läuft über die Handynummer, auch das Adressbuch lässt sich abgleichen; dabei werden die Kontakte anonymisiert und anschließend von den Servern gelöscht. Die Verschlüsselung gilt als extrem sicher. Signal ist kostenlos für iOS und Android sowie für den Windows-Desktop.

Umfrage: Welche Messenger-Dienste nutzen Arbeitnehmer
© Territory

Laut einer Umfrage von Indeed.com und dem Meinungsforschungsinstitut respondi aus dem Jahr 2017 nutzen 68 Prozent der Arbeitnehmer WhatsApp mindestens mehrmals pro Woche im beruflichen Kontext.

Beekeeper

Die Messenger App wurde von einem Züricher Start-up speziell für die interne Firmenkommunikation entwickelt. So sind auch Mitarbeiter ohne festen Arbeitsplatz und E-Mail-Adresse in die interne Kommunikation eingebunden. Dabei kann auch der TV-Bildschirm für Video-Konferenzen eingebunden werden, außerdem bietet das Programm ein Tool für Mitarbeiterbefragungen. Mit Kosten von mindestens 90 Euro monatlich für 20 Nutzer ist der Dienst nicht ganz billig.

SIMSme

Mit SIMSme möchte die Deutschen Post AG den Markt aufmischen. Die Kommunikation ist verschlüsselt, die Server stehen in Deutschland, außerdem gibt es eine Selbstzerstörungsfunktion für Bilder und Nachrichten. Die Business-Version läuft auch auf Desktop-Geräten. SIMSme gibt es für iOS und Androidgratis, die Business-Version kostet 3 Euro pro Monat je Nutzer.

Siilo

Der niederländische Dienst richtet sich speziell an Ärzte, Klinken und Zahnmediziner. Nur sie können den Dienst nutzen und werden nach der Registrierung verifiziert. Der Messenger-Dienst verschlüsselt sämtliche Daten und löscht sie nach 30 Tagen automatisch. So soll ein sicherer Austausch von Patientendaten für Konsilien möglich sein. Das Programm ist kostenlos für Einzelnutzer, die Klinikversion ist kostenpflichtig

Ihre Meinung: Jetzt kommentieren! 3
Kommentare

Interessanter Bericht, aber was ist mit all den Messenger die kostenfrei sind und dennoch die DSGVO einhalten? Sowie verschlüsselte Kommunikation betreiben und sich sogar gegen Zugriffe von Staaten wehren und nicht aufgeben trotz Sanktionen? Warum werden die hier nicht erwähnt?
Es wird auch nicht erwähnt das Telegram DSGVO Konform ist, ja sogar daran gehindert wurde es auf allen Plattformen ein zu führen da es eine Boykott von Russland und somit auch eine Sperrung von Apple dazu gibt.

Warum sollte denn ausschließlich proprietäre, kostenpflichtige Software sicherer und glaubwürdiger sein als andere?

Sehr geehrter Herr Osranek,

Mit Signal und Hoccer haben wir zwei kostenfreie Dienste vorgestellt.

Wir haben uns gegen eine Aufnahme von "Telegram" entschieden, weil es hier Zweifel an der Sicherheit des genutzten Protokolls und dem Umgang mit Daten gibt:

https://www.heise.de/security/meldung/Smartphone-Messenger-Weltweiter-Telegram-Traffic-in-den-Iran-umgeleitet-4123900.html
https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article152453379/Die-zwielichtige-Russland-Version-von-Mark-Zuckerberg.html

Wenn Sie weitere Empfehlungen haben, können Sie diese hier gerne in den Kommentarspalten vorstellen.

Ihre Faktor-A-Redaktion

was ist mit dem messenger - telegram? der wurde nicht vorgestellt?

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Matthias Thiele
Titelfoto: © Aila Images/Stocksy