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Klei­ner On­line­shop – gro­ßes An­ge­bot

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Wie auch die Onlineshops kleiner Unternehmen mithilfe intelligenter Versanddienstleister konkurrenzfähig werden. Ein Marktüberblick.

Der Kunde sieht, will, kauft und nimmt die Tüte mit. Fertig. So geht Einkaufen immer noch oft. Große Schaufenster und Anprobieren: Der klassische Einzelhändler hat Vorteile gegenüber dem  Onlinehandel. E-Commerce hingegen verlangt erst mal Aufwand und verursacht Kosten. 20 Prozent, so das Branchenwissen, kostet beim Onlineversand die Logistik. Weshalb viele Ladenbesitzer bisher einfach weitergemacht haben wie bisher, E-Commerce zwar als Konkurrenz beklagten, aber nicht wirklich was unternahmen. Man verdiene als Versender ja nicht richtig.

Nach und nach ging so Umsatz an Onlinehändler verloren. Die boten immer neue Serviceleistungen, um für Besteller attraktiver zu werden: kostenlos zurücksenden, Same-Day-Delivery, also heute bestellt und heute noch geliefert, und andere Serviceleistungen. Als die großen E-Commerce-Player Amazon und Zalando 2016 Same-Day-Delivery einführten, schienen harte Zeiten für lokale Händler und kleine Versender anzubrechen. So was können nur die Konzerne, hieß es, für Kleine wird das zu teuer. Jedoch: Es kam völlig anders.

Weil die Riesen aus Kostengründen keine kosten- und personalintensive eigene Infrastruktur für die von ihnen angebotenen und beworbenen Sonderleistungen aufbauten, sondern Dienstleister einsetzten, entstand eine neue Infrastruktur. Deren Leistung können auch die kleinen E-Commerce-Unternehmen und Einzelhändler nutzen. Sie haben sogar plötzlich Vorteile gegenüber den Riesen.

Hintergrund

E-Commerce in Deutschland

2017 wurden in Deutschland mit E-Commerce 58,5 Milliarden Euro umgesetzt. Das war ein Zuwachs von 10,9 Prozent gegenüber 2016. Die Zahlen hat der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel, BEVH, erhoben. Seit Jahren steigt die Umsatzkurve des Onlinehandels steil nach oben. 2017 hatten vor allem Anbieter aus dem stationären Einzelhandel, die auch online versenden, zugelegt. Ihr Plus lag bei 26,2 Prozent.

Weil die Kleinen meist Nischen bedienen, sind Kunden, die bei ihnen bestellen, eher bereit, die Zusatzkosten für Same-Day-Delivery ganz oder zumindest teilweise zu übernehmen. Wer ein Buch oder ein T-Shirt ordert – das hat Amazon gelernt –, will für den schnellen Service kaum zusätzlich Geld ausgeben. Bei teurerer Elektronik, Computer oder auch Honig, Wein, Sex-Toys und E-Zigaretten sieht das anders aus. Der Besteller übernimmt eher die Lieferkosten. Die neu entstandenen Paketdienstleister wie Tiramizoo oder Liefery benötigen auch die Aufträge vieler kleiner Händler, um ihr System besser auslasten und rentabler gestalten zu können.

Liefery wurde als Start-up unter Beteiligung einer Lufthansa-Tochter gegründet. Inzwischen hat sich die Otto-Gruppe, zu der viele Versender, aber auch stationäre Händler wie Sport-Scheck und der Paketdienst Hermes gehören, beteiligt. Liefery bringt mehr als eine halbe Million Pakete im Monat zum Endkunden, hat nach eigenen Angaben eine Zustellquote von 99 Prozent, bietet ein einstündiges Zeitfenster für die Lieferung an und den Midnight Express. Das Angebot verspricht, bei Bestellungen vor Mitternacht noch am nächsten Tag zu liefern – inzwischen in die 14 größten deutschen Städte und in Österreichs Hauptstadt Wien.

Lieferung in den Kofferraum

Tiramizoo bietet die taggleiche Lieferung in 160 deutschen Städten an. An dem Lieferservice haben sich inzwischen Daimler und DPD beteiligt. Und das ist noch nicht das Ende der Möglichkeiten: Der Endkunde hat inzwischen viele Auswahlmöglichkeiten, wie er sich seine Bestellung liefern lassen will. Ständig gibt es neue Angebote: Lockbox bietet eine Kiste an, die an der Wohnungstür des Bestellers befestigt wird, sodass sie nur öffnen kann, wer die Wohnungstür mit dem Schlüssel aufschließt. In die Box kann von außen nur der Bote etwas legen. Der Empfänger muss also nicht zu Hause sein, und vor allem muss er nicht mit dem vom Boten hinterlassenen Zettel das Paket abholen, das er eigentlich nach Hause bestellt hatte.

Der Autobauer Volvo hat angekündigt, bis 2025 in 200 Städten eine neue Form der Turbo-Zustellung für Päckchen anzubieten. Der Bote hat dann einen Generalschlüssel und legt die Lieferung einfach in den Kofferraum des Endkunden-Autos. Demnächst soll der Service in deutschen Städten angeboten werden.

„Ja, die Onlinehandel-Margen machen das Geschäft schwierig. Dem Kunden die Lieferoption bieten zu können, um ihn zu halten, könnte aber überlebenswichtig sein. Lokalität wird noch nicht genug ausgespielt. Die Margen im Kleiderbereich zum Beispiel sind gigantisch. Da müssen die Händler jetzt was tun.“Nils Hafner, Professor für Kundenbeziehungsmanagement an der Universität Luzern

Die vielen Möglichkeiten sorgen für Verwirrung, die das Hamburger Start-up shipcloud reduzieren will. Die Zielgruppe der Firma sind kleine und mittlere Unternehmen, die keinen Riesenaufwand betreiben wollen. Shipcloud sorgt für eine einheitliche Versandschnittstelle für  Onlinehändler. Ein Versender muss sich nur einmal anmelden und kann danach bei jedem Paket per Tastendruck festlegen, welcher Paketdienst es zum Endkunden bringt. Einige Onlinehändler überlassen diese Entscheidung bereits dem Endkunden beim Bestellen. Heute noch? Oder morgen? In einem Zeitfenster? In den Kofferraum?

Die Gründer von shipcloud denken weiter. Normale Läden werden in Zukunft, so die Prognose von Stefan Hollmann und Claus Fahlbusch, mehr E-Commerce machen. Mit Partnern für den Versand hält sich der Aufwand inzwischen in Grenzen. Lieber verpackt der Verkäufer Ware für den Versand, als dass der Kunde woanders bestellt oder hingeht und der Verkäufer im Laden rumsteht.

Das Schaufenster im Internet

Shipcloud schließt Verträge mit den Paketdiensten über große Lieferumfänge und verteilt die auf inzwischen 6000 Kunden weiter. Die Firma ist der offizielle Versender, entlastet so ihre Kunden. Wegen des Großeinkaufs sinken die Kosten. Vor allem sorgen shipcloud-Programme dafür, dass ein Versender ohne Aufwand versenden kann und sich den Paketaufkleber schnell selbst ausdruckt.

Stationäre Händler, die nicht online verkaufen wollen, müssen dennoch mit dem Internet umgehen. Schließlich wollen sie Kunden in den Laden locken. Das geht mit Werbung und günstiger mit Internetpräsenz. Wolfram Keil setzt auf „regional media“, eine Art Nachbarschaftsinternet. Seine neue Gründung Villio.net bringt klassische Marketinginstrumente des lokalen Einzelhandels wie Schaufenster, Auslagen oder regionale Werbung ins Internet. „Es geht darum, lokale Anbieter mit regionalen Kunden zu vernetzen und echte Kundenkontakte zu fördern“, so Keil. „Wo finde ich jetzt und hier in meiner Umgebung was?“

Anders als bei Google muss kein Ranking durch Klicks erarbeitet oder erkauft werden, und anders als bei Facebook sind keine Likes nötig. Händler sollen, so das Konzept, sofort die regionale Kundschaft finden, ohne dass jemand auf die Website eines Geschäfts aufmerksam macht. Der Endkunde gibt einfach nur ein, was er sucht, und bekommt die Angebote aus seiner Umgebung.

Links

Die neuen Player auf dem Delivery-Markt

Liefery – planbare Zeitfenster-Zustellungen
Tiramizoo – Lieferung am Tag der Bestellung
Pakadoo – Empfang privater Pakete im Büro
Lockbox – Packstation für die Wohnungstür
Shipcloud – Versandschnittstelle für Onlinehändler

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Christian Litz
Titelfoto: © Milles Studio/Stocksy